Ungarn könnte den Euro bis 2031 einführen – doch die Arbeitnehmer könnten einen hohen Preis dafür zahlen

Sprache ändern:

Die neue ungarische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Euro so bald wie möglich einzuführen, doch Ökonomen warnen, dass die Erreichung dieses Ziels erhebliche wirtschaftliche Anpassungen erfordern wird. Laut einer neuen Prognose der K&H Bank ist der früheste realistische Termin für die Euro-Einführung der 1. Januar 2031, vorausgesetzt, das Land kann die strengen Anforderungen der Europäischen Union in Bezug auf Inflation und öffentliche Finanzen erfüllen.

Der Weg zur gemeinsamen Währung könnte jedoch mit erheblichen Opfern verbunden sein, darunter ein verlangsamtes Lohnwachstum und jahrelange strenge Haushaltsdisziplin.

Wirtschaft dürfte sich nach Jahren der Stagnation erholen

Laut Dávid Németh, Chefanalyst der K&H Bank, ist die ungarische Wirtschaft nach mehreren Jahren der Stagnation, die 2022 begann, in eine neue Phase eingetreten, wie er gegenüber Népszava erklärte.

Die Bank rechnet für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund 1,5 %, das sich 2027 auf 2,5 % beschleunigen und bis 2028 3 % erreichen soll. Die Erholung dürfte durch steigende Konsumausgaben, stärkere Exporte und eine Belebung der Investitionstätigkeit vorangetrieben werden, was teilweise durch eingehende EU-Mittel unterstützt wird.

Gleichzeitig warnen Ökonomen, dass die externen Risiken weiterhin erheblich sind. Steigende globale Rohstoff- und Lebensmittelpreise sowie höhere Ölpreise könnten in den kommenden Jahren erneut Druck auf die Inflation ausüben.

Die Inflation bleibt eines der größten Hindernisse

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Beitritt zur Eurozone ist die Aufrechterhaltung einer niedrigen und stabilen Inflationsrate. Zwar ist die Inflationsrate in Ungarn im Mai unerwartet gesunken, doch gehen Ökonomen nicht davon aus, dass die derzeit günstigen Zahlen auf Dauer Bestand haben werden.

K&H prognostiziert, dass die jährliche Inflationsrate in diesem Jahr bei etwa 3 % bleiben könnte und möglicherweise sogar auf 2,8 % sinken könnte. Es wird jedoch erwartet, dass sich die Inflation gegen Ende des Jahres wieder beschleunigt und 2027 4 % übersteigen könnte.

Der Zeitpunkt, zu dem die Regierung Preisobergrenzen und andere Marktinterventionen schließlich aufhebt, wird ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des künftigen Inflationsniveaus spielen.

Um sich an die Standards der Eurozone anzupassen, müsste die Ungarische Nationalbank ihr Inflationsziel von derzeit 3 % auf das Ziel der Eurozone von 2 % senken. Analysten zufolge würde dies ein strafferes geldpolitisches Umfeld erfordern.

péter magyar mihály varga national bank
Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar und der Gouverneur der Ungarischen Nationalbank, Mihály Varga. Foto: Facebook/Varga Mihály

Das Lohnwachstum muss sich möglicherweise deutlich verlangsamen

Das vielleicht heikelste Thema für ungarische Haushalte ist die Aussicht auf ein verlangsamtes Lohnwachstum.

In den letzten Jahren sind die Durchschnittslöhne regelmäßig um 8–10 % pro Jahr gestiegen. Im März 2026 lagen die durchschnittlichen Nettoeinkommen um 11,3 % höher als ein Jahr zuvor, was einem realen Lohnwachstum von rund 9 % entspricht.

Németh argumentiert jedoch, dass solch rasante Lohnsteigerungen kaum mit der Einführung des Euro vereinbar seien, insbesondere angesichts des relativ bescheidenen Produktivitätswachstums in Ungarn. Die Aufrechterhaltung einer niedrigeren Inflation würde wahrscheinlich moderatere Lohnabschlüsse in der gesamten Wirtschaft erfordern.

Selbst wenn die Inflation im Laufe dieses Jahres voraussichtlich steigen wird, könnte das Reallohnwachstum bis zum Jahresende immer noch zwischen 6 % und 6,5 % liegen, doch Analysten gehen davon aus, dass die Ära der zweistelligen Lohnsteigerungen letztendlich zu Ende gehen muss.

Der Abbau des Haushaltsdefizits stellt eine weitere große Herausforderung dar

Die zweite große Hürde sind die öffentlichen Finanzen Ungarns.

Gemäß den Maastricht-Kriterien müssen Länder, die den Euro einführen wollen, ihr Haushaltsdefizit dauerhaft unter 3 % des BIP halten. Die derzeitige Regierung hat erklärt, dass sie in diesem Jahr von ihrer Vorgängerregierung ein Defizit von 6,8 % bis 7 % des BIP geerbt habe, was mehr als dem Doppelten der Schwelle für die Eurozone entspricht.

Wirtschaftswissenschaftler sagen, dass die anstehenden finanzpolitischen Entscheidungen entscheidend sein werden. Investoren und Ratingagenturen werden den Nachtragshaushalt für 2026, der voraussichtlich Ende August dem Parlament vorgelegt wird, sowie die Haushaltspläne der Regierung für 2027 und die mittelfristige Wirtschaftsstrategie genau beobachten.

Sollten diese Pläne als glaubwürdig und mit der Einführung des Euro vereinbar angesehen werden, könnten die Ratingagenturen den derzeitigen negativen Ausblick für die Bonität Ungarns aufheben.

Frühestmöglicher Termin für die Euro-Einführung: 2031

Nach Einschätzung der K&H Bank strebt die Regierung an, die Maastricht-Kriterien bis 2030 zu erfüllen. Sollte dieses Ziel erreicht werden, könnte Ungarn den Euro realistischerweise am 1. Januar 2031 einführen.

Die Prognose deutet darauf hin, dass das Erreichen dieses Meilensteins mehrere Jahre disziplinierter Wirtschaftspolitik, eine niedrigere Inflationsrate und einen erheblichen Abbau des Haushaltsdefizits erfordern wird.

Derzeit bleibt Ungarn außerhalb der Eurozone, doch das erneute Bekenntnis der Regierung zum Beitritt zur gemeinsamen Währung hat das Thema wieder in den Mittelpunkt der langfristigen Wirtschaftsstrategie des Landes gerückt.

Wie sieht es mit dem Forint aus?

Der Forint hat sich im Jahr 2026 stark entwickelt und ist zu einer der leistungsstärksten Währungen der Schwellenländer geworden. Seit Januar hat er gegenüber dem Euro um rund 8 % aufgewertet und liegt damit unter den Schwellenländerwährungen an zweiter Stelle hinter dem brasilianischen Real.

Analysten gehen davon aus, dass der aktuelle Wechselkurs von rund 355 HUF pro Euro das stärkste Niveau der ungarischen Währung in diesem Jahr darstellen könnte. Während der Forint weiterhin von den relativ hohen ungarischen Zinsen profitiert, könnten erwartete Zinssenkungen der Zentralbank diese Stütze schwächen und in den kommenden Monaten zu einer gewissen Abwertung führen.

Derzeit scheint der Weg zum Euro jedoch nicht in Monaten, sondern in Jahren gemessen zu werden, und das Erreichen der Ziellinie könnte sowohl von den politischen Entscheidungsträgern als auch von den Arbeitnehmern Opfer erfordern.

Falls Sie es verpasst haben: Wann wird Ungarn der Eurozone beitreten? Neue Prognose deutet auf einen späteren Zeitpunkt hin

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *