Shiva, Zeitreisen und eine Mechwart-Liget-Bushaltestelle vereinen sich in einer Budapester Ausstellung

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Was geschieht mit unserem Zeitgefühl, wenn wir die Schwelle zu einer anderen Welt überschreiten? Wie verändert sich unsere Wahrnehmung der Realität, wenn wir in eine andere Kultur eintreten, eine andere Sprache sprechen oder in die digitale Welt eintauchen? Die Ausstellung „Time Loop – Geschichten über Zeitreisen in der hinduistischen Kosmologie“ der österreichischen Künstlerin Eva-Maria Biribauer wird am 8. Oktober im Amrita-Sher-Gil-Kulturzentrum der indischen Botschaft in Budapest eröffnet. Die speziell für die Ausstellung in Budapest geschaffene Serie verbindet hinduistische Kosmologie, Zeitreisen und die Idee des Multiversums und stützt sich dabei auf die eigenen Erfahrungen der Künstlerin sowie ihre Verbindung zu Indien.
Manchmal reicht schon ein einziger Schritt, um unser Zeitgefühl zu verändern
Für Eva-Maria Biribauer begann die Geschichte von „Time Loop“ mit einem genau solchen alltäglichen Moment. Als sie die indische Botschaft in Budapest betrat, hatte sie das Gefühl, in eine andere Welt eingetreten zu sein. Diese plötzliche Veränderung ihrer Wahrnehmung von Raum und Zeit wurde später zum Ausgangspunkt für eine ganze Serie von Gemälden. Biribauer sagt, sie habe ein ähnliches Gefühl bei ganz besonderen Anlässen erlebt, wenn sie zwischen Ländern oder Kulturen wechselte. Es fühle sich an, als würde sich die Zeit krümmen und sich für einen Moment ein Durchgang zwischen zwei verschiedenen Realitäten öffnen.
Ihre Reise nach Indien begann jedoch schon viel früher. Biribauer studierte Ende der 1990er Jahre Mode- und Kostümdesign in München, wo sie erstmals intensiv mit der indischen Kultur und Philosophie in Berührung kam. Im Jahr 2012 reiste sie schließlich zum ersten Mal nach Indien, und das Land wurde nach und nach auch Teil ihres künstlerischen Denkens. Sie las indische Literatur, knüpfte persönliche Kontakte und begann, Aspekte ihres eigenen religiösen und kulturellen Hintergrunds neu zu überdenken. Ein Ergebnis war ihre Gemäldeserie „Jesus Be My Buddha“, in der sie Symbole aus verschiedenen spirituellen Traditionen zusammenführte und gegenüberstellte.

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Von Shivas Energie bis zur „Clique“ im Mechwart Liget
Die Werke in „Time Loop“ entstanden zwischen Mai und September 2026. In diesem Zeitraum schuf Biribauer 26 neue Arbeiten, von denen rund 32 in der Budapester Ausstellung präsentiert wurden. Die meisten sind Acryl auf Leinwand oder Papier, daneben gibt es Werke, die Collagen und Bleistiftzeichnungen enthalten.
Bewegung ist eines der zentralen Motive der Serie. Figuren laufen, springen und fliegen, wobei sie sich manchmal fast auflösen, während sie Portale durch die Zeit passieren. Die Kompositionen sind bewusst aus dem Gleichgewicht gebracht: Anstelle von Stillstand interessiert sich Biribauer für Momente, in denen sich alles im Wandel zu befinden scheint.

„Time Loop“ entfaltet sich anhand von drei miteinander verflochtenen Handlungssträngen. Der erste, „The Time Traveller“, wird von den Farben Indischgelb, Rot und Hellblau dominiert, wobei letzteres auf die visuelle Darstellung bestimmter hinduistischer Gottheiten verweist. Biribauer lässt sich zudem von Shivas transformativer Energie inspirieren. Die zweite Erzählstrang, „Lush Garden“, ist ein Ort der Ruhe, geprägt von Grün- und Gelbtönen – ein Garten, in dem der Zeitreisende zwischen seinen Reisen eine Pause einlegen kann.
Im dritten Kapitel taucht dann unerwartet Budapest in die Geschichte ein.
Die Mitglieder der „Mechwart-Liget-Bushaltestellen-Bande“ bewegen sich zwischen den Welten, tauchen auf und verschwinden, wann immer es ihnen gefällt, und öffnen Zeitportale, wo immer sie wollen. Irgendwo in der Nähe der Bushaltestelle „Mechwart Liget“ kreuzen sich schließlich ihre Wege mit denen der Zeitreisenden. Mit ihren halbtransparenten Figuren in Blau, Rosa, Schwarz und Gelb verleiht Biribauer der Geschichte eine verspielte, fast filmische Wendung.

Dieser narrative Ansatz ist kein Zufall. Neben ihrer Karriere als Künstlerin arbeitete Biribauer 17 Jahre lang in den Kostümabteilungen großer Filmproduktionen. Sie begann ihre Laufbahn als Praktikantin an der Berliner Schaubühne, arbeitete später am Wiener Burgtheater und wechselte schließlich zum Film. Zu ihren Arbeiten zählen „Klimt“ mit John Malkovich und „Woman in Gold“ mit Helen Mirren und Ryan Reynolds.

Das Multiversum liegt in uns
Während der Arbeit an „Time Loop“ las Biribauer Sarvepalli Radhakrishnans Buch „The Hindu View of Life“ aus dem Jahr 1927. Sie sagt, das hinduistische Denken sei ihr noch nie zuvor so nahe gegangen. Diesmal interessierte sie sich besonders für Vorstellungen rund um die unendliche und sich ständig wandelnde Natur des Geistes sowie für die Möglichkeit, dass mehrere Ebenen der Realität nebeneinander existieren.
In diesem Sinne ist Zeitreise in der Ausstellung nicht in erster Linie ein Science-Fiction-Konzept. Biribauer nähert sich dem Thema als etwas, das der alltäglichen Erfahrung viel näher liegt. Die Ankunft in einem anderen Land, das Sprechen einer anderen Sprache oder der Wechsel zwischen der physischen und der digitalen Welt können unsere Umgebung verändern – und mit ihr unsere Wahrnehmung von Zeit und sogar die Art und Weise, wie wir uns selbst sehen.
Dies führt zu einer der zentralen Ideen der Ausstellung: Wir alle sind Zeitreisende. Wie Biribauer es ausdrückt: „Das Multiversum liegt in uns. Es muss nur erkundet werden.“

Informationen zur Ausstellung
Was: „Time Loop – Geschichten über Zeitreisen in der hinduistischen Kosmologie“
Wann: 8. Oktober – 6. November 2026
Künstlergespräch / Führungen mit Eva-Maria Biribauer: 19.–22. Oktober
Wo: Amrita-Sher-Gil-Kulturzentrum, Indische Botschaft, Búzavirág-Straße 14, 1025 Budapest
Eintritt: frei
Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten des Amrita Sher-Gil-Kulturzentrums von Montag bis Freitag von 10:00 bis 17:00 Uhr besucht werden.

