Ungarischer Forint offenbar zu stark, Zentralbank musste eingreifen

Sprache ändern:

Die ungarische Zentralbank hat eingegriffen, um die rasche Aufwertung des Forint zu bremsen, nachdem die Währung auf ein Niveau gestiegen war, das nach Ansicht vieler Analysten für die Wirtschaft und die Exporteure des Landes zu stark ist.

Die starke Aufwertung folgte auf den erdrutschartigen Wahlsieg der Tisza party, der das Vertrauen der Investoren in die wirtschaftlichen Aussichten und die politische Ausrichtung Ungarns deutlich gestärkt hat. Ökonomen warnen nun jedoch, dass ein anhaltend starker Forint neue Herausforderungen für Unternehmen und Wirtschaftswachstum mit sich bringen könnte.

Zentralbank schwächt den Forint

Im vergangenen Monat hat die ungarische Währung gegenüber dem Euro um rund 8% zugelegt, während der jährliche Zuwachs mehr als 11% betrug. In den letzten Tagen bewegte sich der Wechselkurs kurzzeitig unter 355 Forint pro Euro, ein Niveau, das als äußerst ungünstig für exportorientierte ungarische Unternehmen gilt, deren Einnahmen größtenteils in Fremdwährungen erzielt werden.

Als Reaktion darauf hat die Magyar Nemzeti Bank (MNB) am Dienstag eine technische Zinssenkung vorgenommen. Obwohl der Leitzins unverändert bei 6,25% blieb, reduzierte die Zentralbank die akzeptierten Angebote in ihren Euro-Liquiditätstendern und senkte damit die realen Forint-Zinsen um etwa 50 Basispunkte auf 5,25%.

Dieser Schritt schwächte die Währung sofort leicht ab, wobei der Euro von etwa 356 HUF auf über 359 HUF stieg. Nach Ansicht der Analysten der CIB Bank war der Anstieg des Forint im Vergleich zur tatsächlichen Leistung der ungarischen Wirtschaft zu schnell erfolgt, schreibt Népszava.

Vertrauensvorschuss nach politischem Wechsel

Mariann Trippon, Chefanalystin der CIB Bank, sagte, dass der Optimismus der Anleger nach dem Wahlsieg der Tisza party eine wichtige Rolle bei dem Aufwärtstrend gespielt habe. Die Märkte scheinen ein stabileres und berechenbareres wirtschaftspolitisches Umfeld unter der neuen Regierung zu erwarten.

Gleichzeitig wies Trippon darauf hin, dass der Forint in den letzten zwei Jahren real um fast 10% aufgewertet wurde, obwohl das Produktivitätswachstum im Wesentlichen gleich geblieben ist. Eine solch schnelle Anpassung sei für ungarische Unternehmen schwer zu verkraften.

Sie deutete auch an, dass die Ära der langfristigen Schwächung des Forint zu Ende sein könnte, obwohl die Zentralbank sich wahrscheinlich gegen eine weitere übermäßige Aufwertung wehren wird. Weitere Zinssenkungen könnten daher im Juni oder Juli erfolgen, wenn die Marktbedingungen dies zulassen.

Stabiler Wechselkurs erwartet

Die neue Regierung hat auch signalisiert, dass sie einer weiteren Aufwertung des Forint keine Priorität einräumt. Finanzminister András Kármán hat vor kurzem angedeutet, dass die Senkung der Renditen von Staatsanleihen wichtiger ist als die wirtschaftliche Konvergenz durch den Wechselkurs selbst widerzuspiegeln.

Trotz der jüngsten Rallye erwartet die CIB Bank, dass sich der Forint in den kommenden Monaten stabilisieren wird. Die Bank prognostiziert einen Wechselkurs von 363 HUF pro Euro bis Ende dieses Jahres und etwa 366,6 HUF bis Ende 2027, was unter Berücksichtigung der Inflation effektiv eine langfristige Wechselkursstabilität bedeuten würde.

Analysten fügten hinzu, dass Ungarn immer noch vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen steht, darunter hohe Haushaltsdefizite, steigende Schulden und die Notwendigkeit langfristiger Reformen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Infrastruktur.

Der Chefanalyst der K&H Bank über den ungarischen Euro, die glänzende Zukunft des Forint und die steigende Inflation

Titelbild: depositphotos.com

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *