Ministerpräsident Magyar kündigt Untersuchung der Russland-Verbindungen des ehemaligen Außenministers Szijjártó an und verspricht verstärkte Polizeipräsenz in Budapest

Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar hat bestätigt, dass derzeit Ermittlungen zu den Beziehungen des ehemaligen Außenministers Péter Szijjártó zu Russland laufen. Gleichzeitig kündigte er neue Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit in Budapest an und informierte über den aktuellen Stand wichtiger Verkehrs- und Energieprojekte.
Bei der wöchentlichen Pressekonferenz der Regierung am Donnerstag ging Magyar auf mehrere der am meisten beachteten politischen und wirtschaftlichen Themen des Landes ein.
Ermittlungen zu Szijjártós Verbindungen nach Russland eingeleitet
Magyar bestätigte, dass die Behörden Szijjártós Beziehungen zu Russland untersuchen – ein Thema, das er zuvor als potenziellen „Verrat“ bezeichnet hatte. Der Ministerpräsident lehnte es jedoch ab, weitere Einzelheiten preiszugeben, da die Ermittlungen geheime Dokumente und sensibles diplomatisches Material beträfen.
„Ich möchte dem Verfahren nicht vorgreifen“, sagte Magyar und fügte hinzu, dass die Regierung Informationen veröffentlichen werde, sobald dies möglich sei, ohne die Ermittlungen zu beeinträchtigen.

Über einen Nachfolger für Präsident Sulyok wurde bislang noch nicht gesprochen
Auf die Frage nach einer möglichen Amtsenthebung von Präsident Tamás Sulyok für den Fall, dass er die kürzlich verabschiedete 17. Änderung des ungarischen Grundgesetzes nicht unterzeichnet, erklärte Magyar, die Regierung werde geduldig auf die Entscheidung des Präsidenten warten.
Er erklärte, er gehe nicht davon aus, dass Sulyok die Verfassungsänderung anfechten werde, die letztendlich zu seiner Amtsenthebung führen könnte. Magyar betonte zudem, dass Diskussionen über einen möglichen Nachfolger erst beginnen würden, nachdem die Verfassungsänderung unterzeichnet und offiziell veröffentlicht worden sei. Nach Ansicht des Ministerpräsidenten wäre es weder respektvoll noch angemessen, vor Abschluss dieses Verfahrens über Ersatzkandidaten zu sprechen.

Regierung berät weiterhin über Beschränkungen für Gastarbeiter
Magyar erklärte zudem, dass die Beratungen mit den Berufsverbänden über die von der Regierung geplanten Beschränkungen für Gastarbeiter fortgesetzt würden. Zwar seien die detaillierten Rechtsvorschriften noch nicht endgültig festgelegt, doch bleibe es das Ziel der Regierung, ungarische Arbeitnehmer davor zu schützen, durch schlechter bezahlte ausländische Arbeitskräfte ersetzt zu werden, die bereit seien, schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren.

Polizeipräsenz in Budapest soll für 30 Tage verstärkt werden
Als Reaktion auf die wachsenden Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Sicherheit in der Hauptstadt kündigte Magyar eine einmonatige Aktion an, um die Polizeipräsenz in ganz Budapest zu verstärken. An der verstärkten Präsenz werden Beamte des Budapester Polizeipräsidiums (BRFK), der Schnellreaktionspolizei sowie freiwillige Zivilgardisten beteiligt sein.
Die Patrouillen werden sich vor allem auf belebte Bereiche im Stadtzentrum, Ausgehviertel und den Stadtteil Rákosrendező konzentrieren. Der Ministerpräsident wies darauf hin, dass viele Probleme der öffentlichen Sicherheit eher mit Obdachlosigkeit und Sucht zusammenhängen als allein mit klassischer Kriminalität, und fügte hinzu, dass auch Sozialarbeiter einbezogen werden, damit schutzbedürftige Menschen Unterstützung erhalten, anstatt ausschließlich mit Strafverfolgungsmaßnahmen konfrontiert zu werden.
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Die Kraftstoffpreise bleiben unter Kontrolle – vorerst
Magyar wies die Behauptungen der Opposition zurück, wonach die Benzinpreise landesweit das von der Regierung festgelegte Preisniveau überschritten hätten, und bezeichnete solche Berichte als „eine riesige Lüge“. Er erklärte, dass derzeit nur eine Handvoll Tankstellen höhere Preise verlangten und dass es keine Versorgungsengpässe gebe.
Laut Magyar hat der Energiekonzern MOL der Regierung versichert, dass die aktuellen Kraftstoffpreise trotz steigender Großhandelskosten tragbar bleiben. Er fügte jedoch hinzu, dass Wirtschafts- und Energieminister István Kapitány eingreifen werde, sollten die Preise deutlich ansteigen.

Regierung: Szijjártós BYD-Schritt werde die Beziehungen nicht beeinträchtigen
Auf die Frage nach Szijjártós jüngster Entscheidung, beim chinesischen Elektrofahrzeughersteller BYD einzusteigen, erklärte Magyar, er habe zwar seine eigene Meinung zu dieser Ernennung, betonte jedoch, dass dies die Beziehungen zwischen der Regierung und dem Unternehmen nicht beeinflussen werde.
Er wies darauf hin, dass BYD im Rahmen verschiedener Programme staatliche Fördermittel in Höhe von rund 300 Milliarden HUF erhalten habe, und erklärte, dass Unternehmen, die ihren Investitionsverpflichtungen nachkommen und Steuern zahlen, in Ungarn weiterhin willkommen seien.
Investitionen in den Schienenverkehr sollen beschleunigt werden
Magyar kündigte zudem bedeutende Entwicklungen im ungarischen Eisenbahnsektor an. Er lobte Verkehrs- und Investitionsminister Dávid Vitézy und erklärte, das Land habe nun eine Führungsrolle in der Verkehrspolitik inne, „wie es sie seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat“. Nach Angaben des Ministerpräsidenten wird die Freigabe von EU-Mitteln den Start groß angelegter Beschaffungsprojekte im Eisenbahnbereich in den nächsten drei Jahren ermöglichen; weitere Einzelheiten soll Vitézy voraussichtlich nächste Woche bekannt geben.

Bahnstrecke Budapest–Belgrad steht kurz vor der Aufnahme des Personenverkehrs
Abschließend zeigte sich Magyar optimistisch, dass der Personenverkehr auf der lang erwarteten Bahnstrecke Budapest–Belgrad innerhalb von ein bis zwei Monaten aufgenommen werden könnte. Er erklärte, Vitézy führe derzeit Gespräche mit serbischen Amtskollegen, um die noch offenen Fragen vor der Inbetriebnahme zu klären.
Falls Sie es verpasst haben: Financial Times: Ungarn durchläuft einen politischen Wandel, der „weit über das hinausgeht, was viele für möglich gehalten hätten“

