Krise der öffentlichen Sicherheit? Budapester Politiker fordern sofortiges Eingreifen der Regierung

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Die Bürgermeister von vier zentralen Budapester Stadtbezirken haben die ungarische Regierung gemeinsam aufgefordert, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um der ihrer Meinung nach sich verschlechternden Lage der öffentlichen Sicherheit in der Hauptstadt entgegenzuwirken.
Tamás Soproni (Bezirk VI), Péter Niedermüller (Bezirk VII), András Pikó (Bezirk VIII) und Krisztina Baranyi (Bezirk IX) veröffentlichten am Mittwoch einen offenen Brief, nachdem sie die aktuelle Lage der öffentlichen Sicherheit in Budapest untersucht hatten. Sie argumentieren, dass die Einwohner zunehmend von einer Kombination aus sozialen, psychischen und strafrechtlichen Herausforderungen betroffen sind, was zu einem wachsenden Gefühl der Unsicherheit führt.
„Wir alle erleben dasselbe: Auf unseren Straßen treten immer schwerwiegendere soziale, psychische und ordnungspolizeiliche Probleme auf, und das Sicherheitsgefühl der Menschen verschlechtert sich stetig“, schrieben die Bürgermeister.
Bürgermeister machen langfristige systemische Probleme verantwortlich
Nach Ansicht der Bezirksverantwortlichen haben der jahrelange Abbau staatlich finanzierter psychiatrischer und suchthilflicher Versorgung, ein geschwächtes Sozialsystem sowie ein gravierender Personalmangel bei der Polizei gemeinsam zur aktuellen Situation beigetragen.
Sie beschreiben die in öffentlichen Räumen sichtbaren Probleme als Symptome einer weitaus tieferen gesellschaftlichen Krise. Die Bürgermeister erkennen zwar an, dass die neue ungarische Regierung erhebliche Herausforderungen geerbt hat, argumentieren jedoch, dass die Verantwortung für die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit nun bei der derzeitigen Regierung liege.
„Die Bevölkerung von Budapest kann nicht auf den Haushalt des nächsten Jahres oder auf den Abschluss eines langfristigen Reformprogramms warten“, schrieben sie und wiesen darauf hin, dass die Regierung bewiesen habe, dass sie bei Bedarf rasch Gesetze erlassen und Mittel umschichten könne.
Fünf vorgeschlagene Sofortmaßnahmen
Die vier Bürgermeister haben den Innenminister und die Regierung aufgefordert, fünf Maßnahmen unverzüglich umzusetzen.
1. Eine Budapester Zulage in Höhe von 30 % für Polizeibeamte
Die Bürgermeister schlagen vor, ab dem 1. September 2026 einen Gehaltszuschlag von mindestens 30 % für Polizeibeamte und andere Strafverfolgungsbeamte einzuführen, die in Budapest im Dienst sind.
Sie argumentieren, dass die Beamten in der Hauptstadt einer deutlich höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt sind und gleichzeitig mit wesentlich höheren Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben als anderswo in Ungarn. Dem Vorschlag zufolge könnte ein Teil der Finanzierung dadurch erfolgen, dass ein Teil des Solidaritätsbeitrags, den die Budapester Stadtbezirke bereits an den zentralen Haushalt abführen, umgeleitet wird.
Die Bezirksverwaltungen erklären, dass sie die örtliche Polizei bereits durch Dienstwohnungen, Überstundenzuschläge, Prämien, Fahrzeuge und Ausrüstung unterstützen, die Gewährleistung wettbewerbsfähiger Polizeigehälter jedoch weiterhin in der Verantwortung des Staates liege.
2. Erweitere Befugnisse gegenüber Tabakgeschäften
Die Bürgermeister fordern zudem, dass die Kommunalverwaltungen stärkere gesetzliche Befugnisse zur Regulierung von Tabakgeschäften erhalten. Sie argumentieren, dass Tabakgeschäfte, die bis spät in die Nacht geöffnet sind, häufig zu Treffpunkten werden, die mit Alkoholkonsum, Lärm, Vermüllung, asozialem Verhalten und Gewalt in Verbindung gebracht werden.
Gemäß ihrem Vorschlag könnten die Kommunen die Öffnungszeiten und den Alkoholverkauf einschränken, während schwerwiegende Verstöße zu einer vorübergehenden Aussetzung der Betriebsgenehmigung eines Geschäfts führen könnten.
3. Ausweitung des Einsatzes von Videoüberwachung zur Durchsetzung der Vorschriften
Ein weiterer Vorschlag sieht vor, das ungarische System der verschuldensunabhängigen Haftung auf Verkehrsverstöße auszuweiten, die durch Überwachungskameras eindeutig dokumentiert werden können.
Die Bürgermeister weisen darauf hin, dass kommunale Ordnungsbeamte derzeit viel Zeit damit verbringen, sich mit Falschparken und anderen Verkehrsverstößen zu befassen, die stattdessen anhand von Videoüberwachungsaufnahmen geahndet werden könnten.
Dies, so argumentieren sie, würde den Beamten mehr Kapazitäten verschaffen, um sich auf aggressives Verhalten und andere Störungen der öffentlichen Ordnung zu konzentrieren.
4. Ständige Polizeipräsenz an wichtigen Verkehrsknotenpunkten
Die Bezirksleiter fordern zudem eine kontinuierliche Polizeipräsenz an mehreren der verkehrsreichsten und problematischsten Verkehrsknotenpunkte Budapests.

Der Vorschlag sieht eine ständige polizeiliche Präsenz rund um den Blaha-Lujza-Platz, den Bahnhof Keleti, den Busbahnhof Népliget und das Nyugati-Viertel vor, möglicherweise mit Unterstützung durch ungarische Bereitschaftspolizeieinheiten.
Nach Ansicht der Bürgermeister sind sichtbare Polizeipatrouillen nach wie vor eines der wirksamsten Mittel zur Abschreckung von Kriminalität und Unruhen.
5. Änderungen der Vorschriften für Obdachlosenunterkünfte
Schließlich schlagen die Bürgermeister vor, die Aufnahmebedingungen in Übernachtungsunterkünften für Obdachlose zu lockern und arbeitslosen Bewohnern zu gestatten, bis 8:30 Uhr morgens in den Räumlichkeiten zu verbleiben.
Sie argumentieren, dass einige Unterkünfte derzeit Personen mit geringem Alkoholkonsum den Zutritt verweigern, wodurch schutzbedürftige Menschen auf der Straße bleiben und die Wahrscheinlichkeit öffentlicher Konflikte steigt.
Die Bezirke erklären sich bereit, sich finanziell an den durch diese Änderungen entstehenden zusätzlichen Betriebskosten zu beteiligen.
Forderung nach unverzüglichen Gesprächen mit der Regierung
Die vier Bürgermeister betonen, dass die Bezirksräte bereits Aufgaben übernehmen, die normalerweise der Zentralregierung obliegen würden, indem sie Videoüberwachungssysteme installieren, Polizeieinsätze unterstützen und Sozialprogramme finanzieren.
Sie argumentieren jedoch, dass Kommunalverwaltungen nationale Systeme nicht ersetzen können. Die Bezirksvorsteher haben um ein dringendes Treffen mit dem Innenminister gebeten und erklären sich bereit, bei der Ausarbeitung und Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen mitzuwirken.
„Die Maßnahmen können nicht bis zum Haushalt des nächsten Jahres warten. Budapest braucht jetzt mehr Polizeibeamte, ein funktionierendes Unterstützungssystem und wirksamere lokale Instrumente“, heißt es abschließend in der gemeinsamen Erklärung.
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