Besorgniserregend: Ungarn war 2025 das ärmste EU-Land

Sprache ändern:
Eurostat hat neue Zahlen zur Wirtschaftsleistung und zum Lebensstandard der Mitgliedstaaten der Europäischen Union veröffentlicht, und die aktuellen Daten zeichnen ein besorgniserregendes Bild für Ungarn.
Ungarn blickt auf ein düsteres vergangenes Jahr zurück
Nach vorläufigen Schätzungen für das Jahr 2025 teilt sich Ungarn mit Lettland den letzten Platz beim tatsächlichen individuellen Konsum (AIC), einem der Schlüsselindikatoren, die das statistische Amt der EU zur Bewertung des Lebensstandards der Bürger heranzieht.
Die neuesten Zahlen zeigen, dass der Konsum ungarischer Haushalte im Jahr 2025 lediglich 73 % des EU-Durchschnitts erreichte. Während dieser Wert gegenüber dem Vorjahr unverändert blieb, konnten mehrere Länder ihre Position verbessern. Lettland beispielsweise stieg von 72 % auf 73 % und liegt damit gemeinsam mit Ungarn am Ende der Rangliste. Estland lag mit 74 % des EU-Durchschnitts nur geringfügig davor, berichtet Portfolio.
Was ist der AIC und warum ist er von Bedeutung?
Der tatsächliche individuelle Konsum (AIC) misst mehr als nur die Waren und Dienstleistungen, die Menschen mit ihrem eigenen Einkommen erwerben. Er umfasst auch öffentliche Dienstleistungen, die die Bürger über Steuern erhalten, wie beispielsweise Gesundheitsversorgung und Bildung. Der Indikator wird anhand der Kaufkraftparität (KKP) berechnet, wodurch Unterschiede im Preisniveau zwischen den Ländern ausgeglichen werden und ein genauerer Vergleich des Lebensstandards in der gesamten EU ermöglicht wird.
Ein regionaler Vergleich verdeutlicht die zunehmend schwächere Position Ungarns. Polnische Haushalte erreichen mittlerweile ein Konsumniveau, das 88 % des EU-Durchschnitts entspricht, während Litauen bei 87 % und Slowenien bei 86 % liegt. In den letzten zehn Jahren haben mehrere mittel- und osteuropäische Länder Ungarn überholt, das offenbar hinter einigen der dynamischsten Volkswirtschaften der Region zurückfällt, schreibt HVG.
Was sind die Gründe dafür?
Ökonomen verweisen auf eine Reihe struktureller Faktoren, die für die schwache Entwicklung Ungarns verantwortlich sind. Ein relativ großer Anteil des BIP des Landes fließt in Investitionen, wodurch weniger Spielraum für den privaten Konsum bleibt. Gleichzeitig liegen die Einkommen und die Kaufkraft der privaten Haushalte weiterhin unter dem EU-Durchschnitt. Die Konsumausgaben wurden zudem durch ein vergleichsweise geringes Kreditvolumen und zurückhaltendere Ausgabengewohnheiten als in einigen anderen europäischen Ländern gebremst.
Eurostat veröffentlichte zudem aktualisierte Zahlen zum Pro-Kopf-BIP, einem der am häufigsten verwendeten Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. In dieser Rangliste schneidet Ungarn etwas besser ab, bleibt jedoch weiterhin im unteren Bereich der EU-Mitgliedstaaten. Im Jahr 2025 lag das Pro-Kopf-BIP Ungarns bei 76 % des EU-Durchschnitts, womit das Land Platz 23 von 27 Mitgliedstaaten einnahm.
Lesen Sie auch: Der ungarische Forint bricht Rekorde – doch wie lange kann der Aufschwung anhalten?
Die meisten unserer Nachbarn überholen uns
Rumänien und Kroatien haben Ungarn inzwischen überholt, während nur die Slowakei, Lettland, Griechenland und Bulgarien niedrigere Pro-Kopf-BIP-Werte verzeichneten. Dies stellt eine deutliche Veränderung gegenüber den Jahren nach dem Beitritt Ungarns zur Europäischen Union dar, als das Land innerhalb der Region noch besser positioniert war.
Luxemburg führte erneut die Konsumrangliste an, wobei der tatsächliche Pro-Kopf-Konsum 145 % des EU-Durchschnitts erreichte. Auch Deutschland, die Niederlande und Österreich gehörten weiterhin zu den wohlhabendsten Ländern der Union, was die anhaltende Kluft zwischen den reichsten westlichen Volkswirtschaften der EU und vielen ihrer östlichen Mitgliedstaaten unterstreicht.
Falls Sie es verpasst haben: Die Ungarn geben mehr denn je online aus – doch ausländische Händler haben die Nase vorn

