SPAR will nur zu “vernünftigen” Bedingungen in Ungarn bleiben, warnt der Vorstandsvorsitzende

Die österreichische SPAR-Gruppe hat erneut die Möglichkeit ins Spiel gebracht, ihre Präsenz in Ungarn zu reduzieren, und erklärt, dass sie nur in dem Land bleiben kann, wenn die Bedingungen “vernünftig” werden. In einem Interview sagte der Vorstandsvorsitzende Hans K. Reisch, dass die ungarische Tochtergesellschaft “sehr negativ” abschneidet und verwies auf die Auswirkungen der ungarischen sektorspezifischen Einzelhandelssteuer und einer von der Regierung auferlegten Obergrenze für Supermarktmargen.
Was SPAR für die Verluste in Ungarn verantwortlich macht
Reisch sagte, dass die spezielle Einzelhandelssteuer SPAR im vergangenen Jahr rund 85 Millionen Euro gekostet hat, während die Margenbeschränkung (eine Obergrenze für die Handelsspannen bei bestimmten Lebensmitteln) zusätzliche Kosten in Höhe von rund 37 Millionen Euro verursacht hat. Nach seinen Worten würde SPAR gerne in Ungarn bleiben, aber nur “unter vernünftigen Bedingungen”.
Für ausländische Leser: Ungarn erhebt seit mehreren Jahren eine progressive Einzelhandelssteuer auf große Lebensmitteleinzelhändler, wobei die höchste Stufe bis zu 4,5 % des Nettoumsatzes des Sektors beträgt; darüber hinaus hat die Regierung Preis- und Margenkontrollen eingesetzt, um die Inflation bei Lebensmitteln einzudämmen.
Kapitalzufuhr und Ladenschließungen erhöhen den Druck
Die ungarische Medienseite HVG berichtet, dass der österreichische Eigentümer von SPAR vor kurzem eine Kapitalspritze in Höhe von 30 Milliarden Forint zur Verfügung gestellt hat, um seine ungarische Einheit zu unterstützen – etwa 77,4 Millionen Euro zum EZB-Referenzkurs von 387,54 Forint pro 1 Euro (12. März 2026). Damit sollte verhindert werden, dass das Eigenkapital der Tochtergesellschaft in den negativen Bereich abrutscht, hieß es.
SPAR hat auch auf die Auswirkungen auf der Ebene der Märkte hingewiesen. Kürzlich schloss SPAR ein Geschäft in Oroszlány. Das Unternehmen brachte diese Entscheidung mit der Einzelhandelssteuer und der Deckelung der Gewinnspanne in Verbindung und argumentierte, dass kleinere Geschäfte in der Nachbarschaft mit begrenzten Parkmöglichkeiten und höheren fixen Betriebskosten besonders stark von diesen Maßnahmen betroffen sind.
Lang anhaltender Streit mit der Orbán-Regierung
Das Verhältnis von SPAR zur ungarischen Regierung ist seit Jahren angespannt. Das Unternehmen hat sich bei den EU-Institutionen über Maßnahmen beschwert, die es als diskriminierend ansieht, und es hat auch rechtliche Schritte wegen früherer Preiskontrollen unternommen, die es nach eigenen Angaben gewonnen hat.
Die Europäische Kommission hat bereits bestätigt, dass sie Beschwerden über die ungarische Einzelhandelssteuerregelung prüft und ob sie ausländische Ketten unverhältnismäßig stark belastet. Unabhängig davon stand SPAR im Mittelpunkt einer breiteren politischen und medialen Auseinandersetzung in Ungarn über Behauptungen und Gegenbehauptungen zum Druck auf ausländische Einzelhändler und Eigentumsstrukturen.
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Was kommt als nächstes
Für den Moment kündigt SPAR keinen sofortigen Ausstieg an. Die Botschaft des Vorstandsvorsitzenden ist bedingt: Die Gruppe will bleiben, sagt aber, dass die Rentabilität in Ungarn ohne ein berechenbareres und weniger strafendes politisches Umfeld nicht wiederhergestellt werden kann.
Die entscheidende Frage ist, ob die ungarische Regierung die Regeln für die großen Lebensmitteleinzelhändler anpassen wird – oder ob sie die derzeitige Mischung aus Branchensteuern und Preis-/Margeninterventionen beibehalten wird. Wie auch immer, die Warnung von SPAR bringt neuen Druck in eine Debatte, die nicht nur für die Zukunft einer Kette von Bedeutung ist, sondern auch für den Wettbewerb, die Investitionen und die Supermarktpreise in einem Markt, in dem ausländische Einzelhändler immer noch eine wichtige Rolle spielen.
Wie wir bereits geschrieben haben, tauchen asiatische Gastarbeiter unter den Kellnern auf: Ungarns Gastgewerbe kämpft um Arbeitsplätze.

