Das „Mutterschiff“ der Wirtschaft aus der Orbán-Ära, 4iG, steht unter genauer Beobachtung, während Ministerpräsident Péter Magyar von Korruption und überhöhten Preisen spricht

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Die Regierung hat eine umfassende Überprüfung der Verträge von 4iG mit dem Staat angeordnet, erklärte Ministerpräsident Péter Magyar am Montag in einem Facebook-Beitrag. 4iG ist in Ungarn insofern ungewöhnlich, als es Telekommunikation, IT, digitale Infrastruktur, Raumfahrt und Verteidigung unter einem einzigen Unternehmensdach vereint. Das Unternehmen hat international expandiert, während seine Aktivitäten in den Bereichen Raumfahrt und Verteidigung zu einer wichtigen strategischen Säule geworden sind, was es zu einem der am stärksten diversifizierten Technologiekonzerne des Landes macht.
„Strenge Prüfung“ der Milliarden der Steuerzahler
Herr Magyar erklärte, vier Ministerien würden an der Untersuchung von 4iG beteiligt sein, das er als „Mutterschiff“ der „NER“-Unternehmen bezeichnete – ein ungarisches Akronym für Unternehmen, die unter der ehemaligen Fidesz-KDNP-Regierung von umfangreichen staatlichen Aufträgen profitierten. Er erklärte, 4iG habe in den 2010er Jahren staatliche IT-Aufträge „in Milliardenhöhe“ erhalten, bevor das Unternehmen ab 2022 „einen deutlich höheren Gang einlegte“, und verwies dabei auf die Emission von Anleihen im Wert von 389 Milliarden HUF im Rahmen eines Programms der Ungarischen Nationalbank (NBH) sowie eine Kapitalerhöhung von mehr als 400 Milliarden HUF bei Antenna Hungária an, woraufhin 4iG eine Mehrheitsbeteiligung an dem Telekommunikationsbetreiber erwarb.

Im Jahr 2023, fügte Herr Magyar hinzu, erwarben Antenna Hungária und der ungarische Staat Vodafone Magyarország im Rahmen einer Transaktion im Wert von 660 Milliarden HUF, wobei die staatliche Ungarische Entwicklungsbank (MFB) die Finanzierung für den Anteil von 4iG bereitstellte. Er wies zudem auf den Erwerb der staatlichen Mehrheitsbeteiligung am Automobilkonzern Rába durch 4iG sowie die anschließende Übertragung einer Beteiligung an dem Unternehmen an ein ausländisches Unternehmen hin.
Herr Magyar fügte hinzu, dass 4iG als Generalunternehmer für ein „überteuertes“ Programm zur Versorgung älterer Menschen mit medizinischen Notrufarmbändern fungiert habe. „Wir sprechen hier von mehreren tausend Milliarden Forint an Steuergeldern. Das ungarische Volk hat ein Recht darauf zu erfahren, was mit seinem Geld geschehen ist“, sagte er und fügte hinzu, dass die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht würden.

Sollte die Überprüfung den Verdacht auf Korruption aufkommen lassen, würden laut Herrn Magyar Meldungen bei den zuständigen Behörden eingereicht. Er warnte vor jeglichen Versuchen, Vermögenswerte aus dem Konzern abzuziehen.
Die Geschichte von 4iG: vom Telekommunikationsunternehmen zum staatlich unterstützten Konglomerat
Der Aufstieg von 4iG ist nicht nur die Geschichte eines schnell wachsenden IT-Unternehmens: Innerhalb weniger Jahre hat das Unternehmen durch eine gezielte Übernahmestrategie, umfangreiche Finanzmittel und enge Verbindungen zum Staat einen Mischkonzern aufgebaut, der die Bereiche Telekommunikation, Verteidigung und Raumfahrt umfasst.
Die zentrale Figur in diesem Prozess war Gellért Jászai, der als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer – sowie als maßgeblicher Anteilseigner – die Expansion der Gruppe vorangetrieben hat. Nach 2020 konsolidierte 4iG zügig den ungarischen Telekommunikationsmarkt, indem es DIGI, Invitech und eine Mehrheitsbeteiligung an Antenna Hungária übernahm, was schließlich 2023 in der Übernahme von Vodafone Ungarn in Zusammenarbeit mit dem Staat gipfelte. Die Vodafone-Transaktion im Wert von 660 Milliarden HUF wurde durch umfangreiche öffentliche Finanzmittel untermauert: Die 4iG-Gruppe sicherte sich 425 Millionen Euro von der staatlichen MFB und weitere 750 Millionen Euro über die Eximbank, die bei der Transaktionsstruktur zudem als Vermittler fungierte.

Das staatliche Engagement beschränkte sich nicht auf den Telekommunikationssektor. Im Jahr 2025 vereinbarten 4iG und die ungarische Regierung die Gründung einer gemeinsamen Holding für die Verteidigungsindustrie, an der 4iG eine Mehrheitsbeteiligung von 75 Prozent erwerben konnte. Im selben Jahr unterstützte eine staatlich finanzierte Fazilität in Höhe von 50 Milliarden HUF den Vorstoß des Konzerns in den Bereich der Militärtechnologie. Bis 2025 lieferte das Modell beachtliche Ergebnisse: 4iG meldete einen Umsatz von 733,9 Milliarden HUF, ein EBITDA von 275 Milliarden HUF und einen bereinigten Gewinn nach Steuern von 36 Milliarden HUF.
Verteidigung und Raumfahrt: die neue Grenze
Nachdem 4iG seine Position auf dem heimischen Markt gefestigt hatte, richteten sich die Ambitionen des Unternehmens entschieden auf das internationale Geschäft aus. In den Vereinigten Staaten schloss der Verteidigungs- und Raumfahrtzweig des Konzerns, 4iG Space and Defence Technologies (4iG SDT), bis Anfang 2026 eine Investition in Höhe von 100 Millionen US-Dollar in Axiom Space ab und wurde damit zum strategischen Anteilseigner des in Houston ansässigen Entwicklers kommerzieller Raumstationen und orbitaler Infrastruktur. Die Investition soll 4iG einen Einstieg in die Entwicklung von Datenzentren im Orbit, kommerziellen Raumstationen und anderen Anlagen der Raumfahrtindustrie ermöglichen.

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In Israel hat 4iG gemeinsam mit dem staatlichen Rüstungsriesen Israel Aerospace Industries (IAI) an der Umstrukturierung des Satellitenbetreibers SpaceCom gearbeitet. Im Rahmen eines gemeinsamen Vorschlags würde IAI eine kontrollierende Beteiligung von 80 Prozent übernehmen, während 4iG 20 Prozent behalten und einen Teil eines nachrangigen Gesellschafterdarlehens in Höhe von 12 Millionen US-Dollar bereitstellen würde. Durch diese Partnerschaften strebt 4iG an, Verteidigungs- und Weltraumtechnologien international zu vermarkten und dabei seine ungarische Basis sowie seine Verbindungen zum Staat zu nutzen.
Ein regionaler Akteur mit globalen Ambitionen
In etwas mehr als einem halben Jahrzehnt hat sich 4iG von einem inländischen IT- und Telekommunikationsanbieter zu einem regionalen und zunehmend globalen Technologie-, Verteidigungs- und Raumfahrtkonzern gewandelt. Die Konsolidierungsphase in Ungarn ist weitgehend abgeschlossen; das nächste Kapitel ist geprägt von grenzüberschreitenden Investitionen, strategischen Beteiligungen an US-amerikanischen und israelischen Raumfahrtunternehmen sowie dem ausdrücklichen Ziel, ein bedeutender internationaler Akteur in den Bereichen Hightech-Verteidigung und orbitale Infrastruktur zu werden.
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