Tragische Zahl: In Ungarn stirbt alle sechs Stunden jemand durch Selbstmord

Jahrzehntelang war die Zahl der Selbstmorde in Hunagry stetig rückläufig. Laut einer aktuellen Warnung der Ungarischen Ärztekammer (MOK) ist dieser Trend jedoch gebrochen, und in den letzten fünf Jahren hat das Land eine Wende erlebt, die seit den 1980er Jahren nicht mehr zu beobachten war.
Laut MOK wurde der Abwärtstrend nach vier Jahrzehnten des Rückgangs im Jahr 2019 gestoppt. Seitdem haben sich die Zahlen wieder verschlechtert.
Die Kammer behauptet, dass es in Ungarn nun im Durchschnitt alle sechs Stunden einen Selbstmord gibt – eine Situation, die sie als die alarmierendste seit den 1980er Jahren bezeichnet.
Experten argumentieren, dass die Krise nicht durch ein einzelnes Ereignis erklärt werden kann. Abgesehen von der chronischen Unterfinanzierung hat das psychiatrische Gesundheitssystem mit einem langfristigen Mangel an Ärzten und Fachpersonal zu kämpfen.
Eines der auffälligsten Beispiele ist das Nyírő Gyula National Institute of Psychiatry and Addictions, wo Berichten zufolge fünfzehn Fachärzte innerhalb von weniger als zwei Jahren das Land verlassen haben – eine Entwicklung, die von vielen als Symptom für ein breiteres System unter Druck gesehen wird.
Wo steht Ungarn heute in Bezug auf die psychische Gesundheit?
Die Erklärung des MOK konzentriert sich nicht nur auf die psychiatrischen Abteilungen. Sie weist auch darauf hin, dass sich der Zugang zur psychischen Gesundheitsversorgung im Allgemeinen nicht verbessert hat. Psychotherapie zum Beispiel ist nach wie vor schwer zugänglich und es gibt lange Wartelisten – und das, obwohl sie in den Empfehlungen der Fachleute immer wieder als eines der Schlüsselelemente der Prävention bezeichnet wird.

Ungarns Selbstmordindikatoren gehören seit langem zu den schlechtesten in der Europäischen Union. Eurostat-Daten zufolge verzeichnete Litauen im Jahr 2016 die höchste Selbstmordrate unter den EU-Mitgliedstaaten, dicht gefolgt von Ungarn. Im Jahr 2020 zeigte sich das gleiche Muster: Ungarn hatte die zweithöchste Selbstmordsterblichkeitsrate in der EU, wiederum nach Litauen.
Das EU-OECD Hungary Country Health Profile (2023) stellt außerdem fest, dass Ungarn trotz eines allgemeinen langfristigen Rückgangs immer noch eine der höchsten Selbstmordraten unter Männern in der Europäischen Union aufweist.
Internationale Vergleiche zeigen, dass Ungarn innerhalb der EU weiterhin durch hohe Selbstmordraten bei Männern auffällt – auch wenn sich die Gesamtsterblichkeitszahlen in bestimmten Zeiträumen verbessert haben.
Fachpublikationen weisen auch auf erhebliche Einschränkungen bei der Prävalenz, der Diagnose und der Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen in Ungarn hin. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr Hunderttausende von Menschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen leben, doch nur ein kleiner Teil erhält eine wirksame Behandlung.
Selbstbeschädigung, der blinde Fleck in den Statistiken
Ein weiteres Phänomen, das in der Forschung zur psychischen Gesundheit häufig diskutiert wird, ist die nicht-suizidale Selbstverletzung (Selbstbeschädigung). Darunter versteht man die absichtliche Verletzung des eigenen Körpers – zum Beispiel durch Schneiden oder andere Formen der Verletzung – ohne die Absicht, das eigene Leben zu beenden.
Da sie nicht mit dem Tod verbunden ist, taucht die Selbstverletzung nicht in der Selbstmordstatistik auf. Fachleute aus dem Bereich der psychischen Gesundheit betrachten sie jedoch als wichtiges Warnzeichen, und Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sie als potenzieller Risikofaktor eng mit suizidalem Verhalten, einschließlich Suizidversuchen, verknüpft sein könnte.
In Ungarn gibt es nach wie vor nur wenige landesweite, repräsentative Daten über Selbstverletzungen. Ausgehend von Medienberichten und den Erfahrungen von Fachleuten, die in der Kinderpsychiatrie und der Notfallversorgung arbeiten, ist das Phänomen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen jedoch alles andere als selten.
Weitere Informationen zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen finden Sie in unserem entsprechenden Artikel:

