Große Gesundheitsreform in Ungarn geplant: Die Reformen der Tisza-Partei könnten die Patientenversorgung umgestalten

Das ungarische Gesundheitssystem könnte unter dem Programm der Tisza-Partei eine der bedeutendsten Umgestaltungen seit Jahrzehnten erfahren. Es wird erwartet, dass die Änderungen Millionen von Patienten und medizinischen Fachkräften gleichermaßen betreffen werden.
Die Reformagenda sieht eine umfassende Umstrukturierung vor: mehr finanzielle Mittel, ein eigenes Gesundheitsministerium, kürzere Wartelisten, eine verstärkte Primärversorgung und die Schaffung von regionalen “Superkrankenhäusern”. Experten sind sich zwar weitgehend einig, dass die Richtung stimmt, aber sie warnen auch, dass der Erfolg stark von der Umsetzung abhängen wird, so der Bericht von Pénzcentrum.
Mehr Mittel, neues Ministerium und strukturelle Überarbeitung
Das Herzstück des Plans ist eine erhebliche Aufstockung der Mittel. Die Regierung will die Ausgaben für das Gesundheitswesen bis 2030 auf 7 % des BIP anheben und dafür mindestens 500 Milliarden Forint an zusätzlichen jährlichen Mitteln bereitstellen.
Eine wichtige institutionelle Änderung wäre die Wiedereinführung eines unabhängigen Gesundheitsministeriums unter der Leitung von Zsolt Hegedűs, das mit mehr Befugnissen ausgestattet wäre, einschließlich eines Vetorechts bei bestimmten Entscheidungen. Dies könnte einem Sektor, der seit langem für seine zersplitterte Verwaltung kritisiert wird, mehr fachliche Kompetenz und Autonomie verleihen.
Die Reform würde auch das System neu ausbalancieren, weg von der krankenhauszentrierten Versorgung hin zu primären und ambulanten Diensten. Integrierte Primärversorgungszentren, erweiterte Telemedizin und mehr Kapazitäten für ambulante Operationen sind Teil des Plans.
Kürzere Wartelisten und intelligentere Patientenpfade
Die Verkürzung der Wartezeiten ist ein weiteres zentrales Ziel. Das Programm sieht bis Ende 2027 eine maximale Wartezeit von sechs Monaten für die stationäre Versorgung und von zwei Monaten für ambulante Leistungen vor.
Erreicht werden soll dies durch Kapazitätserweiterungen, überarbeitete Finanzierungsgrenzen und so genannte “intelligente Patientenpfade”, die die Patienten effizienter durch das System leiten sollen.
Gleichzeitig plant die Regierung, die Koexistenz von privaten und öffentlichen Gesundheitsdiensten zu überprüfen, da es Bedenken hinsichtlich der Transparenz und des Vertrauens in staatlich finanzierte Einrichtungen gibt.

Prävention und Lebenserwartung im Fokus
Die Reformen legen einen starken Schwerpunkt auf Prävention und öffentliche Gesundheit. Die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen soll auf den EU-Durchschnitt angehoben werden, während die Krebsinzidenz innerhalb von vier Jahren um mindestens 10% sinken soll.
Zu den längerfristigen Zielen gehört die Erhöhung der Lebenserwartung bei der Geburt auf 80 Jahre bis 2035. Zu den Maßnahmen, die dies unterstützen sollen, gehören schulische Gesundheitsprogramme, regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, digitale Gesundheitslösungen und Initiativen zur Förderung einer gesünderen Ernährung.
Experten betonen jedoch, dass die Präventionsbemühungen über die Gesundheitspolitik allein hinausgehen und mit Strategien in den Bereichen Bildung, Ernährungspolitik und Umwelt koordiniert werden müssen.
Chronischer Personalmangel bleibt die größte Herausforderung
Trotz ehrgeiziger Ziele sind sich fast alle Berufsverbände über einen kritischen Engpass einig: die Humanressourcen.
Interessenvertreter, darunter der Ungarische Krankenhausverband, die Ungarische Kammer für Gesundheitsberufe, die Ungarische Ärztekammer und die Ungarische Ärztegewerkschaft, haben den Personalmangel, die Überalterung der Belegschaft und die abnehmende Motivation als systemische Risiken hervorgehoben.
Experten argumentieren, dass Lohnerhöhungen allein nicht ausreichen werden. Bessere Arbeitsbedingungen, vorhersehbare Karrierewege und eine stärkere berufliche Anerkennung sind ebenfalls erforderlich, um Personal zu halten und neue Mitarbeiter zu gewinnen.
Es gibt auch strukturelle Ungleichgewichte: Während in einigen Berufen ein Mangel herrscht, haben andere, wie z.B. Physiotherapeuten und Diätassistenten, aufgrund der begrenzten Anzahl von Stellen Schwierigkeiten, eine Stelle im öffentlichen System zu finden.
Primäre Gesundheitsversorgung als größter Schwachpunkt
Die Gesundheitsökonomin Eszter Sinkó bezeichnete die Schwäche der Primärversorgung als eines der hartnäckigsten Probleme des Systems.
Sie argumentierte, dass viele Dienstleistungen, die lokal erbracht werden könnten, auf kommunaler Ebene immer noch nicht verfügbar sind. Die Stärkung der Hausarztpraxen mit größeren Teams (möglicherweise mit einer Verdreifachung des derzeitigen Personalbestands) wäre von entscheidender Bedeutung, um den Druck auf die Krankenhäuser zu verringern.
Zu den Reformen könnte auch eine engere Integration zwischen ambulanten Spezialdiensten und der Primärversorgung gehören, neben neuen Finanzierungsmodellen wie gebündelten Zahlungen.
Superkrankenhäuser vs. regionaler Zugang
Der Vorschlag, regionale “Superkrankenhäuser” zu schaffen, hat vorsichtige Unterstützung gefunden, sofern dies nicht auf Kosten kleinerer lokaler Einrichtungen geht.
Führende Persönlichkeiten des Gesundheitswesens betonen, dass hochrangige Zentren zwar für die komplexe Versorgung wichtig sind, die alltäglichen Leistungen aber im ganzen Land zugänglich bleiben müssen. Das Gleichgewicht zwischen Effizienz und gleichberechtigtem Zugang wird eine zentrale Herausforderung sein.
Transparenz, Patientenrechte und Notfallversorgung
Das Programm verspricht auch mehr Transparenz durch die Veröffentlichung von institutionellen Qualitätsindikatoren und Daten zur Patientenzufriedenheit. Der Schutz der Patientenrechte soll gestärkt werden, um den seit langem bestehenden Bedenken Rechnung zu tragen, dass Patienten oft Schwierigkeiten haben, sich im System zurechtzufinden.
Im Bereich der Notfallversorgung sollen Krankenwagen bis 2027 landesweit Patienten innerhalb von 15 Minuten erreichen, unterstützt durch die Aufrüstung der Flotte und die Digitalisierung.
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Breite Unterstützung, aber Details werden entscheidend sein
Während die Berufsverbände die Richtung der Reformen im Großen und Ganzen unterstützen, betonen sie immer wieder, dass das aktuelle Programm eher Ziele als detaillierte politische Lösungen skizziert.
Sie fordern nachhaltige Konsultationen, eine stabile Finanzierung und eine vorhersehbare Regulierung, um eine effektive Umsetzung zu gewährleisten. Ohne diese Voraussetzungen könnten selbst erhebliche Mittelaufstockungen keine dauerhaften Verbesserungen bringen.
Wie ein führender Vertreter des Sektors es ausdrückte, ist der Reformplan derzeit “ein Gemälde mit starken Umrissen”, aber die genaueren Details werden darüber entscheiden, ob Ungarn ein effizienteres, gerechteres und widerstandsfähigeres Gesundheitssystem aufbauen kann.
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