Exklusivinterview: „Ungarn verbindet eine Nobelpreis-Tradition mit starken modernen Forschungseinrichtungen“ – Prof. Murat Alper, Gründer des AD Scientific Index

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In den letzten Jahren hat die Messung der akademischen Leistung und der Forschungswirkung im globalen Hochschulwesen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Zu den aufstrebenden Plattformen in diesem Bereich gehört der AD Scientific Index, ein schnell wachsendes globales Rankingsystem, das Forscher und Einrichtungen auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Zitationsdaten bewertet. Heute analysiert der AD Scientific Index unter seiner Leitung die Forschungsleistung von mehr als 2,6 Millionen Wissenschaftlern aus über 24.000 Einrichtungen in 221 Ländern und ist damit eine der weltweit größten akademischen Bewertungsplattformen mit Schwerpunkt auf Forschern. 

Der von Professor Murat Alper gegründete Index hat aufgrund seines transparenten und inklusiven Ansatzes bei der akademischen Bewertung internationale Aufmerksamkeit erlangt. In diesem Interview gibt Professor Alper Einblicke in die Motivation hinter dem Index, dessen Methodik, globale akademische Trends sowie die Zukunft der Forschungsbewertung. Mohammad Fakhrul Islam, ein Forscher aus Ungarn, führte ein ausführliches Interview mit ihm: 

Mohammad Fakhrul Islam: Zunächst einmal: Was hat Sie dazu motiviert, den AD Scientific Index ins Leben zu rufen, und welche Vision stand hinter dessen Entstehung?

Professor Murat Alper: Wir haben den AD Scientific Index im Jahr 2021 gemeinsam mit Assoc. Prof. Dr. Cihan Döğer gegründet. Wir sind beide Forscher aus dem akademischen Umfeld und haben über Jahre hinweg genau beobachtet, wie bestehende Bewertungssysteme Teile der Länder, Publikationen, Sprachen und Disziplinen weltweit unsichtbar ließen. Traditionelle Rankings stützten sich auf Reputationsumfragen, geschlossene und kostenpflichtige Datenbanken sowie auf eine Logik, die sich ausschließlich auf einige Tausend Eliteeinrichtungen konzentrierte. Doch Wissenschaft entsteht nicht an einer Handvoll renommierter Universitäten, sondern durch die Arbeit einzelner Forscher in jedem Winkel der Welt.

Unsere Vision war einfach, aber ehrgeizig: wissenschaftliche Beiträge dort zu messen, wo sie tatsächlich entstehen – auf der Ebene des einzelnen Forschers. Wir wollten einen Rahmen schaffen, der transparent, inklusiv, reproduzierbar und nachvollziehbar ist. Heute analysieren wir mehr als 2,6 Millionen Wissenschaftler und über 24.500 Einrichtungen in 221 Ländern. Ein junger Forscher in einem afrikanischen Land und ein Professor an einer traditionsreichen europäischen Universität werden nach genau denselben Kriterien und zu gleichen Bedingungen bewertet. Für uns ist die Demokratisierung der akademischen Sichtbarkeit kein Nebenaspekt – sie ist der eigentliche Zweck, für den wir gegründet wurden.

Islam: Welche wesentlichen Lücken in bestehenden akademischen Rankingsystemen oder Plattformen wie Scopus und Web of Science möchte der AD Scientific Index schließen?

Professor Murat Alper: Ich schätze diese Plattformen; jede von ihnen hat wichtige Beiträge zur Wissenschaft geleistet. Doch sie weisen strukturelle Einschränkungen auf. Erstens sind die meisten geschlossen und kostenpflichtig; die Sichtbarkeit eines Forschers oder einer Einrichtung hängt somit vom Zugang zu teuren Abonnements ab. Zweitens werden nicht-englischsprachige Publikationen sowie die Sozial- und Geisteswissenschaften systematisch unterrepräsentiert. Drittens behandeln traditionelle Rankings eine Institution als eine einzige abstrakte Einheit und verschleiern die individuellen Leistungen innerhalb dieser Institution.

Der AD Scientific Index zielt bewusst auf diese Lücken ab. Wir arbeiten mit offenen, öffentlich überprüfbaren Daten; wir beginnen die Bewertung nicht bei der Institution, sondern beim einzelnen Forscher, und institutionelle Rankings ergeben sich aus der Aggregation dieser individuellen Daten. Wir erstellen keine zusammengesetzte Punktzahl mit versteckten Gewichtungen. Dadurch bleibt keine Einrichtung unsichtbar, nur weil sie sich eine Datenbank nicht leisten kann, und keine Disziplin wird benachteiligt, weil ihre Zitationskultur anders ist.

Islam: Was sind die zentralen Indikatoren und Grundsätze, die bei der Bewertung von Forschern und Institutionen herangezogen werden?

Professor Murat Alper: Wir verwenden drei zentrale bibliometrische Indikatoren: den h-Index, den i10-Index und die Gesamtzahl der Zitate. Was unseren Ansatz auszeichnet, ist, dass wir jeden dieser Indikatoren über zwei separate Zeitfenster berechnen: über die gesamte Laufbahn hinweg und für die letzten sechs Jahre. Dieses duale Zeitfenster macht nicht nur die bisherige Entwicklung sichtbar, sondern auch die aktuelle Dynamik eines Forschers. Auf diese Weise können wir gleichzeitig sowohl etablierte Namen, die im Laufe der Jahre ihre Spuren hinterlassen haben, als auch schnell aufsteigende junge Talente identifizieren.

Was unsere Grundsätze betrifft: Wir erstellen aus diesen Indikatoren keine zusammengesetzte Punktzahl anhand einer undurchsichtigen Formel. Die Ranglisten leiten sich direkt aus messbaren Daten ab; jeder kann nachvollziehen, warum ein bestimmtes Ergebnis so ausgefallen ist. Wir richten unsere Arbeit bewusst so weit wie möglich an den Prinzipien von Open Science aus. Transparenz, Inklusivität, Reproduzierbarkeit und Rechenschaftspflicht – diese vier Punkte sind unser Kompass.

Islam: Da sich der Index stark auf Daten von Google Scholar stützt, wie stellen Sie die Genauigkeit sicher und gehen Sie auf Bedenken wie Doppelzählungen oder Unstimmigkeiten ein?

Professor Murat Alper: Zunächst muss man ehrlich sein: Keine bibliometrische Datenbank ist fehlerfrei oder ein universeller „Goldstandard“. Sowohl Scopus als auch Web of Science weisen ihre eigenen Probleme hinsichtlich der Abdeckung und Verzerrungen auf. Wir haben uns bewusst für Google Scholar entschieden, da es die breiteste Abdeckung bietet, alle Sprachen und Fachgebiete umfasst und – was am wichtigsten ist – eine öffentlich zugängliche, überprüfbare Quelle ist.

Um die Genauigkeit zu gewährleisten, wenden wir einen mehrstufigen Prozess an: Mechanismen zur Profilüberprüfung und -ansprache, das Markieren ungewöhnlicher Muster, die manuelle und programmgesteuerte Verfolgung anomaler Spitzenwerte mithilfe künstlicher Intelligenz, die Entfernung gefälschter oder doppelter Profile sowie Ethik- und Integritätsprüfungen. Ich möchte außerdem Folgendes betonen: Transparenz an sich ist bereits eine Sicherheitsmaßnahme. In geschlossenen Systemen bleibt ein Fehler verborgen; in unserem System hingegen sind Fehler sichtbar und können schnell korrigiert werden, da sich alles bis zur Datenquelle zurückverfolgen lässt. Wir versprechen keine Perfektion, sondern kontinuierliche Verbesserung und Rechenschaftspflicht.

Islam: Wie gewährleistet der Index Transparenz, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit in seiner Ranking-Methodik?

Professor Murat Alper: Unsere Methodik ist vollständig öffentlich und enthält keine versteckten Gewichtungen. Jeder kann nachvollziehen, warum ein Forscher oder eine Universität eine bestimmte Position einnimmt, indem er sich einfach die öffentlich zugänglichen Profile ansieht. Das ist kein nebensächliches Detail, sondern das Wesentliche des Systems. In Systemen, die auf Reputationsumfragen oder geschlossenen Expertenmeinungen basieren, ist es unmöglich, die Ergebnisse unabhängig zu überprüfen.

Die zweite Säule der Zuverlässigkeit ist die Aktualität. Unsere Daten werden nahezu in Echtzeit aktualisiert; wir bieten keine einmal jährlich festgehaltene Momentaufnahme an. Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch eine mysteriöse Autorität, sondern durch Nachvollziehbarkeit. Wir bitten die Nutzer nicht, uns zu vertrauen; wir bitten sie, sich mit eigenen Augen zu vergewissern.

