Zehntausende füllen den Budapester Heldenplatz für das siebenstündige Anti-Orbán-Konzert “System Breaker”

Der Budapester Heldenplatz war bis spät in die Freitagnacht gefüllt, als das siebenstündige “Rendszerbontó Nagykoncert” (Großes Systembrecher-Konzert) zu Ende ging. Damit wurde ein kultureller Protest zu einem der eindrucksvollsten Momente des ungarischen Wahlwochenendes.
Die kostenlose Veranstaltung, die von Róbert Puzsérs ziviler Widerstandsbewegung organisiert wurde, dauerte von 16 bis 23 Uhr. Mehr als 50 Musiker und Künstler traten ohne Gage auf, um zwei Tage vor den ungarischen Parlamentswahlen offen systemkritische Lieder vorzutragen.
Am Ende des Abends reichte die Menge weit über den Platz hinaus und erstreckte sich über die Andrássy Avenue in Richtung Kodály Körönd und entlang der Dózsa György Road, wo riesige LED-Türme und Lautsprechersäulen installiert worden waren, damit auch Menschen, die weit von der Hauptbühne entfernt waren, die Show verfolgen konnten.
Berichten vor Ort zufolge zog die Veranstaltung Zehntausende von Zuschauern an, während der Livestream in der Spitze rund 100.000 gleichzeitige Online-Zuschauer anzog, was ein außergewöhnliches öffentliches Interesse zeigt.
Azahriah, Krúbi, Beton.Hofi und Carson Coma unter den Stars
Das Line-up las sich wie ein Who’s Who der einflussreichsten zeitgenössischen Musikszene Ungarns.
Zu den großen Namen gehörten Azahriah, Krúbi, Carson Coma, Dzsúdló, Beton.Hofi, Tamás Molnár, Elefánt, Quimby, Dé:Nash, Sisi und Marci Mehringer, die jeweils einen systemkritischen Track aufführten.
Die Menge brach immer wieder in Sprechchöre aus, darunter “Mocskos Fidesz!” (Dreckiger Fidesz!) und später das noch lautere “Ruszkik, haza!” (Russen, geht nach Hause!), insbesondere nachdem von der Bühne aus Anspielungen auf Russland und die außenpolitischen Botschaften der Regierung zu hören waren.
Zu den meistdiskutierten Momenten des Abends gehörten:
- Dzsúdlós emotionale Botschaft des Durchhaltens
- Beton.Hofi’s “Be vagyok zárva”
- Tamás Molnárs neue regierungskritische Hymne
- Krúbi und Sisi begeistern die Menge am späten Abend
- Petőfis Akasszátok föl a királyokat! (Hängt die Könige!), live rezitiert von Schauspieler Benett Vilmányi
Die Stimmung blieb überwältigend euphorisch, obwohl praktische Probleme wie überfüllte Transportwege, lange Toilettenschlangen und überlastete Mobilfunknetze das schiere Ausmaß der Beteiligung zeigten.
Bence Szabó und Szilveszter Pálinkás waren ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend:
Starke Polizeipräsenz und Straßensperrungen rund um die Fidesz-Zentrale und die russische Botschaft
Die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Veranstaltung waren den ganzen Abend über deutlich erhöht.
Polizeieinheiten waren an fast jeder Straßenecke in der Umgebung stationiert, während das Gebäude der russischen Botschaft laut Népszava durch Absperrungen geschützt war. Auch das Ende der Lendvay-Straße in der Nähe des Fidesz-Hauptquartiers wurde abgeriegelt, obwohl Berichten zufolge die Atmosphäre dort ruhig blieb.
Die Organisatoren hatten die Teilnehmer wiederholt aufgefordert, keine Parteifahnen oder Wahlkampftransparente mitzubringen. Sie betonten, dass die Veranstaltung als friedliche, parteiunabhängige Kulturdemonstration und nicht als Wahlkampfkundgebung gedacht war.
Diese Botschaft schien sich weitgehend zu bewahrheiten, obwohl bereits früher am Tag befürchtet wurde, dass Provokateure versuchen könnten, das Konzert in den letzten 48 Stunden vor Beginn der Wahlen auszunutzen.
Regierungsvertreter reagieren, während die staatlichen Medien zunächst schweigen
Orbáns politischer Direktor, Balázs Orbán, reagierte Berichten zufolge online mit dem Satz: “Wer sind diese Leute? Unser Land ist nicht so. Lassen Sie uns Ungarn schützen.” Minister Gergely Gulyás schlug einen ähnlichen Ton an und sagte, man dürfe nicht zulassen, dass Ungarn “so wird”.
444.hu stellte unterdessen fest, dass Ungarns öffentliche Medien das Konzert trotz seiner Größe und offensichtlichen politischen Bedeutung zunächst völlig zu ignorieren schienen, bevor sie später nur auf eine kontroverse Bemerkung des Künstlers Eckü auf der Bühne hinwiesen.
Warum dieses Konzert für die Wahl am Sonntag wichtig sein könnte
Da die Parlamentswahlen nur noch 1,5 Tage entfernt sind, könnte sich die Wahlbeteiligung vom Freitagabend auch über die Symbolik hinaus als politisch bedeutsam erweisen.
Die schiere Größe der Menschenmenge – insbesondere unter den jüngeren Wählern in den Städten – zeigt, wie stark die Mobilisierung außerhalb der traditionellen Parteistrukturen ist. Die Organisatoren betonten zwar, dass die Veranstaltung keiner Partei zuzuordnen sei, aber der offen systemfeindliche Ton und der Zeitpunkt machen sie unweigerlich zu einem Teil der endgültigen Wahlkampferzählung.
Selbst Reuters übertrug das gesamte Konzert live:

