Sogar ein regierungsnaher Experte behauptet, dass die russische Einmischung während des Wahlkampfes beispiellos sei

Ein Wissenschaftler, der dem regierungsnahen Mathias Corvinus Collegium (MCC) angehört, hat davor gewarnt, dass Russland möglicherweise einen ungewöhnlich ausgeklügelten Versuch unternimmt, die ungarischen Wahlen zu beeinflussen.

Eine derartige russische Einmischung ist in der Europäischen Union nicht bekannt.

In einem ausführlichen Facebook-Post, der am frühen Samstag veröffentlicht wurde, argumentierte der Russland-Experte Zalán Alkonyi, dass das Ausmaß und die Komplexität der mutmaßlichen Einmischung ohne Beispiel in der Europäischen Union sei. Laut Alkonyi umfasst die mögliche Operation mehrere Ebenen von Aktivitäten, die von diplomatischem Druck bis hin zu Cyberoperationen und koordinierten Informationskampagnen reichen.

Ein breites Spektrum an möglichen Taktiken

Der Forscher skizzierte mehrere Formen der Einflussnahme, die Teil der Bemühungen sein könnten. Dazu gehören diplomatische Signale aus Moskau, nachrichtendienstliche Nachrichten, Cyberangriffe und die Verbreitung von pro-russischen Narrativen in den Medien und auf sozialen Plattformen.

Ein Beispiel, das er hervorhob, war der angebliche Einsatz von bezahlten Influencern, berichtet 24.hu. Alkonyi bezog sich dabei auf das Netzwerk der Kommentatorin Lauren Chen, die Berichten zufolge Hunderttausende von Dollar von der russischen Regierung erhalten hat, um pro-russische Botschaften im Internet zu verbreiten. Chen war zuvor in Ungarn und trat bei einem Festival auf.

Andere Elemente, die in der Analyse erwähnt werden, sind mutmaßliche automatisierte Bot-Netzwerke, von künstlicher Intelligenz unterstützte Kommunikationskampagnen und die direkte Online-Aktivität der russischen Botschaft in Debatten mit ungarischen Oppositionellen. Der Forscher verwies auch auf Vorfälle wie Cyberattacken, die Veröffentlichung persönlicher Daten von Oppositionsaktivisten und frühere Angriffe auf das ungarische Außenministerium.

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Das Ziel könnte Misstrauen sein, nicht ein bestimmtes Ergebnis

Trotz des breiten Spektrums der beschriebenen Aktivitäten betonte Alkonyi, dass der Ausgang jeder Wahl letztlich von den Wählern abhängt. Er argumentierte, dass man den ausländischen Einfluss weder übertreiben noch abtun sollte. Stattdessen sollte er als Teil umfassenderer Informations- und psychologischer Operationen verstanden werden, die darauf abzielen, die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.

Seiner Analyse zufolge besteht das Ziel Moskaus nicht unbedingt darin, den Sieg einer bestimmten politischen Kraft zu sichern. Vielmehr könnte das Ziel darin bestehen, ein knappes oder umstrittenes Wahlergebnis herbeizuführen, das das Vertrauen in das politische System untergräbt.

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Ungarn ist (auf) dem Schlachtfeld der Informationen

Alkonyi meinte, dass Ungarn zu einem der Schlachtfelder im Informationsraum geworden ist, die mit dem laufenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine zusammenhängen. Seiner Ansicht nach könnte Russland daran interessiert sein, in Budapest ein politisches Umfeld aufrechtzuerhalten, das seinen strategischen Interessen entgegenkommt und die europäische Einheit schwächt.

Gleichzeitig stellte der Forscher fest, dass die extremsten Szenarien – wie gewalttätige Zwischenfälle oder Drohnenangriffe – unwahrscheinlich bleiben. Letztlich, so schloss er, sind Widerstandsfähigkeit und sozialer Zusammenhalt der Schlüssel, um hybride Kriegsführung zu bekämpfen und das Vertrauen in die demokratischen Institutionen zu erhalten.

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