Warnung: In Ungarn fehlen 10.000 Arbeitskräfte, was den Staat Milliarden kostet

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Der ungarische Straßengüterverkehrssektor sieht sich mit einem zunehmenden Mangel an qualifizierten Fahrern konfrontiert, wobei Branchenvertreter warnen, dass diese Lücke den Staat jährlich bis zu 200 Milliarden HUF (555 Millionen Euro) kostet. Der größte Straßenverkehrsverband des Landes fordert die Regierung nun auf, die staatlich finanzierte Fahrerausbildung wieder einzuführen und den Beruf offiziell als berufliche Qualifikation anzuerkennen.
Fahrerengpass bedroht den ungarischen Transportsektor
Der Verband der privaten Transportunternehmer (NiT Hungary) hat darauf hingewiesen, dass in Ungarn derzeit zwischen 8.000 und 10.000 qualifizierte Berufskraftfahrer fehlen, was etwa 8–10 % der in diesem Sektor beschäftigten Arbeitskräfte entspricht.
Die Organisation sprach dieses Thema im Rahmen einer Fachkonsultation an, die am 8. Juli mit dem neu eingerichteten Staatssekretariat für berufliche Bildung und Erwachsenenbildung im Ministerium für Bildung und Kinderangelegenheiten stattfand. Gastgeberin des Treffens war Staatssekretärin Zsuzsanna Naderi, die Vertreter verschiedener Branchen eingeladen hatte, um die Herausforderungen im Bereich der beruflichen Bildung und der Erwachsenenbildung zu erörtern.
NiT Hungary war die einzige Organisation, die bei dem Treffen die Güter- und Personenverkehrsbranche vertrat.
Die Branche trägt 5,3 % zum ungarischen BIP bei
NiT Hungary vertritt rund 5.000 Mitgliedsunternehmen, die im Güterkraftverkehr und im Reisebusverkehr tätig sind. Nach Angaben des Verbandes trägt der gesamte Sektor für Logistik, Spedition und Straßenverkehr 5,3 % zum ungarischen BIP bei, wobei allein der Straßenverkehr rund 4 % ausmacht und fast 120.000 Menschen beschäftigt.
Der Verband gibt jedoch an, dass die größte Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nicht mehr die Nachfrage sei, sondern der Mangel an qualifizierten Fahrern und ein unzureichender Nachschub an Nachwuchskräften.
Der Mangel kostet den Staat jährlich bis zu 200 Milliarden HUF
NiT Hungary schätzt, dass der derzeitige Arbeitskräftemangel jedes Jahr zu Steuer- und Sozialabgabenausfällen in Höhe von 150–200 Milliarden HUF führt, da Tausende von Stellen unbesetzt bleiben.
Der Verband wies zudem darauf hin, dass das Problem weit über Ungarn hinausreicht.
Nach Angaben der Internationalen Straßentransport-Union (IRU) gab es in Europa im Jahr 2025 etwa 444.000 unbesetzte Stellen für Lkw-Fahrer. Während der durchschnittliche Mangel in der EU bei 12,1 % liegt, gibt NiT Hungary an, dass das Fahrermangel in Ungarn 15 % übersteigt.
Die alternde Belegschaft verstärkt diesen Druck zusätzlich. Der durchschnittliche Berufskraftfahrer in Ungarn ist 48 Jahre alt, während 42 % der Fahrer über 50 Jahre alt sind, was Bedenken hinsichtlich des künftigen Arbeitskräfteangebots aufkommen lässt.
Verband macht Ausbildungsreform von 2020 dafür verantwortlich
NiT Hungary argumentiert, dass der derzeitige Mangel größtenteils auf die im Jahr 2020 eingeführten Änderungen zurückzuführen ist. Zwischen 2016 und 2020 wurde die Ausbildung zum Berufskraftfahrer für Lkw und Busse als offizielle berufliche Qualifikation anerkannt und staatlich gefördert. Nach den Reformen des ungarischen Berufsqualifikationsregisters im Jahr 2020 wurde diese Förderung jedoch eingestellt.
Heute müssen angehende Berufskraftfahrer ihre Ausbildung selbst finanzieren, wobei die Kosten in der Regel zwischen 1 Million und 1,5 Millionen HUF (etwa 2.770–4.160 EUR) liegen, was für junge Berufseinsteiger eine erhebliche Hürde darstellt.
NiT Ungarn schlägt ein vier Punkte umfassendes Reformpaket vor
Im Rahmen der Anhörung legte der Verband einen detaillierten Vorschlag zur Behebung des Fahrermangels vor. Zu seinen Empfehlungen gehören:
- die offizielle Anerkennung des Berufes des Kraftfahrers als berufliche Qualifikation und dessen Aufnahme in das ungarische Berufsregister;
- die Wiedereingliederung der Ausbildung zum Lkw- und Busfahrer sowie der obligatorischen beruflichen Qualifizierungskurse in das staatlich finanzierte Berufsbildungs- und Erwachsenenbildungssystem;
- die Aufwertung des Berufsbildes durch formelle Anerkennung; sowie
- die Einrichtung einer speziellen Arbeitsgruppe zum Thema Berufskraftfahrer, an der NiT Hungary als Branchenexperte teilnimmt.
Die Organisation argumentiert, dass Investitionen in die Fahrerausbildung sich durch höhere Beschäftigung, steigende Steuereinnahmen und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit des ungarischen Verkehrssektors rasch auszahlen würden.
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Regierung will im Herbst die nächsten Schritte darlegen
Laut NiT Hungary führte das Treffen zu mehreren konkreten Ergebnissen. Der Fahrermangel und die Vorschläge des Verbandes wurden bei der ersten Fachkonsultation, die vom neu eingerichteten Staatssekretariat organisiert wurde, offiziell auf die Tagesordnung gesetzt. NiT Hungary schlug zudem vor, eine eigene Arbeitsgruppe einzurichten, um die Diskussionen fortzusetzen und Branchenexpertise einzubringen.
Das Staatssekretariat erklärte, es werde alle von den teilnehmenden Organisationen eingereichten Vorschläge prüfen, bevor es konkrete Maßnahmen vorlege, die für September 2026 erwartet werden. Im Anschluss an das Treffen begrüßte Ferenc Lajkó, Geschäftsführer von NiT Hungary, die Bereitschaft der Regierung zum Dialog mit Vertretern der Branche und betonte, dass die Organisation praktische, faktenbasierte Vorschläge und keine allgemeinen politischen Ideen vorgelegt habe.
Staatssekretärin Zsuzsanna Naderi erklärte, ihr Schwerpunkt werde auf der Stärkung der sektorübergreifenden Zusammenarbeit und der Entwicklung regionaler Lösungen für die Herausforderungen im Bereich der beruflichen Bildung liegen. NiT Hungary bekräftigte sein Engagement für die Zusammenarbeit mit der Regierung bei der Entwicklung langfristiger Lösungen für den Fahrermangel in Ungarn und argumentierte, dass die Sicherstellung eines stabilen Angebots an Berufskraftfahrern sowohl den Unternehmen des Landes als auch der Gesamtwirtschaft diene.
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