Kronzeuge behauptet in brisanten Aussagen, dass Fidesz und die Sozialisten fast 20 Jahre lang gemeinsam Korruption betrieben hätten

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Ein ehemaliger sozialistischer (MSZP) stellvertretender Bürgermeister des Budapester Stadtteils Óbuda hat eine brisante Aussage gemacht, in der er behauptet, dass Politiker sowohl von Fidesz als auch von der Sozialistischen Partei ein langjähriges parteiübergreifendes Korruptionsnetzwerk betrieben und fast zwei Jahrzehnte lang Schmiergelder aus öffentlichen Vergabeverträgen unter sich aufgeteilt hätten.
Die von Telex veröffentlichten Vorwürfe, die auf Zeugenaussagen vor der Staatsanwaltschaft beruhen, stellen einen der schwerwiegendsten Fälle institutionalisierter parteiübergreifender Korruption dar, die in den letzten Jahren in Ungarn ans Licht gekommen sind.
Ehemaliger stellvertretender Bürgermeister wird Kronzeuge
Im Mittelpunkt steht der ehemalige MSZP-Stadtrat Gergő Czeglédy, der 2024 wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen wurde und neun Monate in Untersuchungshaft verbrachte. Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der Staatsanwaltschaft legte er eine detaillierte Aussage vor, in der er ein angeblich ausgeklügeltes Korruptionssystem beschrieb, an dem Politiker sowohl der Linken als auch der Rechten beteiligt waren.
Seiner Aussage zufolge begann die Vereinbarung während der Fidesz-Regierung des ehemaligen Óbuda-Bürgermeisters Balázs Bús, als der damalige Fidesz-Stadtratsvize Péter Puskás angeblich an ihn herantrat, um nach Unternehmen zu suchen, die im Gegenzug für kommunale Aufträge einen Teil ihrer Gewinne abführen würden.
Gergő Czeglédy:
Czeglédy gab zu, ein Unternehmen namens KBT Kft. gegründet zu haben, das offiziell auf den Namen einer Strohperson registriert war, aber heimlich von ihm kontrolliert wurde und angeblich als Subunternehmer bei kommunalen Instandhaltungsprojekten tätig war.
„Die Vereinbarung lautete, dass die aus dem Unternehmen entnommenen Dividenden zu gleichen Teilen zwischen Péter Puskás und mir aufgeteilt werden sollten“, erklärte Czeglédy laut der veröffentlichten Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft.
Er behauptete, das Unternehmen habe echte Arbeiten ausgeführt, aber auch erhebliche Gewinne erwirtschaftet, die später zwischen den beiden Politikern aufgeteilt worden seien.
Die mutmaßliche Korruption überdauerte den politischen Machtwechsel
Die vielleicht auffälligste Anschuldigung ist, dass das System angeblich auch nach den Kommunalwahlen 2019 unverändert fortbestand, als die Opposition Fidesz besiegte und László Kiss Bürgermeister von Óbuda wurde.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die mutmaßlichen Schmiergelder vor 2019 so aufgeteilt, dass 70 % an die Fidesz-Seite und 30 % an die Sozialisten gingen. Nach dem Regierungswechsel kehrten sich diese Anteile angeblich um, sodass die Sozialisten 70 % und Fidesz 30 % erhielten.
Czeglédy ging in seiner Aussage noch weiter und behauptete, lokale Politiker von Fidesz und MSZP hätten sich bereits 2006 darauf geeinigt, die Korruptionserlöse aufzuteilen und dabei eine gegenseitige Überprüfung ihrer sensiblen kommunalen Angelegenheiten zu vermeiden.

Öffentliche Aufträge, die angeblich zugunsten bestimmter Bieter zugeschnitten waren
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Aufträge, die an die Pannon Park Forest Kft. vergeben wurden, die zwischen 2013 und 2023 wiederholt große kommunale Ausschreibungen im Wert von mehreren Milliarden Forint für die Parkpflege und Stadtverwaltung gewann.
Laut Aussage des Firmeninhabers, der lediglich als Zsolt Z. identifiziert wurde, sollen die Vergabekriterien so formuliert worden sein, dass sie eine kleine Gruppe von Unternehmen begünstigten. Er gab an, technische Anforderungen vorgeschlagen zu haben, die nur eine Handvoll Bieter erfüllen konnten, wodurch der Zuschlag praktisch gesichert war.
Er behauptete zudem, dass die Vertragspreise einen Aufschlag von 8–10 % enthielten, der ausdrücklich zur Finanzierung von Schmiergeldzahlungen bestimmt war. Das Unternehmen KBT soll rund 30 % der im Rahmen von Unteraufträgen vergebenen Arbeiten erhalten haben, obwohl es fast keine Mitarbeiter beschäftigte; stattdessen vergab es einen Großteil der Arbeiten an Subunternehmer weiter und erzielte dabei erhebliche Gewinne.
Das Unternehmen blieb weiterhin hochprofitabel
Aus den von Telex zitierten Finanzunterlagen geht hervor, dass KBT in den Jahren 2022 und 2023 einen Jahresumsatz von rund 1 Milliarde HUF erzielte, obwohl es während des größten Teils dieses Zeitraums nur zwei Mitarbeiter beschäftigte. Im Jahr 2024 stieg der Umsatz Berichten zufolge auf 2,78 Milliarden HUF (7,9 Millionen Euro). Im Juni dieses Jahres, nachdem das Unternehmen jahrelang offiziell im Besitz anderer gewesen war, übertrug Czeglédy es formell auf seinen eigenen Namen.
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Führende Persönlichkeiten bestreiten jegliches Fehlverhalten
Der derzeitige Bürgermeister von Óbuda, László Kiss, hat bestritten, vor Bekanntwerden der Ermittlungen von der mutmaßlichen Korruption oder der Firma KBT gewusst zu haben. Er räumte ein, dass Czeglédys Behauptung, das Unternehmen heimlich kontrolliert zu haben, glaubwürdig erscheine, beharrt jedoch darauf, dass er keine Kenntnis von dessen Geschäftstätigkeit gehabt habe.
Der ehemalige Bürgermeister Balázs Bús, der sich derzeit in einem anderen Fall in Untersuchungshaft befindet, hat ebenfalls jegliche Verwicklung in Korruption bestritten und erklärt, er habe weder das Unternehmen gekannt noch von dessen Aktivitäten profitiert.
Der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Péter Puskás, der im Juni festgenommen, später jedoch wieder freigelassen wurde, hat die Vorwürfe öffentlich nicht eingeräumt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestanden die Gründe für seine Inhaftierung nicht mehr, während ungarische Medienberichte darauf hindeuten, dass er möglicherweise ebenfalls mit den Ermittlern kooperiert habe, obwohl dies nicht offiziell bestätigt wurde.
Péter Puskás:
Die Ermittlungen dauern an
Die Staatsanwaltschaft setzt ihre Ermittlungen gegen das mutmaßliche Korruptionsnetzwerk fort, unter anderem um zu klären, ob die behauptete politische Absprache zwischen Fidesz und der MSZP tatsächlich bestand und wie lange sie möglicherweise bestand. Derzeit stammen viele der schwerwiegendsten Vorwürfe aus Zeugenaussagen kooperierender Verdächtiger. Mehrere der betroffenen Politiker bestreiten jegliches Fehlverhalten, und ein rechtskräftiges Gerichtsurteil liegt bislang noch nicht vor.
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