Ungarn setzt sich Euro-Ziel für 2030: Regierung gibt bekannt, wann das Haushaltsdefizit unter 3 % sinken könnte

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Die neue ungarische Regierung hat sich die Einführung des Euro bis 2030 zum Ziel gesetzt. Finanzminister András Kármán hat nun dargelegt, wie und wann das Land sein Haushaltsdefizit unter die für die EU maßgebliche 3-Prozent-Schwelle senken könnte. Die Regierung erklärt, sie werde das enorme Haushaltsdefizit des Landes in den Griff bekommen, ohne den Haushalten Sparmaßnahmen aufzuerlegen.
Ungarn strebt die Einführung des Euro bis 2030 an
Die neue Regierung plant, die für die Einführung des Euro erforderlichen Maastricht-Kriterien bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode im Jahr 2030 zu erfüllen, erklärte Kármán in einem Interview mit dem ungarischen öffentlich-rechtlichen Sender Kossuth Radio. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die Senkung des Haushaltsdefizits unter 3 % des BIP. Angesichts der Haushaltslage, die die neue Regierung nach den Wahlen im Frühjahr 2026 vorfindet, stellt dieses Ziel eine besondere Herausforderung dar.
Laut „Portfolio“ erklärte Kármán, die Regierung werde bis Ende Oktober zusammen mit dem Haushalt für das nächste Jahr ein neues mittelfristiges Programm vorlegen. Darin werde der Weg zur Erfüllung der Kriterien für den Beitritt zum Euro-Raum bis 2030 dargelegt. Die Regierung argumentiert, dass die Einführung der gemeinsamen Währung das Wechselkursrisiko Ungarns beseitigen und zu dauerhaft niedrigeren Inflationsraten und Zinssätzen beitragen würde, was Haushalten und Unternehmen mehr Stabilität und Vorhersehbarkeit verschaffen würde.

Das Defizit fiel deutlich höher aus als erwartet
Laut Kármán basierte der Haushalt der Vorgängerregierung für 2026 ursprünglich auf einem Defizitziel von lediglich 3,7 % des BIP. Eine nach dem Regierungswechsel durchgeführte Überprüfung ergab jedoch, dass das Defizit ohne Eingreifen 8,3 % hätte erreichen können. Der Finanzminister erklärte, der vorherige Haushalt habe auf unrealistischen Annahmen zum Wirtschaftswachstum beruht und vor der Wahl seien zahlreiche ungedeckte Ausgabenzusagen gemacht worden.
Er wies zudem auf versteckte finanzielle Verpflichtungen und Projekte hin, deren tatsächliche Kosten gemäß den bestehenden Verträgen deutlich höher waren als die im offiziellen Haushalt ausgewiesenen Beträge. Der überarbeitete Haushalt für 2026 sieht nun ein Defizit von 7,5 % des BIP vor.
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Die Regierung verspricht keine Sparmaßnahmen für die Haushalte
Anstatt die Belastung für die Haushalte zu erhöhen, plant die Regierung nach eigenen Angaben, das Haushaltsdefizit durch die Kürzung verschwenderischer Staatsausgaben sowie durch die Neuverhandlung oder Kündigung überteuerter Verträge zu schließen. Kármán erklärte, die Regierung habe in diesem Jahr bereits rund 400 Milliarden HUF (1,1 Milliarden Euro) eingespart, indem sie ungünstige staatliche Verträge gekündigt oder neu verhandelt habe. Bis zum Jahresende sollen weitere 300 Milliarden HUF an überhöhten Ausgaben eingespart werden.
Zu den vom Minister genannten Maßnahmen zählen die Abschaffung des Amtes für den Schutz der Souveränität, Kürzungen bei den Bezügen der Abgeordneten sowie die Kündigung eines Betriebsvertrags für einen Teil der Autobahn M6. Letzterer wurde Berichten zufolge zu etwa einem Drittel des bisherigen Preises an einen anderen Betreiber übertragen, wodurch die Regierung nach eigenen Schätzungen in den nächsten elf Jahren rund 100 Milliarden HUF einsparen wird.
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Gezielte Unterstützung statt pauschaler Leistungen
Kármán erklärte, die Wirtschaftspolitik der Regierung werde zudem einen stärkeren Schwerpunkt auf bedarfsorientierte Sozialhilfe und eine transparente Verwaltung öffentlicher Mittel legen. Die neue Regierung habe eine Schulanfangszulage in Höhe von 100.000 HUF eingeführt, die Mehrwertsteuer auf verschreibungspflichtige Medikamente abgeschafft und die Sozialbeihilfe für Brennholz erhöht, sagte er.
Ein ähnlicher gezielter Ansatz wird für Renten und mögliche zusätzliche Leistungen erwartet, wie beispielsweise die vorgeschlagene SZÉP-Karte für Rentner. Laut Kármán sollten die Hilfen in erster Linie diejenigen erreichen, die sie wirklich benötigen. Nach der anschließenden Ankündigung von Ministerpräsident Péter Magyar, dass die niedrigsten Altersrenten auf 120.000 HUF angehoben werden sollen, fügte Kármán hinzu, dass die niedrigsten Renten stufenweise weiter erhöht werden sollen.
Das Interview mit Kármán können Sie unten anhören (nur auf Ungarisch):
Neues Steuersystem könnte KATA ersetzen
Das Finanzministerium arbeitet zudem an einem neuen, vereinfachten Steuersystem mit minimalem Verwaltungsaufwand, das sich an Selbstständige und kleine Unternehmen richtet. Das System soll eine Alternative zum früheren KATA-Steuersystem für Kleinunternehmen bieten, das im Jahr 2022 erheblich eingeschränkt wurde. Ziel der Regierung ist es, ein vereinfachtes Steuerumfeld für Kleinunternehmen mit einem nachhaltigeren fiskalischen Rahmen zu verbinden.
Kann Ungarn bis 2030 tatsächlich dem Euro beitreten?
Das Ziel für 2030 stellt eine bedeutende Wende in der ungarischen Wirtschaftspolitik dar. Die Erfüllung der Maastricht-Kriterien würde eine erhebliche Verbesserung der öffentlichen Finanzen erfordern, insbesondere angesichts des derzeitigen Defizitziels von 7,5 %.
Kármán betonte, dass die EU-Vorschriften es einer neuen Regierung nach einem Regierungswechsel erlauben, ein neues mittelfristiges Haushaltsprogramm vorzulegen. Die neue Regierung plant nun, diese Gelegenheit zu nutzen, um einen Weg aufzuzeigen, wie das Defizit unter 3 % gesenkt und die Bedingungen für die Einführung des Euro bis 2030 erfüllt werden können.

