Russland fordert den ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar auf, beim Atomprojekt Paks II nicht länger zu „zögern“

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Ein hochrangiger russischer Senator hat den ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar aufgefordert, nicht länger in der Frage des umstrittenen Kernkraftwerksprojekts Paks II zu schwanken, und warnte, dass Energiesicherheit und bezahlbarer Strom nicht zum Gegenstand „politischer Spielchen“ werden dürften.

Elena Perminova, erste stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten des russischen Föderationsrates, sprach diese Warnung am Freitag aus, während die Spannungen zwischen der ungarischen Regierung und dem russischen staatlichen Atomkonzern Rosatom hinsichtlich der Zukunft von Paks II weiter zunehmen.

„Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar sollte aufhören zu zögern und sich für eine konstruktive, verantwortungsvolle Vorgehensweise einsetzen“, erklärte Perminova gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Sie argumentierte, dass „Sicherheit, Energiesouveränität und bezahlbarer Strom für die ungarischen Bürger kein Spielfeld für politische Machenschaften sind“.

Russland verteidigt die Rolle von Rosatom bei Paks II

Perminova lobte zudem die russische Atomindustrie und schloss sich damit der Aussage von Präsident Wladimir Putin an, Russland sei der „absolute und unangefochtene Weltmarktführer“ auf dem Markt für den Bau von Kernkraftwerken. Sie erklärte, Russland verfüge über Fachwissen, das die gesamte Kernenergiekette abdecke – vom Uranabbau und der Urananreicherung über die Brennstoffherstellung, die Reaktorkonstruktion und den Reaktorbau bis hin zur Personalschulung und der Abfallentsorgung.

Nach Angaben der Senatorin hat sich die Zuverlässigkeit der russischen Nukleartechnologie bereits bewährt, während Rosatom weiterhin weltweit Kernkraftwerke baut. Perminova stellte die Position Russlands zudem der von ihr so bezeichneten Energiekrise des Westens und dessen Abhängigkeit von externen Energiequellen gegenüber.

Russia's Rosatom
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Sie behauptete, Ungarn profitiere dank der pragmatischen Politik des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán bereits von günstiger und zuverlässiger Energie, und warf Magyar vor, dass dessen Äußerungen eine „direkte Bedrohung“ für die ungarische Wirtschaft darstellten.

Laut Perminova würde eine fortgesetzte Zusammenarbeit mit Rosatom bei Paks II den „lebenswichtigen Interessen“ Ungarns dienen und zur Energiesicherheit in ganz Europa beitragen.

Budapest und Rosatom streiten sich um das Projekt

Die jüngste Kritik aus Russland folgt auf zunehmend heftige Meinungsverschiedenheiten zwischen der ungarischen Regierung und Rosatom hinsichtlich des Fortschritts und der Kosten von Paks II. Am 13. August erklärte Rosatom-Chef Alexey Likhachev gegenüber russischen Journalisten, dass sich der Bau der beiden neuen Reaktoren beschleunigt habe und das Unternehmen den mit dem ungarischen Auftraggeber vereinbarten Zeitplan einhalte.

Die Arbeiten am Fundament des fünften Reaktorgebäudes sind Berichten zufolge zu rund 80 Prozent abgeschlossen, wobei bereits mehr als 18.000 Kubikmeter Beton gegossen wurden. Rosatom teilt mit, dass auch die Vorbereitungen für den ersten Betoniervorgang für den sechsten Reaktorblock voranschreiten, während die Ausrüstung für beide Reaktoren derzeit hergestellt wird.

Am folgenden Tag schlug Magyar jedoch einen ganz anderen Ton an. Bei einer Pressekonferenz zu den Wassermanagementmaßnahmen rund um das bestehende Kernkraftwerk Paks stellte der ungarische Ministerpräsident in Frage, ob Rosatom seine vertraglichen Verpflichtungen tatsächlich erfüllt habe.

„Hätten sie den Vertrag eingehalten, wäre Paks II bereits 2024 in Betrieb gegangen“, sagte Magyar und behauptete zugleich, das Projekt könne nun doppelt so viel kosten wie ursprünglich geplant.

Er argumentierte zudem in einer viel beachteten Äußerung, dass nach Ausgaben in Höhe von rund 1.000 Milliarden HUF (ca. 2,75 Milliarden Euro) „nur zwei große Löcher“ auf dem Gelände zu sehen seien. Magyar betonte, dass nicht alle Verzögerungen Rosatom angelastet werden könnten, erklärte jedoch, das russische Unternehmen trage dennoch eine gewisse Verantwortung.

Könnte Rosatom aus dem Projekt Paks II verdrängt werden?

Der Streit hat die Möglichkeit aufgeworfen, dass Ungarn wesentliche Änderungen am Paks-II-Projekt anstreben könnte – möglicherweise sogar eine Einschränkung oder Beendigung der Rolle von Rosatom. Gleichzeitig könnte sich eine vollständige Aufgabe des bestehenden Projekts und ein Neuanfang von Grund auf als äußerst kostspielig erweisen, insbesondere angesichts der bereits geleisteten Arbeiten und der vorhandenen Ausrüstung.

Rosatom teilt mit, dass die Fundamentarbeiten für den fünften Reaktor voranschreiten, während die Aushubarbeiten für den sechsten Block ebenfalls im Gange sind. Wichtige Ausrüstungsgegenstände wurden bereits hergestellt oder befinden sich in der Fertigung, darunter Reaktorkomponenten und ein 730 Tonnen schwerer Kernfänger, der im Jahr 2024 an die Baustelle geliefert werden soll.

An dem Projekt sind zudem Unternehmen aus mehreren Ländern außerhalb Ungarns und Russlands beteiligt. Der französische Maschinenbaukonzern Alstom liefert die Turbinen, während auch amerikanische, tschechische, französische, niederländische, deutsche, österreichische, schweizerische, slowakische und türkische Unternehmen beteiligt sind.

Nach Angaben von Rosatom arbeiten derzeit rund 500 Personen an dem Projekt.

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