Vorsitzender des ungarischen Anwaltskreises: Der ehemalige Ministerpräsident Orbán könnte bald zum Verdächtigen werden – kann er festgenommen werden?

Sprache ändern:

Der Vorsitzende des Anwaltskreises, Lóránt Horváth, erklärte in der Sendung „Konkrétan“ mit Egon Rónai, er sei überzeugt, dass der Fall des ukrainischen Goldkonvois hinter dem Rücktritt von Generalstaatsanwalt Gábor Bálint Nagy stehe und dass die Affäre letztendlich auch Orbán selbst betreffen könnte.

Fall des Goldkonvois: Versäumen es die ungarischen Behörden, mit vollem Einsatz zu ermitteln?

Laut Horváth führte der Generalstaatsanwalt zwar moralische Gründe für seinen Rücktritt an, doch könnten auch finanzielle und wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle gespielt haben. Er erklärte, dass auf den Rücktritt eine 30-tägige Kündigungsfrist folge, nach deren Ablauf Gábor Bálint Nagy seine Tätigkeit als Staatsanwalt mit einem Nettogehalt von 2,5 Millionen Forint fortsetzen könne, während ein Amtsenthebungsverfahren zudem seinen Status als Staatsanwalt und die damit verbundenen Vergünstigungen gefährden würde. Der Anwalt erklärte daher, dass das Amtsenthebungsverfahren bereits während der Kündigungsfrist eingeleitet werden sollte, da der Generalstaatsanwalt während dieser Zeit weiterhin seine vollen Befugnisse ausübe, berichtete die Ungarische Nachrichtenagentur.

orbán tusványos
Der ehemalige Ministerpräsident nimmt derzeit am Tusványos-Festival in Siebenbürgen, Zentralrumänien, teil. Foto: Facebook/Orbán Viktor

Im Zusammenhang mit dem Fall des „Goldkonvois“ behauptete Lóránt Horváth, dass bei den Ermittlungen Schritte ausgelassen worden seien, die bei einem Fall vergleichbarer Schwere gerechtfertigt gewesen wären. Seiner Ansicht nach scheint sich eine organisierte Straftat abzuzeichnen, und die Ermittler hätten entweder bis zur Führungsebene vorstoßen oder Beweise von unten nach oben sammeln müssen. Stattdessen sei die Verantwortungskette „in der Mitte durchtrennt“ worden, und János Hajdu, der ehemalige Leiter des Zentrums für Terrorismusbekämpfung, sei in den Mittelpunkt des Falles gerückt worden. Obwohl gegen ihn Anklage erhoben wurde, erklärte Horváth, dass angesichts der Schwere des Falles auch eine Inhaftierung, Hausdurchsuchungen und die Beschlagnahmung von IT-Ausrüstung gerechtfertigt gewesen wären.

Der Skandal könnte den ehemaligen Ministerpräsidenten Orbán erreichen

Der Anwalt behauptete zudem, dass in Fällen dieser Größenordnung die ermittelnden Staatsanwälte den Generalstaatsanwalt täglich unterrichten, sodass dieser über jeden wichtigen Ermittlungsschritt informiert ist und auch Anweisungen erteilen kann. Seiner Meinung nach könnte der neue Generalstaatsanwalt bei der Überprüfung der Fälle des vergangenen Jahres auf zahlreiche Umstände stoßen, die auf eine Einmischung in die Verfahren hindeuten.

Former PM Viktor Orbán
Der ehemalige Ministerpräsident Orbán bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Foto: Facebook/Orbán Viktor

Lóránt Horváth erklärte, er glaube, dass die Fäden des Falles zu Orbán führen, und dass dies, sollte sich dies bestätigen, strafrechtliche Konsequenzen haben könnte. Er sagte, man habe versucht, einen politischen Willen als Straftat darzustellen, doch dies sei nicht vollständig gelungen. Seiner Ansicht nach sei tatsächlich kein Straftatbestand vorliegend, sondern es handele sich vielmehr um eine auf politischen Auftrag hin organisierte Aktion zu Wahlkampfzwecken, von der der Ministerpräsident höchstwahrscheinlich ebenfalls Kenntnis gehabt habe. Er fügte jedoch hinzu, dass eine Vernehmung oder Anklage gegen Orbán eine belastende Aussage oder andere Beweise erfordern würde.

Wird der ehemalige Leiter der Terrorismusbekämpfung, Hajdu, anstelle des ehemaligen Ministerpräsidenten Orbán ins Gefängnis müssen? Das mutmaßliche Ziel des geheimen Treffens wurde enthüllt

Sie wandten sich bewusst an die Presse

In der Sendung wurde auch auf die Aussage von János Hajdu eingegangen. Horváth erklärte, dass Örs Farkas, der zuvor die zivilen nationalen Sicherheitsdienste beaufsichtigt hatte, seines Wissens nach noch nicht vernommen worden sei, dass er jedoch bald als Verdächtiger befragt werden könnte.

Former PM Orbán's anti-terrorism force chief János Hajdu
Orbán und Hajdu am Morgen der Operation „Goldkonvoi“. Foto: Facebook/Orbán Viktor

Der Anwalt erklärte zudem, dass die ukrainische Bank die beschlagnahmten Vermögenswerte zurückerhalten habe und dass er selbst bei der Übergabe anwesend gewesen sei. Ihm zufolge seien im Rahmen der Geldwäscheermittlungen noch einige Gegenstände übrig geblieben, deren Rückgabe ebenfalls beantragt worden sei. Er erklärte, dass die gegen die Betroffenen verhängten Ausweisungsmaßnahmen ebenfalls aufgehoben worden seien, sodass sie sich nun wieder frei innerhalb des Hoheitsgebiets der Europäischen Union bewegen könnten.

Lóránt Horváth erklärte, die Gewährleistung der Öffentlichkeit in diesem Fall sei auf Wunsch ihres Mandanten eine bewusste rechtliche Strategie gewesen, da die „Goldkonvoi“-Affäre seiner Ansicht nach andernfalls unter den anderen Verfahren untergegangen wäre.

Pressekonferenz von Ministerpräsident Magyar: Lohnobergrenzen, Mehrwertsteuersenkungen und Vermögensuntersuchungen angekündigt

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *