Wie die Tisza-Regierung eingefrorene EU-Gelder freisetzen könnte

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Nach einem Regierungswechsel könnte eine der dringendsten Prioritäten die Sicherung der Ungarn zugewiesenen, aber derzeit eingefrorenen EU-Mittel sein. Die Herausforderung wird noch größer durch die Tatsache, dass die Mittel aus der Fazilität für Konjunkturbelebung und Widerstandsfähigkeit nur bis Ende 2026 abgerufen werden können, was bedeutet, dass das neue Kabinett sofort handeln müsste.

Gespräche könnten bald beginnen

Péter Magyar hat nach der Wahl zweimal mit Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, gesprochen. Der Zweck des Kontakts könnte darin bestanden haben, so schnell wie möglich technische Verhandlungen über die Freigabe der Mittel aufzunehmen.

Von der Zeitung zitierte Quellen deuten darauf hin, dass bald eine hochrangige Brüsseler Delegation in Budapest eintreffen könnte, um die dringendsten Aufgaben zu besprechen. Dies wird als notwendig erachtet, da bei mehreren Programmen keine Zeit mehr für langwierige politische Auseinandersetzungen bleibt: Ein Teil der EU-Mittel kann nur noch in diesem Jahr gerettet werden.

10 Milliarden € stehen im EU-Fonds auf dem Spiel

Das wichtigste Paket ist die Fazilität für Konjunkturbelebung und Widerstandsfähigkeit (RRF), aus der Ungarn Anspruch auf mehr als 10 Milliarden Euro hätte. Davon wären 6,5 Milliarden Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse, während der Rest als günstige Darlehen zur Verfügung stehen würde.

Der Zugang zu den Geldern hängt jedoch davon ab, dass Ungarn die Reformen durchführt, zu denen es sich zuvor verpflichtet hat. Schätzungen zufolge könnten bis zu zwei Drittel dieses Finanzrahmens – etwa 6,5 Milliarden Euro – noch in Anspruch genommen werden. Deshalb ist die schnelle Freigabe der EU-Mittel zu einem zentralen Thema geworden.

Ein detaillierter Plan könnte schon seit 18 Monaten in Vorbereitung sein

Dem Bericht zufolge besteht das Expertenteam, das an der Seite von Tisza arbeitet, aus Finanzexperten, Juristen und Diplomaten mit Erfahrung in EU-Finanzierungsfragen. Ihre Aufgabe war es, genau zu ermitteln, welche Bedingungen noch nicht erfüllt sind und welche Schnelllösungen eingeführt werden könnten.

Zu den strittigen Bereichen gehören Berichten zufolge Transparenz im öffentlichen Auftragswesen, stärkere Antikorruptionsmaßnahmen, Unabhängigkeit der Justiz und die Offenlegung der Staatsausgaben. Wenn in diesen Bereichen glaubwürdige Fortschritte erzielt werden, könnten die eingefrorenen EU-Mittel wieder fließen.

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Mitglieder der Tisza-Partei nach Gesprächen mit der EU-Delegation über die Freigabe von Geldern. Foto: Facebook/Péter Magyar

Bestehende Projekte könnten neu klassifiziert werden

Die Orbán-Regierung hat früher RRF-Ausschreibungen im Wert von rund 2.000 Milliarden Forint durchgeführt, die letztlich aus inländischen Mitteln oder durch Kreditaufnahme finanziert wurden. Einige dieser Projekte wurden später in andere Finanzierungsprogramme überführt.

Eine neue Regierung könnte diesen Prozess umkehren: Einige laufende Entwicklungen könnten wieder dem Konjunkturfonds angelastet werden. Dies wäre eine schnellere Lösung, da keine neuen Projekte auf den Weg gebracht werden müssten – stattdessen könnten bestehende Investitionen durch EU-Mittel finanziert werden.

Nicht nur Brüssel beschließt

Wenn es Ungarn gelingt, Zugang zu den Mitteln der RRF zu erhalten, könnte in den kommenden Jahren auch ein Teil der Kohäsionsmittel freigegeben werden. Dem Artikel zufolge könnte das Schicksal mehrerer zusätzlicher Milliarden Euro davon abhängen, wie schnell die neue Regierung eine Einigung mit der Europäischen Kommission erzielen kann.

Die kommenden Monate könnten sich daher als entscheidend erweisen. Es ist nicht nur ein politischer Wendepunkt, der möglicherweise bevorsteht, sondern auch die Frage, ob Ungarn einen erheblichen Teil seiner eingefrorenen EU-Mittel rechtzeitig zurückerhalten kann.

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