Könnten die Ungarn im nächsten Jahr einen wesentlich mächtigeren Präsidenten direkt wählen? Das sagt nun einer der einflussreichen Männer der Tisza-Partei

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Die Möglichkeit einer Direktwahl des Präsidenten taucht von Zeit zu Zeit wieder auf. Vorerst wurde András Baka von der parlamentarischen Mehrheit der Tisza-Partei gewählt, doch Péter Magyar, der Ministerpräsident, hat wiederholt angedeutet, dass er eine Direktwahl unterstützen würde. Baka ist unterdessen lediglich ein Interimspräsident, der für die Übergangszeit ernannt wurde. Eine der führenden Persönlichkeiten der Tisza-Bewegung, der Schwager von Péter Magyar, hat sich zu den Befugnissen geäußert, über die ein direkt gewählter Präsident verfügen sollte, sowie zu den verfassungsrechtlichen Änderungen, die eine solche Entscheidung mit sich bringen würde.
Ein direkt gewählter Präsident wäre mächtiger als der Ministerpräsident
Márton Melléthei-Barna sorgte zuvor für Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass Péter Magyar beabsichtigte, ihn zum Justizminister zu ernennen. Melléthei-Barna zog seine Kandidatur jedoch schließlich aufgrund ihrer familiären Verbindung zurück, und stattdessen wurde Márta Görög zu Magyars Ministerin ernannt. Melléthei war zuvor als Leiter der Rechtsabteilung von Tisza tätig gewesen und hatte den Wahlkampf durchgehend unterstützt. Während dieser Zeit lernte er die Schwester von Péter Magyar kennen, die er später heiratete.
Melléthei-Barna gab kürzlich „Magyar Hang“ ein Interview, über das „Telex“ berichtete. Darin erklärte er, dass der ungarische Präsident in Zukunft direkt gewählt werden könnte, obwohl dies eine Reihe von Fragen aufwerfen würde. Seiner Ansicht nach könnte dies frühestens Ende 2027 geschehen, da die neue Verfassung im Herbst nach einem gründlichen öffentlichen Konsultationsprozess verabschiedet werden könnte – was Tisza zuvor versprochen hatte. Zudem könne die Wahl frühestens 90 Tage nach der Verabschiedung der neuen Verfassung stattfinden.

Gleichzeitig argumentierte er, dass ein direkt gewählter Präsident über ein stärkeres Mandat verfügen würde als der Ministerpräsident, was bedeute, dass die derzeitigen, begrenzten Befugnisse des Präsidentenamtes nicht ausreichen würden. Die Befugnisse des Staatsoberhauptes müssten daher neu überdacht werden.
Er betonte jedoch, dass weder das Verfahren zur Wahl des Präsidenten noch der Zeitplan für die Verabschiedung der neuen Verfassung bereits feststanden.
Würde der neue, direkt gewählte Präsident über größere Befugnisse verfügen?
Eine der zentralen Fragen im Zusammenhang mit direkten Präsidentschaftswahlen ist genau, welche Befugnisse das Staatsoberhaupt erhalten würde. Laut Melléthei-Barna wäre die Durchführung einer Direktwahl nicht unbedingt gerechtfertigt, sollten die Befugnisse des Präsidenten unverändert bleiben.

Er argumentiert, dass ein direkt gewählter Staatschef über eine größere demokratische Legitimität verfügen würde als der Ministerpräsident, während er weiterhin nur die derzeitigen, begrenzten Befugnisse des Präsidenten innehätte. Seiner Ansicht nach würde dies zu einer ungewöhnlichen verfassungsrechtlichen Situation führen, weshalb auch die Befugnisse des Präsidenten neu überdacht werden müssten.
Melléthei-Barna präzisierte nicht genau, welche zusätzlichen Befugnisse er für notwendig erachte oder in welche Richtung sich die Rolle des Staatsoberhauptes ändern sollte. Der Abgeordnete erklärte vorerst, er könne Argumente für eine direkte Präsidentschaftswahl vorbringen, doch hänge vieles davon ab, welche Rolle dem Präsidenten im Rahmen des neuen Systems zugewiesen werde.
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Der Ministerpräsident deutete zudem während einer Reddit-AMA-Diskussion (Ask Me Anything) Mitte Juli an, dass er direkte Präsidentschaftswahlen befürworte, erklärte jedoch nicht, was dies in der Praxis bedeuten würde.

Ein Dauerwahlkampf?
Zuvor veröffentlichte Analysen deuteten darauf hin, dass Tisza sich auf eine Phase permanenter Wahlkampfführung in den kommenden Jahren vorbereite. Dies könnte die Verabschiedung einer neuen Verfassung, die Wahl des Präsidenten sowie vorgezogene Kommunalwahlen umfassen.
Péter Magyar hat wiederholt bestritten, dass er eine vorgezogene Kommunalwahl plane, hat jedoch kompromittierte Bürgermeister zum Rücktritt aufgefordert.
Die parlamentarische Mehrheit von Tisza wählte am 11. August András Baka zum Präsidenten, nachdem das Präsidentenmandat von Tamás Sulyok durch eine Verfassungsänderung beendet worden war. Baka trat heute sein Amt an.

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