Der ungarische Geheimdienst hat zugegebenermaßen einen die Theiss-Partei unterstützenden Geschäftsmann überwacht

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Der ungarische Verfassungsschutz (Alkotmányvédelmi Hivatal, AH) ist erneut ins Visier geraten, nachdem berichtet wurde, dass er einen Geschäftsmann überwacht hat, der Verbindungen zu oppositionellen Kreisen hatte, darunter auch zu Personen, die mit der Theiß-Partei in Verbindung stehen.
Der als F. bekannte Geschäftsmann wurde vom Geheimdienst überwacht
Laut Dokumenten, die investigative Journalisten erhalten haben, wurde der Geschäftsmann – genannt “F.” – zwischen Ende 2024 und Anfang 2025 unter Beobachtung. In dieser Zeit soll er Kontakte zu politischen und wirtschaftlichen Akteuren unterhalten und dabei geholfen haben, Treffen mit Oppositionellen und Freiwilligen zu arrangieren, die mit der entstehenden Theiß-Partei in Verbindung stehen.
Die Existenz der Überwachung wurde von der AH selbst bestätigt, die angab, dass der Geschäftsmann im Rahmen eines laufenden Verfahrens in ihren Zuständigkeitsbereich geraten war, was eine rechtliche Grundlage für die Überwachungstätigkeit darstellte.
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Durchgesickerte Mitteilungen und das Etikett “MP
Eines der Schlüsseldokumente, das an 444 gesendet wurde, ist eine interne E-Mail, die Telefonanrufe und Textnachrichten im Zusammenhang mit dem Geschäftsmann zusammenfasst. Die Nachricht begann angeblich mit der Zeile: “Liebe Kollegen, ich sende Ihnen die wöchentlichen MP-Informationen”, gefolgt von Auszügen aus Gesprächen und Terminvereinbarungen.
Die Abkürzung “MP” ist zu einem zentralen Punkt der Kontroverse geworden. Während viele Beobachter vermuten, dass es sich um den Oppositionellen Péter Magyar handelt, besteht die AH darauf, dass es für “Hungarian Proliferation” steht, ein Begriff, der mit der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und Technologien mit doppeltem Verwendungszweck verbunden ist.
Mehrere Quellen, die mit den nationalen Sicherheitspraktiken vertraut sind, haben diese Erklärung jedoch in Frage gestellt und darauf hingewiesen, dass sich die abgehörten Gespräche weitgehend auf politische Netzwerke zu konzentrieren scheinen und nicht auf Aktivitäten, die mit Waffenhandel oder Verbreitungsrisiken zu tun haben.
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Art der abgehörten Gespräche
Die Abschriften enthalten angeblich logistische Diskussionen über Treffen mit Oppositionsanhängern sowie ein privates Gespräch, in dem der Geschäftsmann und ein Freund beiläufig über die politische Landschaft Ungarns sprachen.
Themen waren unter anderem die Stärke der regierenden Fidesz-Partei, die Aussichten des Vorsitzenden der Theiß-Partei, Péter Magyar, und Ministerpräsident Viktor Orbán. Kritiker argumentieren, dass die Aufnahme eines solchen Austauschs Bedenken darüber aufkommen lässt, ob nachrichtendienstliche Instrumente zur Überwachung politischer Aktivitäten und nicht für echte Bedrohungen der nationalen Sicherheit eingesetzt wurden.
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Geheimdienstpraktiken in Frage gestellt
Eine weitere Kontroverse betrifft die Methode der Informationsweitergabe. Sicherheitsexperten, die in den Berichten zitiert werden, weisen darauf hin, dass es höchst ungewöhnlich ist, sensibles Überwachungsmaterial über interne E-Mails zu verbreiten, selbst über sichere Netzwerke, da solche Daten normalerweise über geheime und streng kontrollierte Kanäle gehandhabt werden. Dies hat zu Spekulationen über interne Verfahren geführt und darüber, ob die Protokolle ordnungsgemäß befolgt wurden.
Politische Reaktionen und weitergehende Auswirkungen
Die Tisza-Partei räumte ein, dass der Geschäftsmann zuvor Treffen für einige ihrer Mitglieder organisiert hatte, erklärte jedoch, dass die Verbindungen inzwischen abgebrochen worden seien. Die Theiss-Partei kritisierte die angebliche Überwachung scharf und bezeichnete sie als schwerwiegenden Machtmissbrauch und Teil eines umfassenderen Musters der politischen Einmischung.
In der Zwischenzeit betonte ein Vertreter der AH, dass die Nachrichtendienste unabhängig vom politischen Umfeld weiterarbeiten müssen und räumte ein, dass die Situation die Agentur in eine schwierige Lage gebracht hat.
Gekennzeichnetes Bild: Péter Magyar/Facebook

