Ungarn und der Euro: große Chance oder teurer Fehler?

Die Einführung des Euro in Ungarn ist nach dem Regierungswechsel wieder in den Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Debatten gerückt. Obwohl das Zieldatum 2030 ist, glauben Experten, dass die Ausgangslage heute schlechter ist als vor 25 Jahren.
Eine Verpflichtung, keine Wahl
Mit dem Beitritt zur Europäischen Union hat sich Ungarn dazu verpflichtet, den Euro einzuführen, was bedeutet, dass seine Einführung nicht optional ist.
Péter Ákos Bod, Wirtschaftsexperte, argumentiert, dass außerdem “nie ernsthafte Argumente für die Beibehaltung des Forint vorgebracht wurden.”
Das häufig angeführte Argument, eine eigene Währung verschaffe Handlungsspielraum in Krisenzeiten, hat sich in Ungarn nicht bewahrheitet. In Krisenzeiten hat die deutliche Schwächung des Forint die Probleme eher verschlimmert als gelindert, da zur Stabilisierung der Lage Zinserhöhungen erforderlich waren.
Die Kosten der Staatsverschuldung sind das zentrale Thema
Eine der spürbarsten Auswirkungen wäre, dass die Einführung des Euro die Finanzierungskosten der Regierung senken würde. Gegenwärtig verschlingt der Schuldendienst 4-5% des Haushalts, da Ungarn nur zu hohen Zinssätzen Kredite aufnehmen kann.
Péter Ákos Bod hat es in einem Interview mit Telex so ausgedrückt:
“Wenn jemand bessere Straßen oder Schulen möchte, dann möchte er, ob er es weiß oder nicht, dass sich der ungarische Staat billiger finanziert.”
Eine sich verschlechternde makroökonomische Lage
Die derzeitige Wirtschaftslage stellt ein ernsthaftes Hindernis dar. Das Haushaltsdefizit liegt derzeit bei über 5 Prozent, während eine der Grundvoraussetzungen für den Beitritt zur Eurozone ein Defizit von unter 3 Prozent ist.
Das bedeutet, dass die Einführung des Euro in Ungarn von einer ungünstigeren Ausgangsposition ausgeht als in den frühen 2000er Jahren, als das Land noch die Maastricht-Kriterien erfüllte. Seitdem ist das Defizit mehrfach in die Höhe geschnellt, vor allem in Krisenzeiten und bei Ausgaben vor den Wahlen.
Nach Ansicht des Ökonomen muss auch die Funktionsweise des Staates reformiert werden: “Wir brauchen einen schlanken, fitten Staat, nicht einen aufgeblähten, der sich in alles einmischt.” Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich der Staat weniger einmischt, aber es bedeutet eine effizientere Arbeitsweise.
Der Markt wird vor dem Beitritt reagieren
Nach Ansicht von Péter Csányi wird sich die Einführung des Euro in Ungarn noch vor dem formellen Beitritt bemerkbar machen. Wenn die Regierung einen glaubwürdigen Zeitplan aufstellt und gleichzeitig das Defizit abbaut, könnten die Zinssätze schnell sinken.
“Die Zinssätze werden nicht am Tag des Beitritts zur Eurozone sinken”.
– sagte er dem Magazin Forbes und merkte an, dass die Finanzmärkte auch auf Erwartungen reagieren. Dadurch könnten auch die Kredite für Haushalte und Unternehmen billiger werden, was wiederum die Investitionen ankurbeln könnte.
Über die Pläne der neuen Führung, die Mittel der Europäischen Union zurückzufordern, haben wir hier berichtet.
Ein Projekt, das zwei Regierungen umspannt
Die Einführung des Euro in Ungarn ist keine kurzfristige politische Entscheidung, sondern ein Prozess, der sich über mehrere Wahlzyklen erstreckt. Péter Csányi ist der Ansicht, dass dafür eine stabile Wirtschaftspolitik und ein breiter politischer Konsens erforderlich sind, denn das Erreichen des Ziels erfordert vier bis fünf Jahre konsequenter Anstrengungen.
Experten sind sich einig, dass der Euro zwar nicht alle Probleme lösen wird, aber die finanzielle Stabilität und das Vertrauen der Investoren stärken könnte.
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