Russisches “Matroschka”-Desinformationsnetzwerk hat sich in den ungarischen Wahlkampf eingeschaltet

Ermittler haben eine neue Welle von Desinformationen aufgedeckt, die mit einem russischen Bot-Netzwerk in Verbindung stehen, das die Spannungen zwischen Ungarn und der Ukraine ausnutzt. Die Kampagne verbreitet gefälschte Geschichten und manipulierte Videos, die die Logos bekannter westlicher Medienunternehmen tragen.
Fake-News-Kampagne zielt auf ungarisches Publikum
Eine investigative Zusammenarbeit zwischen der russischen Oppositionszeitung The Insider und dem Bot Blocker Projekt hat eine koordinierte Desinformationskampagne in den sozialen Medien aufgedeckt, berichtete der investigative Journalist Szabolcs Panyi auf seiner Facebook-Seite. Den Forschern zufolge stützt sich die Kampagne auf gefälschte Videos, die wie Berichte seriöser westlicher Organisationen aussehen sollen.
Diese Materialien zirkulieren weithin auf Online-Plattformen und fördern mehrere miteinander verbundene Narrative, von denen viele Ungarn oder ungarische Interessen betreffen.
Das Ziel, so die Ermittler, ist es, Verwirrung zu stiften und die öffentliche Wahrnehmung zu manipulieren, indem der Informationsraum mit irreführenden oder völlig erfundenen Behauptungen überschwemmt wird.
Erfundene Vorfälle und Aussagen
Unter den Geschichten, die online kursieren, sind mehrere Vorfälle, die nie stattgefunden haben.
Eine weit verbreitete Behauptung besagt, dass ein ukrainischer Flüchtling namens Denys Nikolaychuk in Frankreich festgenommen wurde, nachdem er versucht hatte, eine selbstgebaute Granate auf das Gelände der ungarischen Botschaft in Paris zu werfen. Der falschen Darstellung zufolge wurde der Verdächtige nach zehn Stunden wieder freigelassen, weil die Polizei nicht beweisen konnte, dass er den Sprengsatz mitgebracht hatte. Die Ermittler sagen, der gesamte Vorfall sei frei erfunden.
In einem anderen erfundenen Bericht wird behauptet, eine Menschenrechtsorganisation habe mehr als tausend Angriffe ukrainischer Flüchtlinge auf ungarische Bürger in mehreren europäischen Ländern dokumentiert. In einem Video mit den Logos von Euronews und Human Rights Watch wird die Geschichte als seriöser Bericht dargestellt, obwohl es keine solche Untersuchung gibt.
Andere manipulierte Videos suggerieren fälschlicherweise, dass der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky die Ungarn beleidigt habe oder dass seine angeblichen Drohungen gegen Ungarn seinem Ruf bei den europäischen Staats- und Regierungschefs schadeten. In einigen Clips werden sogar erfundene Zitate von angeblichen Analysten oder Journalisten wiedergegeben.
Wie das “Matrjoschka”-Netzwerk arbeitet
Laut Bot Blocker gehören die Konten, die das Material verbreiten, zu einem koordinierten Netzwerk namens Matrjoschka, benannt nach den traditionellen russischen Nistpuppen.
Die Operation funktioniert über mehrere Ebenen von Bots, Trollen und anonymen Profilen, die dieselben Geschichten über mehrere Plattformen verbreiten. Durch das Kopieren der visuellen Identität von vertrauenswürdigen Nachrichtenorganisationen versucht die Kampagne, gefälschte Inhalte glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Forscher sagen, dass das Netzwerk auch Tools der künstlichen Intelligenz und Deepfake-Techniken einsetzt, um gefälschte Interviews und Videos zu produzieren, in denen Personen des öffentlichen Lebens Dinge zu sagen scheinen, die sie in Wirklichkeit nie gesagt haben.
Falls Sie es verpasst haben:
Ähnliche Kampagnen bei anderen Wahlen beobachtet
Dasselbe Netzwerk wurde bereits mit Desinformationskampagnen bei den Wahlen in Moldawien und den deutschen Regionalwahlen in Verbindung gebracht.
Analysten stellen fest, dass Matryoshka Ähnlichkeiten mit anderen russischen Beeinflussungsaktionen aufweist, wie z.B. der als “Doppelgänger” bekannten Kampagne. Einige Experten glauben, dass diese Aktivitäten mit den Strukturen des russischen Militärgeheimdienstes verbunden sein könnten.