Islam: Wie reagieren Sie auf Kritik am AD Scientific Index, und welche Missverständnisse möchten Sie ausräumen?

Professor Murat Alper: Ich nehme Kritik ernst; sie ist für ein gesundes System unerlässlich. Die am häufigsten geäußerte Sorge ist, dass Google-Scholar-Profile manipuliert werden können – beispielsweise durch übermäßige Selbstzitate oder aufgeblähte Profile. Meine Antwort lautet: Durch Integritätsprüfungen und die Erkennung von Anomalien kennzeichnen wir solche Fälle und entfernen Profile gegebenenfalls; darüber hinaus macht Transparenz es unmöglich, Manipulationen zu verbergen. Im Gegensatz zu geschlossenen Systemen ist in unserem System jede Abweichung für jeden offensichtlich.

Es gibt zwei Missverständnisse, die ich gerne ausräumen möchte. Erstens die Auffassung, dass „der ADSI lediglich die Zahlen von Google Scholar kopiert“. Nein – wir strukturieren, verifizieren und kontextualisieren die Daten anhand eines doppelten Zeitfensters und nach Fachgebieten und machen sie so analysierbar. Zweitens die Vorstellung, dass ein Ranking ein endgültiges Urteil über den Wert einer Person oder einer Institution darstellt. Was wir anbieten, ist kein Urteil, sondern ein Instrument zur Entscheidungsunterstützung. Metriken ersetzen nicht das menschliche Urteilsvermögen; sie dienen als Grundlage dafür.

Islam: Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Stärken und Grenzen zitationsbasierter Metriken bei der Bewertung der akademischen und wissenschaftlichen Qualität sowie der Wirkung?

Professor Murat Alper: Die Stärken liegen auf der Hand: Zitationsbasierte Metriken sind objektiv, vergleichbar, skalierbar und spiegeln die tatsächliche Wirkung wider – also das Ausmaß, in dem eine Arbeit von anderen genutzt wird. Derzeit gibt es keine andere praktikable Möglichkeit, Millionen von Forschern fair miteinander zu vergleichen.

Die Grenzen sind ebenfalls real, und wir verschweigen sie nicht. Die Zitierkultur variiert stark von Fachgebiet zu Fachgebiet; Medizin und Sozialwissenschaften ziehen nicht im gleichen Umfang Zitate an. Zitate sammeln sich mit einer zeitlichen Verzögerung an; neuere Arbeiten können dadurch benachteiligt sein. Und eine Zitierung ist nicht immer gleichbedeutend mit Qualität; sie kann auch manipuliert werden. Genau aus diesem Grund stützen wir uns nicht auf einen einzigen Indikator, sondern auf mehrere Indikatoren, auf ein doppeltes Zeitfenster und auf Fachgebietssensitivität. Wie auch das Leiden-Manifest betont: Quantitative Bewertung sollte das Expertenurteil unterstützen, nicht ersetzen.

Islam: Wie beurteilen Sie die derzeitige globale Verteilung der Forschungsproduktivität auf verschiedene Regionen?

Professor Murat Alper: Die Forschungsproduktivität konzentrierte sich in der Vergangenheit auf Nordamerika, Westeuropa und in den letzten Jahren auf China. Die Daten zeigen jedoch eine deutliche Verschiebung: Schwellenländer holen rasch auf. In Süd- und Südostasien, im Nahen Osten, in Lateinamerika und in Teilen Afrikas ist eine bemerkenswerte Dynamik zu beobachten.

Genau hier kommt der Mehrwert des AD Scientific Index zum Tragen. Geschlossene Systeme übersehen oft die hervorragenden Forscher in diesen aufstrebenden Regionen, da diese außerhalb des Erfassungsbereichs der Elite-Datenbanken liegen. Da wir auf individueller Ebene und mit offenen Daten arbeiten, machen wir Talente auch in den unerwartetsten Winkeln der Welt sichtbar. Die globale Wissenschaft ist nicht mehr auf einzelne Zentren konzentriert; sie entwickelt sich zu einer multipolaren Landschaft, und wir dokumentieren dies in Echtzeit.

