Luxuszüge rollen auf der Strecke Budapest-Belgrad: Ledersitze, Kaffeemaschinen und 200 km/h

Eine neue Ära im ungarisch-serbischen Bahnverkehr könnte in wenigen Wochen beginnen, wenn moderne, in China gebaute Züge auf der Bahnstrecke Budapest-Belgrad in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig rasen bereits Hochgeschwindigkeits-Testzüge über den ungarischen Abschnitt der Strecke. Ersten Angaben zufolge werden die Fahrten nicht nur schneller, sondern auch wesentlich komfortabler sein.

Ledersitze, Café-Wagen und fast 500 Fahrgäste

Berichten zufolge hat die staatliche serbische Eisenbahngesellschaft Srbija Voz die Züge enthüllt, die auf der Strecke verkehren werden. Die fünf Züge wurden von der China Railway International Group hergestellt, wie die Világgazdaság berichtet.

Jeder Zug kann bis zu 498 Passagiere befördern, darunter 250 Sitzplätze. Es wird 45 Sitze in der ersten Klasse und 205 in der zweiten Klasse geben. Die Innenausstattung ähnelt eher einem modernen Fernzug als einem traditionellen Regionalzug, mit ledergepolsterten Sitzen, Steckdosen, Leselampen und einem eigenen Café- und Buffetbereich. Eine Selbstbedienungs-Kaffeemaschine wird ebenfalls an Bord verfügbar sein.

Auf bestimmten Abschnitten werden die Züge laut der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreichen können.

budapest-belgrade railway line trains
Moderne, in China gebaute Züge bereiten sich auf den Einsatz auf der Bahnstrecke Budapest-Belgrad vor. Screenshot: YouTube/BeogradCREATIVE

Ein strategisch wichtiges Projekt in Mitteleuropa

Die Eisenbahnlinie Budapest-Belgrad ist eine der größten Infrastrukturinvestitionen in der Region, die im Rahmen der chinesischen Belt and Road Initiative durchgeführt wird. Der serbische Abschnitt ist 183 Kilometer lang, zweigleisig und vollständig elektrifiziert, so dass er sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr geeignet ist.

Es wird erwartet, dass der Ausbau die Reisezeiten erheblich verkürzt und die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn gegenüber dem Straßen- und Luftverkehr verbessert.

Tests in Ungarn bereits im Gange

Auch auf ungarischer Seite beschleunigt sich die Entwicklung. Nach Angaben von Világgazdaság könnte die derzeitige Streckensperrung Ende Februar enden, so dass der Güterverkehr mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h aufgenommen werden kann. Der Personenverkehr wird voraussichtlich Mitte März folgen.

Die Strecke wird zwischen Soroksár und Kelebia getestet. Die Testzüge erhöhen ihre Geschwindigkeit schrittweise: Am ersten Tag fuhren sie mit 60 km/h und erreichten innerhalb weniger Tage 160 km/h. Der Zug überquert kurz die Grenze in Richtung Szabadka, bevor er nach Ungarn zurückkehrt.

Deutsche “Superzüge” vermessen die Strecke

An den Inspektionen ist auch die Deutsche Bahn-Tochter DB Systemtechnik beteiligt, die spezielle Messzüge einsetzt.

Einer davon ist ein Hochgeschwindigkeitsmesszug, der Infrastrukturkontrollen bei Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h durchführen kann und technisch in der Lage ist, 440 km/h zu erreichen. Er führt Laser-, Kamera- und Gleisgeometriemessungen durch und analysiert außerdem Sicherheits- und Komfortparameter.

Ein weiterer so genannter Neigemesszug bewertet die Gleisbedingungen in Kurven und auf geneigten Abschnitten, überwacht die Interaktion zwischen Stromabnehmer und Oberleitung und misst sogar die Mobilfunkabdeckung.

Falls Sie es verpasst haben:

Wann können Passagiere einsteigen?

Nach dem aktuellen Fahrplan wird zuerst der Güterverkehr aufgenommen, gefolgt vom Personenverkehr. Wenn alles nach Plan läuft, könnten Reisende bereits in diesem Frühjahr in den Genuss moderner, schneller und komfortabler Züge zwischen Budapest und Belgrad kommen, die eine praktische Alternative zum Fliegen oder Autofahren zwischen den beiden Hauptstädten darstellen.

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