Der ungarische Vorstandsvorsitzende der OTP baut mit der Ipoteka Bank einen Bankgiganten in Usbekistan auf – ein Exklusivinterview mit Ádám Szentpéteri

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Bei der Expansion der OTP-Gruppe in Usbekistan geht es nicht nur um die Übernahme einer Bank, sondern auch um die Umgestaltung eines gesamten Bankmodells. Während des Taschkenter Internationalen Investitionsforums (TIIF 2026) sprachen wir mit Ádám Szentpéteri – dem amtierenden CEO, stellvertretenden CFO und Chief Transformation Officer der Ipoteka Bank, einem Mitglied der OTP-Gruppe – darüber, wie sie das usbekische Finanzinstitut umgestalten, welche Chancen Usbekistan ungarischen Unternehmen bietet und wie das Leben in Taschkent aus ungarischer Perspektive aussieht.

„Wir wandeln eine Hypothekenbank in eine Vollservice-Geschäftsbank um“

Daily News Hungary: Welche konkreten Veränderungen haben Sie seit dem Einstieg der OTP im Geschäftsbetrieb der Ipoteka Bank beobachtet, und was bedeutet dies für die usbekischen Kunden?

Szentpéteri: Die OTP-Gruppe unterzeichnete 2022 den Vertrag zur Übernahme der Ipoteka Bank, und der eigentliche Integrations- und Transformationsprozess begann im Jahr 2023. Zu diesem Zeitpunkt kam ich ebenfalls nach Usbekistan.

Die erste und wichtigste Aufgabe bestand darin, das Finanzinstitut – das sich zuvor vor allem auf die Vergabe von Hypothekarkrediten konzentriert hatte – in eine Vollbank mit umfassendem Dienstleistungsangebot umzugestalten. Die Ipoteka Bank hatte sich zuvor hauptsächlich mit der Auszahlung von Krediten und grundlegenden Finanzdienstleistungen befasst, doch das Ziel von OTP ist es, auch in Usbekistan ein modernes Universalbankmodell zu etablieren.

In der Praxis bedeutet dies einen enormen Aufwand. Wir überdenken die betrieblichen Abläufe, entwickeln Dienstleistungen weiter, modernisieren die IT-Systeme und sind gleichzeitig bestrebt, das Kundenerlebnis zu verbessern. Die Digitalisierung ist ein zentraler Schwerpunkt: Die bestehende mobile App und ein erheblicher Teil der Bankensysteme basierten auf älteren Technologien, sodass deren Modernisierung und die Erweiterung um neue Funktionen eine fortlaufende Aufgabe darstellen.

Die Ergebnisse spiegeln sich bereits in den Zahlen wider. Die Bank erzielte im Jahr 2024 einen Gewinn von rund 100 Millionen US-Dollar, der bis 2025 auf etwa 140 Millionen US-Dollar anstieg. Heute ist die Ipoteka Bank eines der führenden Finanzinstitute Usbekistans mit einer starken Marke und einer bedeutenden Marktpräsenz.

Usbekistan ist weit mehr als nur ein schnell wachsender Markt

Daily News Hungary: Die Wirtschaft Usbekistans wächst dynamisch. In welchen Bereichen sehen Sie die größten Geschäftsmöglichkeiten für ungarische Unternehmen, Investoren oder Finanzakteure?

Szentpéteri: Eines der interessantesten Merkmale Usbekistans ist, dass die Entwicklung in vielen verschiedenen Sektoren gleichzeitig voranschreitet. Es handelt sich um einen großen, jungen und wachsenden Markt, auf dem der Finanzsektor, die Infrastruktur, die Technologie, die landwirtschaftsnahen Branchen sowie die Dienstleistungen für Verbraucher bedeutende Chancen bieten.

Für ungarische Unternehmen könnten Bereiche von besonderem Interesse sein, in denen Ungarn bereits über Erfahrung, Technologie oder exportierbares Know-how verfügt. Beispiele hierfür sind die Digitalisierung des Bankwesens, die Lebensmittelindustrie, Agrartechnologie, Wasserwirtschaft, das Gesundheitswesen und sogar bildungsbezogene Dienstleistungen.

Als Finanzinstitut stellen wir fest, dass der usbekische Markt offen für Entwicklung und internationales Fachwissen ist. Gleichzeitig ist es wichtig, dass jeder, der hierherkommt, Usbekistan nicht einfach als billigen Markt betrachtet. Dies ist ein Land mit einer eigenen Kultur, einer eigenen Geschäftslogik und einem eigenen Tempo. Wer dies wirklich versteht, hat hier eine Zukunft.

Modernisierung, Digitalisierung, Integration: All dies geschieht gleichzeitig

Daily News Hungary: Bei der Ipoteka Bank sind Sie gleichzeitig als Vorstandsvorsitzender sowie als Leiter der Bereiche Finanzen und Technologie tätig. Was ist derzeit die größte Herausforderung: die Modernisierung der Bank, ihre Digitalisierung oder ihre Integration in die OTP-Gruppe?

Szentpéteri: Die größte Herausforderung besteht gerade darin, dass diese drei Aspekte untrennbar miteinander verbunden sind. Modernisierung funktioniert nicht ohne Digitalisierung, Digitalisierung funktioniert nicht ohne organisatorische Umstrukturierung, und die Integration in die OTP-Gruppe bildet den Rahmen für all dies.

Die Transformation einer Bank ist immer eine komplexe Aufgabe, hier jedoch ganz besonders, da es um mehr geht als nur um die Anpassung einiger weniger Systeme oder Prozesse. Wir müssen das gesamte Betriebsmodell weiterentwickeln: wie wir Kunden betreuen, wie wir Kreditentscheidungen treffen, wie wir Risiken steuern, wie wir Daten nutzen und welche digitalen Kanäle wir anbieten.

Als Chief Transformation Officer ist es meine Aufgabe, sicherzustellen, dass diese Veränderungen keine isolierten Projekte sind, sondern alle in dieselbe Richtung weisen. Als Finanzvorstand muss ich zudem dafür sorgen, dass das Wachstum nachhaltig bleibt. Und als amtierender Vorstandsvorsitzender muss ich dafür sorgen, dass das gesamte Unternehmen reibungslos läuft. Es ist eine intensive Arbeit, aber genau das macht sie so spannend.

Das Leben im Herzen von Taschkent entspricht europäischem Niveau

Daily News Hungary: Als ungarischer Führungskraft sind Sie derzeit in Usbekistan tätig. Was war Ihr erster Eindruck von Taschkent, und was schätzen Sie am meisten am Leben hier?

Szentpéteri:

Taschkent ist aus europäischer Sicht in vielerlei Hinsicht eine überraschende Stadt. Im Stadtzentrum genießt man einen besonders hohen Lebensstandard. Im Finanzviertel, in der Innenstadt oder beispielsweise rund um den Taschkenter Stadtpark gibt es Dienstleistungen auf europäischem Niveau zu fast europäischen Preisen.

Viele Menschen sagen, Usbekistan sei ein günstiges Land, und das stimmt zwar, gilt jedoch nicht unbedingt für das internationale Umfeld in der Innenstadt. Im Stadtzentrum liegen die Preise etwa 10 bis 20 Prozent unter denen in Budapest. Wenn man sich jedoch nur 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, können die Preise um bis zu die Hälfte sinken, und dies kann sich noch einmal wiederholen, wenn man noch weiter hinausfährt.

Wir sprechen hier von einer Stadt, die auch für Familien lebenswert ist, obwohl dies natürlich von Ihren persönlichen Umständen abhängt. Ich arbeite derzeit allein hier – meine Familie ist in Budapest geblieben –, aber angesichts des internationalen Umfelds, der Dienstleistungen und der Entwicklung der Stadt ist es möglich, sich in Taschkent ein komfortables, hochwertiges Leben aufzubauen.