Islam: Wie werden Ihrer Meinung nach künstliche Intelligenz und Big Data die Forschungsbewertung und akademische Rankings in Zukunft verändern?

Professor Murat Alper: Künstliche Intelligenz wird diesen Bereich tiefgreifend verändern. Ich sehe großes Potenzial in der Autorendisambiguierung (Probleme bei Namensähnlichkeiten), bei der Aufdeckung von Betrug und Zitiermanipulation sowie bei der semantischen Analyse der Wirkung, die über bloße Zahlen hinausgeht. Big Data ermöglicht eine fachspezifisch normalisierte und netzwerkbasierte Bewertung in Echtzeit.

Ich habe jedoch einen Vorbehalt: Künstliche Intelligenz muss verantwortungsvollen Messgrößen dienen; sie darf keine neue und noch komplexere „Black Box“ schaffen. Wenn wir die Bewertung undurchschaubaren Algorithmen überlassen, reproduzieren wir lediglich genau das Transparenzproblem, das wir zu lösen versuchen. Wir nutzen KI zur Verifizierung und zur Wahrung der Integrität; doch wir sind der Überzeugung, dass die letztendliche Rechenschaftspflicht beim Menschen verbleiben muss. Technologie sollte befähigen, nicht verschleiern.

Islam: Wie sehen Sie Herausforderungen wie „Predatory Journals“ und Zitiermanipulationen in der globalen Wissenschaft?

Professor Murat Alper: Dies sind ernsthafte Bedrohungen für die wissenschaftliche Integrität und dürfen nicht unterschätzt werden. Raubzeitschriften blähen das Publikationsvolumen künstlich auf; Zitationsringe und „Zitationskartelle“ steigern den Impact-Faktor auf unehrliche Weise. Ein solches Verhalten untergräbt nicht nur Rankings, sondern auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft.

Ich möchte hinzufügen, dass auch die stetig steigenden Artikelbearbeitungsgebühren (APCs) dazu beitragen. Exorbitante APCs schaffen einen verzerrten Anreiz, der Zahlungsfähigkeit gegenüber Qualität belohnt; sie begünstigen sowohl das „Predatory Publishing“ als auch die Benachteiligung von Forschenden aus Ländern mit begrenzten Budgets. Dies ist ebenso sehr eine Frage des gleichberechtigten Zugangs wie eine Frage der wissenschaftlichen Integrität.

Unsere Reaktion ist zweigleisig. Auf technischer Ebene: Integritätsüberwachung, Erkennung von Anomalien und das Markieren verdächtiger Muster. Die tiefgreifendere Lösung ist jedoch kultureller Natur. Die Wurzel des Problems liegt in dem Druck „publish or perish“, der Quantität belohnt. Wir müssen uns in Richtung einer Kultur bewegen, die Qualität vor Quantität stellt und verantwortungsvolle Messgrößen fördert. Und einmal mehr ist Transparenz das wirksamste Gegenmittel: Manipulation kann nur im Verborgenen bestehen; in offenen Daten wird sie aufgedeckt.

Islam: Wie stellen Sie sich mit Blick auf die nächsten zehn Jahre die Zukunft der akademischen Rankingsysteme vor?

Professor Murat Alper: Ich sehe einen fünffachen Wandel voraus: von Reputation hin zu Belegen; von der institutionellen Ebene hin zur individuellen und fachlichen Ebene; von geschlossenen Daten hin zu offenen Daten; von einer einmal jährlich festgehaltenen Momentaufnahme hin zu einem Echtzeit-Datenstrom; und von einer einzigen „Zauberzahl“ hin zu einer mehrdimensionalen Bewertung.

Rahmenwerke für verantwortungsvolle Metriken wie DORA und das Leiden-Manifest werden sich von der Ausnahme zum Mainstream entwickeln. KI-gestützte, aber von Menschen rechenschaftspflichtige Systeme werden zum Standard werden. Kurz gesagt: Die Zukunft gehört transparenteren, inklusiveren und ehrlicheren Systemen. Wir haben den AD Scientific Index genau für diese Zukunft konzipiert – denn diese Prinzipien waren von Anfang an Teil unserer Identität; wir mussten uns nicht erst später daran anpassen.

Islam: Ungarn verfügt über eine starke akademische Tradition. Wie stellt sich die ungarische Forschungsleistung in Ihrem Index dar, und welche Stärken oder Defizite beobachten Sie im Vergleich zu anderen europäischen Systemen?

