Hackerangriff auf das ungarische Finanzministerium: Ist die Verbindung zu Russland lediglich eine Tarngeschichte?

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Laut „Népszava“ haben Hacker das IT-System der ungarischen Staatskasse tatsächlich von russischen Servern aus angegriffen, doch die Operation wurde nicht von einem russischen Geheimdienst durchgeführt. Stattdessen soll es sich um das Werk einer Organisation gehandelt haben, die vermutlich mit einem algerischen Mann in Verbindung steht. Die Zeitung vermutet, dass die Verbindung zu Russland lediglich hervorgehoben wird, um die eigenen gravierenden Mängel der Behörden im Bereich der Informationssicherheit herunterzuspielen.
Hacker könnten tief in das System eingedrungen sein und riesige Datenmengen erbeutet haben
Die Folgen des Angriffs auf das IT-System der ungarischen Staatskasse könnten weitaus schwerwiegender gewesen sein als zunächst vermutet. Nach Informationen von Népszava haben die Angreifer möglicherweise nicht nur Zugriff auf Daten zu Agrarsubventionen erlangt, sondern auch auf die Renten- und Familienunterstützungssysteme.
Die Staatskasse hat bislang weder das Ausmaß des Schadens offengelegt noch mitgeteilt, ob ein Erpressungsversuch stattgefunden hat. Auch wenn der erfolgreiche Angriff nicht bedeutet, dass die Hacker öffentliche Gelder veruntreuen konnten, haben sie möglicherweise riesige Datenmengen über ungarische Rentner und Bürger, die verschiedene Familienbeihilfen beziehen, erbeutet. Solche Informationen könnten sich später bei der Durchführung einer Reihe von betrügerischen Handlungen als äußerst wertvoll erweisen.
Der Zeitung zufolge könnten die Hacker eine bekannte Sicherheitslücke ausgenutzt haben, die nicht ordnungsgemäß geschlossen worden war. Berichten zufolge verschafften sie sich über einen veralteten Webserver Zugang, bevor sie Administratorrechte für das zentrale Authentifizierungssystem erlangten. Von dort aus konnten sie möglicherweise auf andere Teile des Netzwerks zugreifen.

Der Grund dafür war, dass die zentralen Datenbanken durch schwache, veraltete Passwortsicherheit geschützt waren. Die Angreifer konnten daher praktisch in einem einzigen Schritt in diese eindringen und sich alles beschaffen, was sie wollten.
Während des Angriffs wurden zudem Datenbanken mit vertraulichen persönlichen und finanziellen Informationen verschlüsselt. Das ungarische Finanzministerium versucht derzeit, die betroffenen Systeme anhand früherer Sicherungskopien wiederherzustellen, hat dabei jedoch bislang nur begrenzten Erfolg erzielt.
Die IT-Infrastruktur ist daher nur eingeschränkt betriebsfähig. Die Schadensbegrenzung und die Ermittlungen werden vom Nationalen Institut für Cybersicherheit des Nationalen Sicherheitsdienstes in Zusammenarbeit mit Fachleuten der Staatskasse durchgeführt. Der Verstoß gegen den Datenschutz wurde zudem der ungarischen Nationalen Behörde für Datenschutz und Informationsfreiheit gemeldet, wenngleich dies allein ein derart komplexes Problem nicht lösen wird.
Interessanterweise hat die neue Regierung in dieser Angelegenheit bislang noch keine Maßnahmen ergriffen, obwohl noch viel Arbeit zu leisten ist, um alle Hintertüren im System aufzuspüren und zu schließen.
Gestohlene Daten könnten leicht missbraucht werden
Der Vorfall ist besonders alarmierend, da die kompromittierten Zugangsdaten theoretisch Zugang zu Daten im Zusammenhang mit der Festsetzung und Auszahlung von Renten sowie zu dem System zur Verwaltung der Bankkonten der Kommunalbehörden hätten gewähren können.
Ein Experte erklärte jedoch, dass dies nicht bedeute, dass die Angreifer direkt auf staatliche Gelder zugreifen oder diese überweisen könnten. Die größere Gefahr liege im Missbrauch der gestohlenen Daten – beispielsweise durch gezielte Phishing-Angriffe – sowie in der Störung des Betriebs von IT-Systemen.

Auch hinsichtlich der Herkunft des Angriffs gibt es noch offene Fragen. Das ungarische Finanzministerium erklärte, die Aktion sei von russischen Servern ausgegangen, während eine Analyse eines Cybersicherheitsunternehmens auf eine Gruppe namens „ByteToBreach“ hinwies, hinter der vermutlich ein algerischer Mann steht.
Der Zeitung zufolge hatte die Gruppe zuvor im Forum „DarkForums“ Daten zum Verkauf angeboten, die möglicherweise auf einen Einbruch in die Systeme der ungarischen Staatskasse hindeuteten.
Der Fall unterstreicht zudem die Bedeutung einer früheren Feststellung des ungarischen Rechnungshofs. Bereits 2019 warnte dieser, dass in den von der ehemaligen Zentralverwaltung der staatlichen Rentenversicherung übernommenen Systemen weiterhin Schwachstellen im Datenschutz bestünden. Dennoch wurden die anfälligen Komponenten nicht beseitigt, sodass die Hacker „ungehindert eindringen“ konnten.
Klingt es besser, den Russen die Schuld zu geben?
„Népszava“ vermutet, dass die Verbindung zu Russland daher möglicherweise nichts weiter als eine Tarngeschichte ist. Niemand erwartet, dass das ungarische Finanzministerium und seine Experten in der Lage sind, eine russische Geheimdienstoperation zu vereiteln, doch die Bürger hätten allen Grund, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sollte sich herausstellen, dass ein algerischer Staatsangehöriger – infolge von Versäumnissen auf ungarischer Seite – durch Ausnutzung der Schwachstellen einfach in das System eingedrungen ist und riesige Mengen an Daten über sie gestohlen hat.
Zudem passt die Kritik an Russland in dieser Angelegenheit besser zur bevorzugten Darstellung der derzeitigen Regierung.
Russische Hackergruppe dringt bei koordiniertem Cyberangriff in ungarisches Geothermiesystem ein
Titelbild: depositphotos.com

