Rumänischer Präsident Dan kritisiert Orbán scharf, während Minister die Zusammenarbeit in Budapest loben

Am Donnerstag spielten sich zwei scheinbar unzusammenhängende diplomatische Entwicklungen nebeneinander ab. Auf der einen Seite übte der neue rumänische Präsident scharfe Kritik an Ungarn, auf der anderen Seite sprachen rumänische und ungarische Minister über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit auf Rekordniveau. Die beiden Szenen zeigen das Verhältnis der Regierung Orbán zu ihren Nachbarn: politisch angespannt, aber wirtschaftlich immer enger.

Dan sendet eine Botschaft an Budapest und unterstützt Zelensky

Der rumänische Präsident Nicușor Dan empfing den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in Bukarest. Bei der Beantwortung von Journalistenfragen bediente er sich ungewöhnlich scharfer Worte, um den jüngsten Schritt der ungarischen Regierung zu beschreiben. Budapest habe ein EU-Darlehen blockiert, das zuvor von allen 27 Mitgliedstaaten zur Unterstützung der Ukraine bewilligt worden sei, sagte er.

Dan erklärte, es sei inakzeptabel, dass eine gemeinsame Entscheidung in einer so wichtigen Angelegenheit – nämlich der Finanzierung der zivilen und militärischen Bedürfnisse der Ukraine – nur zwei oder drei Wochen später von einem einzigen Mitgliedstaat in Frage gestellt werde. Er wies darauf hin, dass in einer Woche ein weiteres EU-Gipfeltreffen stattfinden wird, auf dem die Europäische Kommission voraussichtlich mehrere rechtliche Optionen vorschlagen wird, um die festgefahrene Situation zu überwinden. Rumänien ist bereit, jede dieser Optionen zu unterstützen, sagte Dan.

Im Hintergrund steht eine Resolution, die das ungarische Parlament am Dienstag verabschiedet hat. Mit der Zweidrittelmehrheit der Orbán-Regierung stimmten die Abgeordneten gegen die Unterstützung der EU-Mitgliedschaft der Ukraine und gegen die Lieferung von Waffen und Geld und forderten die Regierung auf, alles zu tun, um zu verhindern, dass Ungarn oder die EU in den russisch-ukrainischen Krieg “hineingezogen” werden.

Garantien für Minderheitenstandards

Nach Angaben von Agerpres unterzeichnete Zelensky ein Dekret zur Einführung eines nationalen Tages für die rumänische Sprache in der Ukraine, der am 31. August begangen werden soll. Bei den Gesprächen ging es auch um die Rechte der Minderheitensprachen, ein Thema, das die ungarische Regierung seit langem anspricht. Dan sagte, er habe Garantien erhalten, dass die rumänischsprachigen Schulen ohne Unterbrechung arbeiten können und dass die Rechte der rumänischen Gemeinschaft im Einklang mit den internationalen Standards zum Schutz der Minderheiten gewährleistet werden.

Dies ist übrigens bemerkenswert, weil Budapest nicht in der Lage war, Garantien für die Minderheitenrechte in der Ukraine zu erhalten, obwohl die Beziehungen zur Ukraine ganz anders sind als die von Bukarest. Auch die EU hat Kiew wiederholt aufgefordert, sich an die europäischen Standards für Minderheitenrechte anzupassen, zum Beispiel in Bezug auf die ungarischen Minderheiten.

Derweil im ungarischen Außenministerium: Gas, Schengen, Rekordexporte

Während Dan in Bukarest Budapest kritisierte, führte Barna Tánczos, der rumänische Umweltminister ungarischer Abstammung, Gespräche mit Péter Szijjártó im ungarischen Außenministerium in Budapest. Der vollständige Inhalt des Treffens wurde nicht veröffentlicht; die ungarischen Staatsmedien berichteten nur über die Äußerungen Szijjártós, ohne die Position der rumänischen Seite darzustellen.

Romanian President Dan criticizes Orbán harshly, while ministers praise cooperation in Budapest
Quelle: MTI

Zum Thema Energie sagte Szijjártó unter Berufung auf russische Quellen, die Ukraine habe die TurkStream-Pipeline angegriffen und damit die Energieversorgung Ungarns gefährdet.

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Dennoch zeichnete er ein optimistisches Bild der bilateralen Zusammenarbeit: Er sagte, dass Ungarn im vergangenen Jahr rund 1,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Rumänien bezogen hat und dass fortgeschrittene Gespräche über den Bezug von Gas aus Schwarzmeerfeldern, die bald in Produktion gehen sollen, geführt werden.

Auch die Schengen-Erweiterung war ein Thema in seiner Einschätzung. Nach dem Beitritt Rumäniens habe sich die Zahl der Grenzübergänge fast verdoppelt, so Szijjártó, was den Alltag der Grenzgemeinden erleichtere. Szijjártó wies auch darauf hin, dass die ungarischen Exporte nach Rumänien im vergangenen Jahr einen Rekord erreicht und erstmals die Marke von 8 Milliarden Euro überschritten haben. Das Treffen befasste sich auch mit den Fortschritten bei der Bekämpfung der Verschmutzung von Flüssen, die die Grenze überschreiten.

Ein Tag, zwei Gesichter

Die Entwicklungen vom Donnerstag spiegeln im Kleinen einen Widerspruch wider, mit dem Ungarns Nachbarschaftspolitik immer wieder zu kämpfen hat. Bukarest ist ein starker Fürsprecher Kiews innerhalb der EU und zögert nicht, Budapest öffentlich zu kritisieren – was durch Dans Kommentare deutlich wurde. Gleichzeitig vertiefen sich die rumänisch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen in Bereichen wie Energie, Handel und Infrastruktur. Die Politik konfrontiert, die Wirtschaft verbindet.

Diese Dualität wird wahrscheinlich auf dem nächsten EU-Gipfel wieder zum Vorschein kommen, wo Ungarn einmal mehr entscheiden muss, wie lange es gleichzeitig einen klaren geopolitischen Kurs und eine pragmatische Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn aufrechterhalten kann.

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