Falls Sie es verpasst haben: Das „Tashkent International Investment Forum 2026“ verdeutlicht die wachsende Bedeutung Usbekistans für Europa

„Den Menschen bin ich am meisten ans Herz gewachsen“

Daily News Hungary: Wie leicht fällt es einem Ausländer, sich in den Alltag in Usbekistan einzufinden? Gibt es einen Ort, ein Gericht, einen Brauch oder eine Erfahrung, die Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist?

Szentpéteri:

Vielleicht sind mir die Menschen am meisten ans Herz gewachsen. Usbeken sind sehr freundlich, offen und höflich. Gleichzeitig handelt es sich um eine andere Kultur, und selbst nach drei Jahren fällt es mir immer noch schwer, genau zu verstehen, was sie denken. Sie sind sehr hilfsbereit, lernbegierig und aufgeschlossen, aber es braucht Zeit, ihre Denkweise zu verstehen.

Das Essen ist köstlich. Plov zum Beispiel schmeckt besonders gut, und dazu wird reichlich Gemüse gegessen. Auf eines sollte man jedoch achten: Wenn man zum ersten Mal in Taschkent ankommt, nimmt man in den ersten drei bis sechs Monaten leicht ein paar Kilogramm zu. Das ist mir und einigen meiner Kollegen passiert. Das Essen ist nahrhaft, oft eher fettreich, und in der usbekischen Kultur ist das gemeinsame Essen ein sehr wichtiges gesellschaftliches Ereignis.

Eine der wichtigsten Aktivitäten für Usbeken ist es, mit Familie oder Freunden zusammenzukommen und gemeinsam zu essen. Aus religiösen Gründen spielt der Alkoholkonsum eine untergeordnete Rolle, sodass das Essen bei diesen Zusammenkünften im Mittelpunkt steht.

Dies ist charakteristisch für ganz Zentralasien, und auch in Aserbaidschan gibt es eine ähnliche Kultur: Das Essen aus einer gemeinsamen Schüssel, das Teilen und das Gemeinschaftsgefühl am Tisch sind sehr starke Traditionen. Aus ungarischer Sicht ist dies ein interessanter Unterschied, da es in Ungarn üblicher ist, dass jeder seinen eigenen Teller und seine eigene Portion hat. Hier hingegen wird beispielsweise Plov oft aus einer gemeinsamen Schüssel serviert, und die Mahlzeit selbst ist viel mehr ein gemeinschaftliches Erlebnis.

Ungarische Bankerfahrung im usbekischen Kontext

Die Transformation der Ipoteka Bank veranschaulicht deutlich, welche Rolle ein ungarisches Finanzinstitut auf einem sich rasch entwickelnden zentralasiatischen Markt spielen kann. Die OTP-Gruppe ist nicht einfach nur als Eigentümerin nach Usbekistan gekommen, sondern hat auch ein Betriebsmodell, digitales Know-how und Bankerfahrung mitgebracht.

Die Ipoteka Bank erwies sich im vergangenen Jahr als die ertragreichste Investition der OTP-Gruppe, was die strategische Bedeutung des usbekischen Marktes unterstreicht. Der Erfolg der Übernahme spiegelt zudem die Auswirkungen der Reformen von Präsident Shavkat Mirziyoyev wider, darunter die wirtschaftliche Liberalisierung und die schrittweise Öffnung des usbekischen Marktes für ausländische Investoren.

Laut Ádám Szentpéteri stellt diese Aufgabe sowohl eine fachliche als auch eine kulturelle Herausforderung dar: den Aufbau einer modernen Geschäftsbank mit umfassendem Dienstleistungsangebot bei gleichzeitigem Verständnis für die einzigartige Dynamik eines sich rasch wandelnden Landes. Dies könnte nicht nur für die Ipoteka Bank, sondern auch für die ungarisch-usbekischen Wirtschaftsbeziehungen von großer Bedeutung sein.

Wie geht es weiter? Das Taschkent International Investment Forum 2026 beginnt mit bedeutenden Investitionszusagen aus Usbekistan

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