Von Legolas bis Liszka – Ungarn überarbeitet erneut seine Vorschriften für Vornamen

Ungarn bereitet sich darauf vor, eine umstrittene Neuregelung seines streng regulierten Systems für Vornamen rückgängig zu machen. Eine frühere Entscheidung, 145 Vornamen aus der offiziellen Liste zu streichen, wurde aufgehoben, während bereits zehn neue Namen hinzugefügt werden sollen.

Das ungarische Ministerium für soziale Beziehungen und Kultur bereitet nach Gesprächen mit dem ELTE-Forschungszentrum für Linguistik Anfang September umfassende Änderungen am System zur Genehmigung neuer Vornamen vor, wie 24.hu berichtete.

Die neue Regierung hat die Beschlüsse des ehemaligen Ausschusses für die Genehmigung von Vornamen, der unter der vorherigen Fidesz-Regierung eingerichtet worden war und dessen Vorsitz der ehemalige Fidesz-Politiker Lajos Kósa innehatte, faktisch für ungültig erklärt.

Die auffälligste Folge ist, dass 145 Namen, die zuvor zur Streichung vorgesehen waren, weiterhin auf der offiziellen Liste der zulässigen Vornamen in Ungarn verbleiben werden. Gleichzeitig wurden bereits zehn neue Babynamen zur Aufnahme genehmigt.

Zehn neue Namen stehen auf der Liste

Zu den neu zugelassenen Namen gehören Liszka, Benna, Floriána, Doron, Zeliha und Gittel.

Laut Judit Raátz vom Forschungszentrum für Sprachwissenschaft wurden bei der Überprüfung vier von sechs zuvor von Sprachwissenschaftlern empfohlenen Namen angenommen, während weitere sechs bei der Sitzung im September genehmigt wurden. Damit steht bereits fest, dass die offizielle Liste um zehn Namen erweitert wird.

Und damit ist die Liste möglicherweise noch nicht vollständig. Anträge, die nach dem 12. Mai eingereicht wurden, sollen in den kommenden Wochen geprüft werden; anschließend werden sich Beamte und Sprachwissenschaftler erneut treffen und könnten weitere Namen genehmigen. Die aktualisierte Liste muss noch offiziell veröffentlicht werden, bevor die Änderungen vollständig in Kraft treten.

Die Namen, die Kósas hartes Durchgreifen ausgelöst haben

In Ungarn gelten seit langem strengere Vorschriften für Babynamen als in vielen anderen Ländern. Eltern können nicht einfach einen beliebigen Vornamen ihrer Wahl registrieren lassen: Namen, die nicht auf der offiziellen Liste stehen, müssen ein Genehmigungsverfahren durchlaufen.

Die Kontroverse begann im Jahr 2025, als Lajos Kósa auf eine strengere politische Kontrolle über die offizielle Liste der Vornamen in Ungarn drängte.

Bei der Erläuterung des Vorschlags im Parlament hob Kósa mehrere Namen hervor, die ungarischen Eltern bereits rechtlich zur Verfügung standen. Er verwies auf „Kandida“ und „Orália“ bei den weiblichen Vornamen sowie auf „Késav“, „Orda“, „Gida“ und „Legolasz“ bei den männlichen Vornamen und argumentierte, dass der Bestand an Vornamen Teil der ungarischen nationalen Identität sei.

Wie wir damals berichteten, wurde durch die Reform die endgültige Entscheidungsgewalt über die offizielle ungarische Vornamenliste von Sprachexperten auf den für Kultur zuständigen Minister übertragen.

Falls Sie es verpasst haben: Ungarn verschärft die Vorschriften für Vornamen: neue ministerielle Liste in Kraft

Nach dem alten System prüften Sprachexperten die Anträge, und die Antragsteller wurden in der Regel innerhalb von 30 Tagen über eine Entscheidung informiert. Nach der Reform musste die endgültige Liste jedoch formell vom Minister erlassen werden – eine Änderung, die laut Kritikern den Prozess erheblich verlangsamte.

281 Anträge, von denen zunächst nur einer genehmigt wurde

Die Probleme traten im Januar besonders deutlich zutage. Der von Kósa geleitete Ausschuss prüfte 281 Anträge auf neue Vornamen, die seit dem vergangenen August eingereicht worden waren. Das Forschungszentrum für Sprachwissenschaft empfahl sieben davon, doch der Ausschuss genehmigte lediglich einen: Vinka, einen weiblichen Vornamen, der auch mit der Immergrün-Blume in Verbindung gebracht wird.

Der Ausschuss prüfte zudem 198 bestehende Namen, die von keinem ungarischen Staatsbürger verwendet wurden, und schlug vor, 145 davon aus dem offiziellen Register zu streichen. Keine der beiden Entscheidungen wurde letztendlich offiziell.

Für einige Eltern hatte die Verzögerung jedoch sehr konkrete Folgen: Laut 24.hu kamen Kinder zur Welt, während ihre Eltern noch auf Entscheidungen über die von ihnen beantragten Namen warteten.

Der ehemalige Minister für Kultur und Innovation, Balázs Hankó, veröffentlichte die Änderungen nie im ungarischen Amtsblatt, was bedeutet, dass die geplante Streichung der 145 Namen – und die Aufnahme von „Vinka“ – nie formell in Kraft trat.

Zurück zu den Sprachwissenschaftlern

Das neue Ministerium und das Forschungszentrum für Sprachwissenschaft wollen nun das Verfahren neu gestalten und den Sprachexperten wieder eine wesentlich größere Rolle einräumen. Die Überprüfung im September hob den Beschluss des vorherigen Ausschusses zur Streichung der 145 Namen auf, sodass nun keiner von ihnen gestrichen wird.

Langfristiges Ziel ist es, wieder ein zügigeres Verfahren zu etablieren, bei dem Anträge wieder weitgehend auf der Grundlage sprachwissenschaftlicher Fachkriterien bearbeitet werden können, anstatt wiederholter politischer Genehmigungen zu bedürfen.

Dies erfordert Änderungen sowohl an den Verordnungen als auch an den Gesetzen. Die derzeit in Ungarn veröffentlichte amtliche Namensliste basiert nach wie vor auf dem Ministerialerlass von 2025, und das derzeitige Antragsverfahren leitet Eltern weiterhin über das Ministerium.

Für ungarische Eltern, die nach etwas weniger Konventionellem suchen, ist die Richtung jedoch klar: Die Liste wird bald länger, nicht kürzer.

Lesen Sie mehr von uns: Die politische Saison in Ungarn heizt sich auf: Magyar geht auf Wahlkampftour, während Orbán den „nationalen Widerstand“ ausruft

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *