Wird sich die Fidesz bald spalten? Eine Umfrage besagt, dass die Abspalter gute Chancen hätten

Viktor Orbáns Fidesz-Partei schien noch vor wenigen Monaten ein monolithischer Block zu sein, unantastbar an der Spitze der Macht. Nun scheint es jedoch, als könnte sie sich sogar in zwei Teile spalten: in eine Orbán-Partei und eine gemäßigte, Mitte-Rechts-Gruppierung. Eine aktuelle Medián-Umfrage könnte diesem Szenario nun weiteren Auftrieb geben.

Eine neue bürgerorientierte Partei hätte gute Chancen

Das Medián-Forschungsinstitut ist das einzige ungarische Meinungsforschungsinstitut, das die Ergebnisse jeder Parlaments- und Europawahl korrekt vorhergesagt hat; zudem hat es das Ausmaß des Sieges von Tisza im April mit bemerkenswerter Präzision ermittelt und der Bewegung von Péter Magyar genau die Anzahl an Sitzen zugewiesen, die sie letztendlich errungen hat.

Auf der Grundlage der jüngsten Medián-Umfrage würden ehemalige Fidesz-Politiker, die eine gemäßigte, bürgerorientierte Linie vertreten, den Einzug ins Parlament schaffen, sollten sie eine neue Partei gründen. Natürlich ist dies angesichts der früheren Millionenstimmen und Zweidrittelmehrheiten der Partei nur ein schwacher Trost: Unter den derzeitigen Bedingungen in der ungarischen Nationalversammlung in der Opposition zu sitzen, dient bestenfalls dazu, Politiker und ihre Assistenten zu bezahlen, während die Chancen auf einen wirklichen Erfolg gegen Regierungsparteien, die mit einer Zweidrittelmehrheit ausgestattet sind, gering sind.

péter magyar parliament tisza party government european commission
Mit 5 bis 10 Abgeordneten gegen 141 ist es nicht einfach, doch die Präsenz im Parlament hat ihre Vorteile. Foto: Facebook/Tisza Párt

Jedenfalls geht Medián davon aus, dass eine neue bürgerorientierte Kraft mindestens 5 Prozent der Gesamtbevölkerung ansprechen könnte. Hätte es eine solche Partei im April gegeben, wäre sie laut der von hvg.hu zusammengefassten Umfrage die drittgrößte Fraktion im Parlament gewesen, noch vor Mi Hazánk.

Viele Fidesz-Wähler fühlen sich Orbán nur lose verbunden

Im Zusammenhang mit der neuen Gruppierung wurden auch Namen genannt. Unter den Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die als Teil des gemäßigten Flügels von Fidesz gelten – und laut Medienberichten sowie eigenen Äußerungen der Parteiführung kritisch gegenüberstehen –, nannte atv.hu den ehemaligen EU-Kommissar und Minister Tibor Navracsics, den Bürgermeister von Székesfehérvár, András Cser-Palkovics, sowie die ehemalige Abgeordnete und Regierungsbeauftragte Orsolya Ferenc.

Orbán Viktor
Wird sich Orbáns Fidesz spalten? Foto: Facebook/Orbán Viktor

Interessanterweise bleibt laut Median nur ein Drittel der derzeitigen Fidesz-Anhänger Viktor Orbán fest treu, während 18 Prozent kein Problem damit hätten, zur neuen Partei zu wechseln, und 15 Prozent dies zumindest in Betracht ziehen würden. Die neue Partei könnte daher potenziell auf etwa ein Drittel des bestehenden Fidesz-Lagers zählen – das bei einer Zustimmung von rund 19 bis 20 Prozent liegt –, doch dies würde tatsächlich ausreichen, um die Parlamentsschwelle zu überwinden, zumindest nach den derzeitigen Regeln.

Der ehemalige Orbán-Berater Árpád Habony scheint Ungarn verlassen zu haben, wie seine neue Adresse zeigt

Ein felsenfester Vorsprung für Tisza

Tisza hat unterdessen ein neues Wahlgesetz versprochen, was auch den gesellschaftlichen Erwartungen an die Partei entspricht. In diesem Rahmen ist bereits von einer Reihe von Neuerungen die Rede, darunter auch Begrenzungen für die Amtszeit von Abgeordneten. Das eher kompromisslose Lager würde jedem nur zwei Legislaturperioden im Parlament gestatten, während das eher nachsichtige Lager drei Legislaturperioden bzw. zwölf Jahre zulassen würde. All dies bedeutet auch, dass die Fraktion von „Mi Hazánk“ vollständig ausgetauscht werden könnte, während innerhalb der Fidesz-Fraktion bereits Personalwechsel stattfinden, damit diejenigen, die noch eine Zukunft in der parlamentarischen Arbeit sehen, die Regierung im Plenum herausfordern können.

Tisza erfreut sich unter den ungarischen Wählern weiterhin einer beispiellosen Unterstützung: 57 Prozent der Gesamtbevölkerung würden die Partei bei einer Wahl am kommenden Sonntag unterstützen.

péter magyar prime minister
Péter Magyars Vorsprung ist felsenfest. Foto: Facebook/Péter Magyar

Entsetzen über die überhöhten Kosten des Kernkraftwerks Paks II: Haben mit Orbán verbundene sowie der Partei „Tisza“ nahestehende Geschäftsleute und Politiker das Geld in die eigene Tasche gesteckt?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *