Ungarns “Pate” aus Dubai zurückgebracht: Flüchtige Unterweltfigur beginnt Haftstrafe

Sprache ändern:
Eine der berüchtigtsten Persönlichkeiten der postkommunistischen kriminellen Unterwelt Ungarns ist nach seiner Festnahme in Dubai ins Land zurückgekehrt. László Radnai, der von den ungarischen Medien oft als “Pate” des Landes bezeichnet wird, wurde am 6. Juni an Ungarn ausgeliefert, nachdem er monatelang auf der Flucht vor einer Haftstrafe war.
Die ungarische Polizei gab am Samstag bekannt, dass der 70-jährige Flüchtige im Rahmen einer internationalen Strafverfolgungsoperation, an der ungarische und emiratische Behörden beteiligt waren, in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgespürt und festgenommen wurde.
Ungarns “Pate” nach Flucht aus dem Gefängnis in Dubai verhaftet
Nach Angaben der Polizei floh Radnai ins Ausland, nachdem er wegen Einflussnahme zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Die Verurteilung wurde 2025 rechtskräftig, aber er meldete sich nicht im Gefängnis, was die ungarischen Behörden veranlasste, sowohl europäische als auch internationale Haftbefehle auszustellen.
Ermittler des Polizeipräsidiums des Komitats Pest, des ungarischen Zentrums für internationale kriminelle Zusammenarbeit (NEBEK) und des National Bureau of Investigation (KR NNI) arbeiteten zusammen, um seine Bewegungen zu verfolgen. Aufgrund der von den ungarischen Ermittlern gesammelten Informationen konnten die Behörden Radnais Aufenthaltsort in den Vereinigten Arabischen Emiraten ermitteln.
Er wurde am 11. Mai mit Hilfe der lokalen Behörden und ungarischen Ermittlern in Dubai verhaftet. Im Anschluss an das Auslieferungsverfahren wurde er von Dubai nach Wien geflogen und dann am 6. Juni nach Budapest überführt, wo er seine Strafe verbüßt.

Eine prägende Figur der ungarischen Unterwelt der 1990er Jahre
Radnais Name ist seit langem mit einigen der berüchtigtsten Fälle von organisiertem Verbrechen in Ungarn verbunden.
Bekannt wurde er zunächst durch seine angebliche Beteiligung an den Ölskandalen, die Ungarn in den 1990er Jahren erschütterten. Später war er einer der Angeklagten in dem aufsehenerregenden Prozess gegen die Kecskemét-Mafia, der mit einer 12-jährigen Haftstrafe endete.
Sein Name tauchte auch im so genannten “Parfümfall” auf, einer kriminellen Untersuchung, bei der es um den Umgang mit gestohlenen Waren ging.
Im Laufe der Jahre wurde er in den ungarischen Medien häufig als eine der einflussreichsten Figuren in der kriminellen Unterwelt des Landes bezeichnet, obwohl Radnai selbst die Bezeichnung Gangster zurückwies und sich stattdessen als Geschäftsmann und Unternehmer darstellte.
Haben Sie das gesehen? Ausländische Männer zerren ungarischen Fahrer aus seinem Auto in Budapest
Hauptzeuge in ungelösten Gangster-Morden
Laut Telex ist Radnai in der ungarischen Kriminalgeschichte besonders wichtig geworden, weil er zu mehreren berüchtigten Bandenmorden aus den 1990er Jahren ausgesagt hat.
Seine Aussagen halfen den Ermittlern, Licht in eine Reihe von lange ungelösten Verbrechen zu bringen, darunter die Morde an den Geschäftsleuten József Prisztás, Ferenc Domák und Zoltán Seres sowie die aufsehenerregende Ermordung des Medienmoguls János Fenyő und der tödliche Bombenanschlag in der Aranykéz-Straße in Budapest.
Im Jahr 2012 wurde Radnai aus dem Gefängnis entlassen, bevor er seine Strafe vollenden konnte, nachdem er vom Präsidenten begnadigt wurde. Offiziell wurde die Entscheidung mit gesundheitlichen Gründen begründet. Damals wurde jedoch weithin angenommen, dass seine Zusammenarbeit mit den Behörden und seine Zeugenaussagen bei Ermittlungen gegen das organisierte Verbrechen eine wichtige Rolle bei seiner vorzeitigen Entlassung gespielt haben.
Falls Sie es verpasst haben: Budapester Korruptionsskandal geht weiter: Bestechungsgelder in Höhe von 6 Millionen Euro, Zahl der Verdächtigen steigt – UPDATE: Verhaftungen

