Die heißesten Stadtteile Budapests sind fast 7 °C wärmer, während der Bürgermeister davor warnt, dass Klimaanlagen nicht die Lösung sind

Sprache ändern:
Die immer heißer werdenden Sommer in Budapest offenbaren ein auffälliges Temperaturgefälle in der Stadt: In grünen Stadtteilen ist es fast 7 °C kühler als in einigen der am dichtesten bebauten Viertel. Bürgermeister Gergely Karácsony ist der Ansicht, dass die Lösung in mehr Grünflächen, Schatten und passiver Kühlung liegen sollte, anstatt einfach nur mehr Klimaanlagen zu installieren.ú
Karácsony begann seinen Facebook-Beitrag vom Sonntag mit einem Scherz aus einer Präsentation im Rathaus: Eine Folie, die angeblich die heißesten Oberflächen des Universums zeigen sollte, enthielt die Sonne, einen Quasar, ein dampfendes Bügeleisen – und den Baross-Platz in Budapest im Sommer. Der Vergleich mag ironisch gemeint sein, die zugrunde liegenden Daten sind es jedoch nicht.
Satellitengestützte Wärmesensoren untersuchten Budapest zwischen 2013 und 2025 an 32 Sommertagen und vier Wintertagen und maßen die Oberflächentemperaturen mit einer Auflösung von 30 Metern gegen 9:30 Uhr morgens. Anstelle der Lufttemperatur zeigen die Messungen, wie heiß Oberflächen wie Asphalt, Dächer, Parks und andere städtische Bereiche werden.
Laut Karácsony war an 24 der 32 untersuchten Sommertage – das entspricht 75 % der Beobachtungen – ein positiver städtischer Wärmeinseleffekt feststellbar. Budapest war zwischen 0,5 °C und 2,6 °C wärmer als seine Umgebung.
Zwischen den kühlsten und den heißesten Stadtteilen Budapests liegen fast 7 °C
Die Unterschiede innerhalb der Hauptstadt sind erheblich größer. Die niedrigsten durchschnittlichen Oberflächentemperaturen wurden in den grüneren Bezirken 2 und 12 gemessen, während die höchsten in den dicht bebauten Bezirken 6 und 7 zu verzeichnen waren. Der Unterschied zwischen den beiden Extremen erreichte zur gleichen Tageszeit 6,8 °C.
Auch natürliche und stark bebaute Gebiete haben auffallend unterschiedliche Auswirkungen. Den vom Bürgermeister angeführten Zahlen zufolge kühlt die Donau ihre unmittelbare Umgebung um etwa 6,6 °C ab, während es im Bereich des Budapester Flughafens etwa 5 °C wärmer ist.
Die Ergebnisse bestätigen ein bekanntes städtisches Muster: Bäume, Vegetation und Wasser tragen dazu bei, Wärme aufzunehmen und abzuleiten, während Beton, Asphalt und große bebaute Flächen diese speichern.
Falls Sie es verpasst haben: Ministerpräsident Magyar gibt neue Informationen zu Paks, während die groß angelegten Maßnahmen an der Donau voranschreiten
Karácsony warnt vor einem „Teufelskreis“ bei der Klimatisierung
Klimaanlagen mögen in Innenräumen zwar für sofortige Abkühlung sorgen, doch Karácsony argumentierte, dass eine flächendeckende mechanische Kühlung das städtische Problem insgesamt verschlimmern könne. Er verwies auf eine US-amerikanische Modellstudie, wonach die von Klimaanlagen abgegebene Abwärme die durchschnittlichen Nachttemperaturen an einigen Standorten um mehr als 1 °C erhöhte.
Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Heißere Nächte erhöhen den Kühlbedarf, während die Klimaanlagen selbst wiederum mehr Wärme nach außen abgeben.
In Ungarn verfügten im Jahr 2022 laut von Karácsony zitierten Volkszählungsdaten 27 % der Haushalte über eine Klimaanlage, wobei er anmerkte, dass der tatsächliche Anteil mittlerweile wahrscheinlich deutlich höher liege.
Die Unterschiede zwischen den ungarischen Städten waren bereits damals beträchtlich. In Szeged verfügten 46 % der Haushalte über eine Klimaanlage, verglichen mit 31 % in Győr und 19 % in Miskolc.
Innerhalb von Budapest wies der 13. Bezirk die höchste Quote auf, was zum Teil auf den neueren Wohnungsbestand zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu weisen die besonders heißen 6. und 7. Bezirke ältere Gebäude und weniger Haushalte mit Klimaanlage auf.
Die Hitzewelle ließ den Strombedarf um 23 % steigen
Der zunehmende Einsatz von Kühlsystemen belastet zudem das ungarische Stromnetz. Karácsony erklärte, der tägliche Strombedarf während der Hitzewelle Ende Juni sei um 23 % höher gewesen als in den Tagen unmittelbar zuvor.
Das Problem verschärft sich insbesondere nachts. Stadtgebäude und befestigte Flächen geben die tagsüber gespeicherte Wärme ab, wodurch die Temperaturen auch nach Sonnenuntergang hoch bleiben. Gleichzeitig stellen Solaranlagen die Stromerzeugung ein, während der Bedarf an Klimaanlagen weiterhin hoch ist.
Karácsony erklärte, Budapests Reaktion auf extreme Hitze solle sich auf Bäume, Grünflächen, Beschattung und passive Kühlung konzentrieren, anstatt einfach nur mehr Klimaanlagen zu installieren.
Er forderte zudem Gebäudesanierungen, bei denen Wärmedämmung mit Maßnahmen wie hellen oder begrünten Dächern kombiniert wird, was dazu beitragen kann, eine Überhitzung der Wohnungen während längerer Hitzewellen zu verhindern.
Der Bürgermeister ist der Ansicht, dass EU-Fördermittel diese umfassenderen Sanierungsprogramme, darunter auch das Budapester „Green Panel“-Programm, unterstützen könnten, und argumentierte, dass die Anpassung an den Klimawandel zu einem zentralen Bestandteil der künftigen Wohnungspolitik werden sollte.
Lesen Sie auch: Der Budapester Halbmarathon bricht mit Läufern aus 117 Ländern den Teilnehmerrekord

