Brüssel: Das rechtsextreme Anti-EU-Narrativ könnte in Ungarn zusammenbrechen

Nach der Wahl in Ungarn haben mehrere europäische Länder unerwartet scharfe Einschätzungen abgegeben, wonach das von der extremen Rechten über viele Jahre aufgebaute Anti-EU-Narrativ am Ende ist.

Ribera: Die Ungarn haben eine klare Botschaft gesendet

In einem Interview mit Euronews bezeichnete Ribera das Wahlergebnis als eine “sehr klare” Forderung nach einem Wandel. Er argumentierte, dass die Entscheidung des ungarischen Volkes über einen einfachen Regierungswechsel hinausgehe und auch das Anti-EU-Narrativ in Ungarn beeinflussen könnte.

Laut Ribera “haben die ungarischen Wähler die Botschaft gesendet, dass sie eine europäischere Zukunft wollen und bereit sind, für ihre Rechte einzutreten”.

Die Brüssel-bashing Politik ist gegen eine Wand gefahren

Ribera meinte, die wichtigste Lehre aus der Wahl sei, dass eine unerbittliche antieuropäische Kampagne nicht unbegrenzt funktionieren kann. Das hat der Vizepräsident klar und deutlich gesagt:

“Dieses Narrativ gegen Europa, gegen die Zusammenarbeit, kann mittelfristig nicht gewinnen.”

Das bedeutet, dass die Anti-EU-Darstellung zwar kurzfristig Wähler mobilisieren kann, aber längerfristig keine dauerhafte politische Mehrheit sichert. Viele sehen daher in dem ungarischen Ergebnis eine Demonstration der Grenzen des Anti-EU-Narrativs.

Auch amerikanische Unterstützung brachte keinen Durchbruch

Während des Wahlkampfes erhielt Orbán offene Unterstützung von der amerikanischen Rechten. US-Vizepräsident JD Vance warb für ihn und lobte seine Rolle in der internationalen konservativen Bewegung. Laut Ribera hat dies jedoch keinen Einfluss auf das Ergebnis gehabt.

Die Vizepräsidentin meinte, die Wahl zeige die “Grenzen und den Schaden” eines amerikanischen Hardliner-Politikansatzes. Sie argumentierte, dass der Einfluss von außen die Entscheidung der ungarischen Wähler nicht außer Kraft setzen könne – was eine weitere Niederlage für das Anti-EU-Narrativ darstelle.

Die europäische Botschaft von Orbáns Sturz

Aufgrund von Riberas Äußerungen betrachtet Brüssel Ungarn nun als einen Wendepunkt in seinem langjährigen Anti-EU-Narrativ. Die Frage ist nicht mehr, ob das alte Spielbuch noch funktioniert, sondern was als nächstes kommen könnte.

Die von The Guardian befragten Analysten sind sich auch einig, dass die symbolische Bedeutung von Orbáns Niederlage unbestreitbar ist – er war Europas dienstältester rechtsextremer Führer und so etwas wie ein Kompass für die populistischen Bewegungen des Kontinents.

Dennoch warnen die Forscher davor, von einem automatischen Dominoeffekt auszugehen.

Sarah de Lange, Expertin an der Universität Leiden, betont, dass nicht das illiberale ideologische Modell gescheitert ist, sondern eine bestimmte Regierung, die durch Korruption und wirtschaftliches Versagen belastet war.

Mit anderen Worten: Wenn die Rechtsextremen immer noch einen akzeptablen Lebensstandard und eine einigermaßen saubere Regierung versprechen – oder zumindest den Anschein erwecken – können, stellt dieses Ergebnis allein noch keine Bedrohung für sie dar.

Polen antwortet

Donald Tusk gehört bereits zu den enthusiastischsten Interpreten des Sturzes von Orbán. Er hat das ungarische Ergebnis so gestaltet, dass es in seine eigene politische Erzählung passt. Doch wie eine frühere Analyse des ECFR warnte, zeigt der polnische Fall selbst, dass eine “demokratische Wende” allein keine Garantie ist: Die übereilte Freigabe von EU-Mitteln in Warschau hat den Handlungsspielraum der neuen Regierung eher eingeengt als gestärkt.

Wenn Brüssel die Lehren aus den ungarischen Erfahrungen zieht, wird es dieses Mal vorsichtiger vorgehen – und das könnte sich auch in Polen bemerkbar machen, wo die Erfüllung der rechtsstaatlichen Bedingungen ein fortlaufender Prozess ist.

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