Strenge Sparmaßnahmen könnten auf die ungarischen Wahlen folgen, warnt ein Experte

Während die Wahlen näher rücken, stagnieren die wirtschaftlichen Aussichten Ungarns in fast jeder Hinsicht. Obwohl die Regierung weiterhin optimistische Wachstumszahlen prognostiziert, ist die Realität nach Ansicht von Experten weit weniger ermutigend – und bereits im Frühjahr könnten erhebliche Sparmaßnahmen eingeführt werden.
Sechs Monate vor den Wahlen 2026 stagniert Ungarns Wirtschaft immer noch. Die Inflation geht zwar zurück, aber das Wachstum ist nach wie vor alles andere als zufriedenstellend, und vor den Wahlen wird keine wesentliche Änderung der Wirtschaftspolitik erwartet. Dávid Németh, leitender Analyst bei der K&H Bank, hat laut Telex ausführlich dargelegt, was in den nächsten sechs Monaten zu erwarten ist und welche Art von Anpassungen oder Sparmaßnahmen notwendig werden könnten.
Stagnierendes BIP und weit entfernte Zinssenkungen
Laut Németh zeigen die jüngsten Daten, dass das BIP im dritten Quartal stagnierte, was darauf hindeutet, dass das Wachstum im Jahr 2025 nur 0,5% und im besten Fall 2,4% im Jahr 2026 erreichen wird – weit unter dem Ziel der Regierung von 3%.
Obwohl der Forint derzeit stabil ist, glaubt Németh, dass eine stärkere Aufwertung notwendig ist. Aufgrund des Inflationsdrucks wird die Ungarische Nationalbank den Leitzins wahrscheinlich nicht vor dem Frühjahr 2026 senken. Selbst dann wäre ein solcher Schritt nur möglich, wenn die monatliche Inflation unter 3% fällt – ein Szenario mit einer relativ geringen Wahrscheinlichkeit von nur 30%.
In der Zwischenzeit könnte sich die Haushaltslage rasch verschlechtern. Während die Einnahmen und Ausgaben im Jahr 2024 nahezu ausgeglichen waren, könnte im Jahr 2025 ein Defizit von 1-1,5% des BIP entstehen. Ohne eine sofortige Korrektur nach den Wahlen könnte dieses Defizit bis 2026 auf 2-2,5% ansteigen. Zusammen mit den Zinsausgaben von etwa 3,5% könnte das Gesamtdefizit etwa 6% erreichen.
Düstere Aussichten für den Immobilienmarkt
Verzerrungen sind auch auf dem Wohnungsmarkt zu beobachten. Staatliche Programme wie Otthon Start (Home Start) haben die Nachfrage so stark angekurbelt, dass das Angebot damit nicht Schritt halten kann. Infolgedessen schätzen Experten, dass ungarische Immobilien derzeit um 20-25% überbewertet sind.
Laut Infostart, das sich auf Daten von ingatlan.com beruft, ist die Nachfrage nach neu gebauten Immobilien seit der Ankündigung des Otthon Start-Programms um durchschnittlich 76% gestiegen. In Budapest stieg die Nachfrage in den letzten vier Monaten um 49%, in den großen Regionalstädten um 86% und in kleineren ländlichen Siedlungen um außergewöhnliche 142% im Vergleich zum Vorjahr.
Auch die Zahl der Baugenehmigungen ist gestiegen: Bis September dieses Jahres wurden fast 20.000 neue Genehmigungen erteilt – ein Anstieg um 37% gegenüber 2024. Dieses Tempo reicht jedoch bei weitem nicht aus, um mit dem rasanten Wachstum der Nachfrage Schritt zu halten.
Größere Sparmaßnahmen erwartet
Dem Analysten zufolge werden unabhängig vom Wahlausgang wahrscheinlich mehrere Maßnahmen eingeführt, die als Sparmaßnahmen eingestuft werden könnten, obwohl vor dem Frühsommer keine bedeutenden Ankündigungen – nicht einmal Versprechungen – zu erwarten sind.
Während die Kontinuität der Märkte für ein gewisses Maß an Stabilität sorgt, hoffen die Anleger auch, dass ein möglicher Regierungswechsel – ähnlich wie der Sieg von Donald Tusk in Polen – positive Entwicklungen in Bereichen wie der EU-Finanzierung und dem Zinsniveau bringen könnte. Eines ist jedoch klar: Die Rücknahme der marktverzerrenden Preisobergrenzen und die Neubewertung der Haushaltssubventionen sind dringend erforderlich.
Regelungen wie die Einkommenssteuerbefreiung für Mütter, staatlich subventionierte Wohnungsbaudarlehen und die vorgeschlagene Rente mit 14 Monaten Laufzeit belasten die öffentlichen Finanzen stark. Ohne vernünftige Einschränkungen und gezieltere Unterstützung sind diese Programme langfristig nicht tragbar.

