The Guardian: Ungarn „ent-Orbánisiert“ sich in Rekordgeschwindigkeit

Laut einem Leitartikel des „Guardian“ hat die Regierung von Péter Magyar den dramatischsten Wandel in Ungarn seit dem Fall des Kommunismus eingeleitet – doch bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich verfassungsrechtlicher Maßnahmen, die sich gegen Politiker der Fidesz richten, sowie hinsichtlich des Verbleibs von mehr als 10 Milliarden Euro an EU-Mitteln.
Ungarn durchläuft laut „The Guardian“ seinen tiefgreifendsten politischen Wandel seit dem Fall des Kommunismus im Jahr 1989; die Zeitung berichtet, dass die Regierung von Péter Magyar das 16-jährige politische Erbe von Viktor Orbán in „außergewöhnlichem Tempo“ abbaut.
In einem am Sonntag veröffentlichten Leitartikel bewertete die britische Zeitung die ersten drei Monate von Magyar als Ministerpräsident und bezeichnete die Veränderungen als „friedliche politische Revolution“.
„The Guardian“ stellt Orbáns früheres System als eine „sanfte Autokratie“ dar, die von Korruption lebte und ihren Einfluss auf weite Teile der ungarischen Gesellschaft ausdehnte – von Religion und Kultur bis hin zu den Medien. Nun, so argumentiert die Zeitung, werde dieses System in bemerkenswerter Geschwindigkeit demontiert.
Neuer Präsident und eine Umstrukturierung der staatlichen Medien
Eine der bedeutendsten Entwicklungen, auf die die Zeitung hinweist, ist die Ernennung von András Baka zum neuen ungarischen Präsidenten. Baka, ehemaliger Präsident des ungarischen Obersten Gerichtshofs, wurde während Orbáns Regierungszeit in einem Verfahren aus seinem Richteramt entlassen, das später vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als Verstoß gegen seine Rechte eingestuft wurde.
Seine Ernennung steht in krassem Gegensatz zum Ausscheiden seines Vorgängers, Tamás Sulyok. „Magyar“ hatte Sulyok vorgeworfen, die Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit praktisch absegnet zu haben, während eine Verfassungsänderung seine Amtszeit als Präsident vorzeitig beendete.
„The Guardian“ verweist zudem auf die Wiederaufnahme der Nachrichtensendungen auf Ungarns wichtigstem staatlichen Fernsehsender am 20. August nach einer sechswöchigen Unterbrechung. Die Zeitung beschreibt die Beendigung dessen, was Magyar als offensichtliche politische Voreingenommenheit in den staatlichen Medien dargestellt hat, als eines seiner wichtigsten Wahlversprechen. Magyar gewann die Wahl im April trotz eines Wahlsystems, das laut „The Guardian“ zugunsten von Orbán gewichtet war.
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Ungarn geht gegen das Erbe der Korruption vor
Die Bemühungen der Regierung, die während der vorherigen Amtszeit aufgebauten Korruptionsnetzwerke zu zerschlagen, schreiten laut dem Leitartikel ebenfalls zügig voran. „The Guardian“ berichtet, dass während Orbáns Regierungszeit vermutlich weit über 100 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern, darunter Milliarden an EU-Mitteln, veruntreut wurden.
Die Ermittler erhielten neue Befugnisse, um mutmaßlich veruntreute Vermögenswerte über das neu eingerichtete Nationale Amt für Vermögensrückgewinnung und -schutz zu verfolgen. Magyar bestätigte zudem die Beteiligung Ungarns an der Europäischen Staatsanwaltschaft – ein Schritt, der den Schutz von EU-Mitteln und die Ermittlung von Finanzdelikten stärken soll.
Die nächste große Bewährungsprobe könnte bereits in diesem Herbst anstehen. Brüssel hat Ungarn bis Ende August Zeit gegeben, um nachzuweisen, dass ausreichende Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption ergriffen wurden. Auf dem Spiel stehen mehr als 10 Milliarden Euro an eingefrorenen EU-Mitteln.
„The Guardian“ hält es für wahrscheinlich, dass der Großteil der Gelder letztendlich freigegeben wird, und argumentiert, dies würde die Annäherung zwischen Ungarn und der Europäischen Union nach Jahren des Konflikts weiter festigen.

Bedenken hinsichtlich der Fidesz und einer „Rache“
Trotz seiner weitgehend positiven Einschätzung des Kurses der neuen Regierung äußert „The Guardian“ auch Bedenken hinsichtlich einiger Vorgehensweisen der ungarischen Regierung. Die Zeitung verweist auf verfassungsrechtliche Manöver, die darauf abzielen, eine Reihe von Fidesz-Abgeordneten daran zu hindern, bei künftigen Wahlen zu kandidieren.
Präsident Baka selbst hat davor gewarnt, den Eindruck zu erwecken, die neue Regierung strebe Rache an Orbáns Anhängern an. „The Guardian“ argumentiert dennoch, dass eine grundlegende Umgestaltung zur Demontage des früheren Systems notwendig gewesen sei, und stellt fest, dass Magyars Vorgehen in Meinungsumfragen weiterhin starke öffentliche Unterstützung genießt.
Gleichzeitig mahnt die Zeitung, dass der Wiederaufbau Ungarns zu einer „normalen pluralistischen europäischen Demokratie“ Zeit brauchen werde.
Derzeit beschreibt sie Magyar als einen „politischen Wirbelwind“, der an der Spitze einer de facto aus der nationalen Einheit gebildeten Regierung steht und von Wählern aus dem gesamten politischen Spektrum unterstützt wird.
Von symbolischen Gesten zur politischen Revolution
„The Guardian“ hebt zudem die symbolischen Veränderungen hervor, die Magyar eingeführt hat. Im Mai verlegte der neue Ministerpräsident sein Büro aus dem Karmeliterkloster, jenem streng bewachten Gebäude, das Orbán während seiner Amtszeit als Ministerpräsident genutzt hatte. Das Gebäude ist seitdem für die Öffentlichkeit zugänglich.
„Ich wurde nicht einfach gewählt, um die Regierung zu wechseln, sondern um das Regime zu ändern“, sagte Magyar kurz nach seinem Amtsantritt, wie die Zeitung berichtet.
Drei Monate später, so argumentiert „The Guardian“, ging dieser symbolische Bruch mit der Vergangenheit mit weitaus substanzielleren Veränderungen einher.


Hungary has decided differently, and that’s a good thing, because populists are failures, as Florian Harms, editor-in-chief of T-Online, writes! Populists are analyzed here using Trump as an example, but the descriptions apply more or less to all populists. One thing can already be said: Fidesz cannot act any differently in the future. Hungary should never forget that.
Excerpt translated from German into English:
Populists have a simple method: They shout at reality until it seems meek for a moment. Donald Trump masters this tactic like almost no other: the big mouth as a substitute for government, the threat as a diplomatic masquerade, the tweet as a battering ram. When he moved into the White House for the second time in January 2025, he puffed out his cheeks: “The golden age of America begins right now,” he proclaimed in his inaugural address; the USA would finally be respected, admired, feared, and envied again. It was the typical Trump sound: half messianic sermon, half real estate prospectus.
Since then, the US president has announced, retracted, threatened, renamed, increased, and punished countless things. He treated friend and foe the same: first the slap, then the reckoning. Those who ducked did so hoping the next blow would land on their neighbor. That’s the logic of the court under an unpredictable prince: one bows not out of respect, but out of fear of the ruler’s whim.
But this method ultimately fails when the prince talks faster than he can think. Therefore, in late summer 2026, the mighty Max stumbles across the world stage only as a caricature: a president who shouts like a half-assed man because he possesses hardly any real strength left. A general who wanted to make history with gunboats and is now haunted by the consequences of his own stupidity.
Power is also measured by whether threats work. In the Persian Gulf, however, one of Trump’s threats after another falls on deaf ears. The situation in the Strait of Hormuz demonstrates how quickly imperial bravado can turn into a logistical nightmare. Ship blockades, strikes and counterattacks, rising oil prices, and growing insecurity underscore a simple truth that is never mentioned in the bluntness of Trumpism: Whoever ignites a conflict does not automatically control the blaze. Instead, they are often consumed by it.
The allies see this too. For decades, the Gulf states have relied on the American promise of protection. But when the protector himself becomes the source of the threat, he loses his value. And those who recognize that the hegemon is wavering begin to look around: for other allies, other forms of security, other guarantees. That is why the Arab states are now turning to China and Europe, and the US is losing its dominant role in the world’s most resource-rich region.
On its own continent, the situation is no better for the US. Neighboring Canada has had enough of Washington’s tariff charade. The latest American punitive tariffs were promptly met with a swift response from the government of the assertive Prime Minister Mark Carney yesterday, who imposed hefty retaliatory tariffs. The conflict will undoubtedly damage the nation of 40 million, but it’s worth it to the Canadians to stand up to their aggressive neighbor, as our correspondent Bastian Brauns reports. Eventually, even the Trump supporters will realize the consequences of their actions: those who conduct trade policy like a bar fight shouldn’t be surprised when their own people end up suffering.
Especially since the US debt is spiraling out of control. The land of unlimited credit has just broken a new record: $40 trillion in national debt is now piling up on the books – a number with 13 zeros. Trump’s chaotic policies have increased the sum by almost $3 trillion in the past twelve months alone. Investors are reacting nervously and demanding higher risk premiums. The spectre of an American default, which would plunge the global economy into the abyss, haunts the financial sector. Treasury Secretary Scott Bessent tries to counteract this with frantic maneuvers, buying billions of dollars’ worth of US Treasury bonds – but the effect fizzles out. At the same time, the cost of living rises, and Americans have to pay ever more for food and gasoline. Instead of a golden age, they are sliding straight toward a sovereign debt crisis.
This is not merely the story of an overwhelmed president. It is a lesson in populism. Populists sell complexity as deception and simplicity as salvation. They claim there is always a culprit, a limit, a tariff, an enemy, and a signature after which everything will be alright. They turn politics into a magic trick: put on your hat, pull out a rabbit, applause! Except that at some point, there’s no rabbit left in the hat, but rather the bill.
Britain has already witnessed this tragedy. Brexit was sold by its cheerleaders as liberation, as national self-healing through leaving the EU. Ten years later, it is proving to be a historic mistake. Gross domestic product has dwindled, investments have dried up, and productivity is suffering. Sovereignty was promised. What was delivered were red tape, friction, and frustration.
Populist politics is incredibly damaging: This is the case in Britain, and now it is in the United States. And this could also happen in Germany if enough voters hand over the state to the extreme populists of the AfD as a testing ground. One doesn’t need to be a prophet to foresee what will happen then: First come the easy answers, then the institutional fires, and finally the excuses. It’s always someone else’s fault: Brussels, Berlin, the media, the courts, foreigners, the established parties, the weather. But never those who wanted to build a government program out of resentment.
The lessons from Trump’s failure are therefore crystal clear: First, you mustn’t appease blackmailers by handing them the silverware. Those who back down from every threat only encourage the aggressor to make the next one. Instead, what’s needed is a firm stance, as demonstrated by Canada’s Prime Minister. Democrats must learn that giving in to political bullying is not peaceful, but reckless.