Professor Murat Alper: Ungarn weist im Verhältnis zu seiner Größe eine beeindruckende wissenschaftliche Tiefe auf – was von einem Land, das so viele Nobelpreisträger hervorgebracht hat, nur zu erwarten ist. Mehr als 70 Einrichtungen und über 30 Universitäten sind in unserem Index vertreten. Zu den herausragenden zählen die Eötvös-Loránd-Universität (weltweit ~502), die Universität Szeged (~546) und die Universität Debrecen (~569). Daneben belegen Einrichtungen wie die Ungarische Akademie der Wissenschaften, das Wigner-Forschungszentrum für Physik und das ELI eindeutig die Stärke in den Grundlagenwissenschaften.

Die Stärke des Landes liegt in einer tief verwurzelten und qualitativ hochwertigen Tradition der Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, der Physik und der Medizin. Im Vergleich zu den größten westeuropäischen Forschungssystemen zeigt sich der Unterschied in der Größenordnung und der internationalen Sichtbarkeit: Die Qualität pro Kopf ist hoch, doch in einigen Bereichen könnte die Einbindung in globale Forschungsnetzwerke noch weiter gestärkt werden. Für Ungarn besteht die eigentliche Chance darin, seine bestehende wissenschaftliche Tiefe mit einer breiteren internationalen Zusammenarbeit und einer höheren Sichtbarkeit zu verbinden.

Islam: Wie spiegelt sich Ihrer Meinung nach die europäische Forschungsleistung im AD Scientific Index wider?

Professor Murat Alper: Europa schneidet in unserem Index in allen Bereichen stark ab; insbesondere West- und Nordeuropa gehören zu den etablierten Spitzenreitern. Wirklich interessant ist jedoch der Aufstieg der mittel- und osteuropäischen Systeme. Unsere Daten zeigen, dass die Forschungskarte des Kontinents nicht auf ein einziges Zentrum konzentriert ist, sondern zunehmend vielfältiger wird.

Europa ist zudem weltweit Vorreiter bei „Open Science“ und verantwortungsvollen Metriken. Dies steht in direktem Einklang mit unseren Werten. Die Stärke Europas liegt nicht in einer einheitlichen Art von Exzellenz, sondern in der reichen Vielfalt, die dadurch entsteht, dass sich verschiedene Länder auf unterschiedliche Disziplinen spezialisieren. Anstatt diese Vielfalt auf einen einzigen Wert zu reduzieren, zielt unser Index darauf ab, sie sichtbar zu machen.

Islam: Welche zentrale Botschaft möchten Sie abschließend an Forscher, Hochschulleiter und politische Entscheidungsträger richten, die sich für die Stärkung der akademischen Exzellenz und der globalen Forschungswirkung einsetzen?

Professor Murat Alper: Meine Botschaft ist einfach: Exzellenz misst sich nicht am Ruf, sondern am tatsächlichen Beitrag, und jeder Forscher, wo auch immer auf der Welt er sich befindet, verdient es, wahrgenommen zu werden. Beginnen Sie also in den Bereichen, in denen Sie bereits stark sind, aber beschränken Sie sich nicht darauf; denken Sie global. Ihre Forschungsergebnisse offen zu teilen, Qualität statt Quantität anzustreben und die wissenschaftliche Integrität unter allen Umständen zu wahren – das ist der Weg, der lokalen Erfolg in globale Wirkung verwandelt.

Insbesondere an politische Entscheidungsträger und Hochschulleiter gerichtet, möchte ich Folgendes sagen: Daten sind kein Instrument zur Beurteilung, sondern ein Werkzeug, um unsere Stärken und Schwächen aufzudecken und unser System zu strukturieren. Unser Ziel ist es nicht, Menschen und Institutionen in einer Tabelle zu bewerten, sondern ihnen einen transparenten Spiegel vorzuhalten, in dem sie sich selbst verbessern können. Wissenschaft ist ein gemeinsames globales Gut, das keinem einzelnen Land oder keiner einzelnen Institution gehört – und dafür zu sorgen, dass sie fair sichtbar wird, ist eine Verantwortung, die wir alle gemeinsam tragen. Qualität ist kein Ziel, sondern ein Weg. Vielen Dank.

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