Ungarische Soldaten in Erbil unter Beschuss: Wird Orbán seine Truppen nach dem jüngsten Angriff abziehen?

Ungarische Soldaten dienen seit fast einem Jahrzehnt in Erbil, der Hauptstadt des irakischen Kurdistans. Doch noch nie waren sie in einer so gefährlichen Situation wie der, die sich jetzt abzeichnet. Seit dem Ausbruch des israelisch-amerikanisch-iranischen Konflikts werden die Militäreinrichtungen der Stadt immer wieder von Drohnen- und Raketenangriffen heimgesucht. Die Einschläge finden nicht mehr nur in der Ferne statt: Ein französischer Soldat wurde getötet und ungarische Truppen sind in einer Zone stationiert, die unter direktem und aktivem Beschuss steht.
Seit einem Jahrzehnt präsent, jetzt unter Beschuss
Die ungarischen Streitkräfte sind seit 2015 als Teil der internationalen Koalition in der Region Erbil stationiert. Zu ihren Aufgaben gehören die Ausbildung lokaler Streitkräfte, beratende Unterstützung und der Aufbau von Kapazitäten der Partner. Im November 2025 verlängerte die ungarische Regierung den Einsatz im Irak bis zum 31. Dezember 2026 mit einem Kontingent von bis zu zwanzig Soldaten, das während der Rotationsphasen auf vierzig Soldaten aufgestockt wird.
Diese relativ ruhige Mission änderte sich Ende Februar grundlegend.
Der Konflikt bricht aus – erste Streiks
Am 28. Februar begannen die Vereinigten Staaten und Israel mit Angriffen auf den Iran. Nach der Ermordung des Obersten Führers Ali Khamenei reagierte Teheran mit Drohnen- und Raketenangriffen auf Länder, die amerikanische Militäreinrichtungen beherbergen. Erbil geriet sofort in das Fadenkreuz.
Eine Drohne schlug in ein Munitionsdepot auf dem amerikanischen Militärstützpunkt in Erbil ein und löste einen Großbrand und eine Reihe von Explosionen aus – die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen. Die Angriffe haben seitdem nicht nachgelassen: Der Iran hat mehr als 200 ballistische Raketen und Drohnen auf die Region Kurdistan abgefeuert, die meisten davon direkt auf Erbil, während andere Geschosse von iranisch unterstützten Milizen von irakischem Gebiet aus abgefeuert wurden. Amerikanische Patriot-Luftabwehrsysteme haben mehrere ankommende Geschosse erfolgreich abgefangen.
Die ungarischen Soldaten haben jeden Angriff unbeschadet überstanden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums befanden sich die Truppen während des letzten Einschlags in einem Bunker, und alle Mitarbeiter sind in Sicherheit. Details: Ungarische Truppen suchen Schutz bei Angriff auf Stützpunkt im Irak – VIDEO, UPDATE
Das erste alliierte Todesopfer – ein französischer Soldat in Erbil getötet
Am 12. und 13. März erreichte der Konflikt einen ernsten Wendepunkt. Eine Drohne schlug auf einen gemeinsamen Stützpunkt der kurdischen Peshmerga und der französischen Streitkräfte im Bezirk Makhmur ein, in den französische Berater entsandt worden waren. Ein französischer Soldat wurde getötet und sechs weitere wurden verwundet. Die Verletzten wurden sofort in die nächstgelegene medizinische Einrichtung evakuiert.
Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Angriff als “inakzeptabel” und betonte, dass sich die französischen Truppen im Irak ausschließlich im Rahmen der seit 2015 laufenden Anti-Terror-Mission gegen ISIS aufhalten. “Der Krieg im Iran kann solche Angriffe nicht rechtfertigen”, erklärte der Präsident. Auch das in Erbil stationierte italienische Kontingent wurde getroffen – glücklicherweise ohne Opfer – ebenso wie ein Teil der NATO-Truppen in der Stadt. Erbil ist in der Tat zum Rand eines aktiven Kriegsschauplatzes geworden.
Die Dachorganisation der mit dem Iran verbündeten irakischen Milizen, der so genannte Islamische Widerstand im Irak, hat sich zu dem Angriff bekannt und gewarnt, dass französische Interessen in der Region weiterhin Ziele sein könnten.
Orbán hat die Karten in der Hand – eine heikle Allianz
Der Konflikt hat eine politisch brisante Frage in den Vordergrund gerückt: Die Regierung von Viktor Orbán, die über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament verfügt, hat die einseitige Befugnis zu entscheiden, ob die ungarische Mission fortgesetzt oder zurückgezogen wird. Es gibt keine institutionelle Kontrolle, die ein gegenteiliges Ergebnis erzwingen könnte.
Am Wochenende kündigte Orbán an, dass Ungarn die Alarmstufe zur Terrorismusbekämpfung erhöht hat – ein Signal, dass die Regierung die Eskalation ernst nimmt. Bislang wurde in der offiziellen Kommunikation jedoch peinlich genau jede Erwähnung eines möglichen Abzugs vermieden.
Der Grund für diese Vorsicht ist nicht nur eine Frage des Prinzips, sondern auch strategisch. Washington, Ungarns NATO-Verbündeter, würde jeden Rückzug aus der Region mit großem Missfallen betrachten. Aus amerikanischer Sicht ist die Präsenz der Koalition ein kohärentes und voneinander abhängiges System. Wenn sich die Verbündeten unter iranischem Druck einen nach dem anderen zurückziehen, erweckt dies den Anschein eines Sieges für Teheran – und sendet ein schädliches politisches Signal. Die Reaktion Frankreichs ist aufschlussreich: Obwohl es sein erstes Todesopfer in dem Konflikt zu beklagen hatte, bekräftigte Paris sofort seine Zusage, vor Ort zu bleiben. Diese Entscheidung weckt die implizite Erwartung, dass auch andere Verbündete die Linie einhalten werden.
Orbán hat also nur einen begrenzten Handlungsspielraum. Die Sicherheit der ungarischen Soldaten und die Treue zu den Bündnisverpflichtungen verlangen beide gleichzeitig Aufmerksamkeit, während die innenpolitische Berichterstattung traditionell zurückhaltend ist, wenn es darum geht, die ungarischen Truppen als in einer aktiven Kampfzone operierend darzustellen. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Regierung diesen Widerspruch aushalten kann – oder ob sie gezwungen sein wird, einen eindeutigen Standpunkt einzunehmen.
Wie wir bereits geschrieben haben, hat das Kabinett Orbán vor den Wahlen stillschweigend einen weiteren großen ausländischen USD-Kredit aufgenommen

