Die Ungarn halten weiterhin an Bargeld fest: Viele würden lieber Geld verlieren, als es auf die Bank zu bringen – hier ist der Grund dafür

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Trotz jahrelanger galoppierender Inflation und der rasanten Verbreitung digitaler Zahlungsmittel bewahren die Ungarn weiterhin überraschend große Mengen an Bargeld zu Hause auf. Laut einer neuen Studie von Experten der Ungarischen Nationalbank (MNB) liegt der Hauptgrund dafür nicht in den täglichen Einkäufen, sondern im Wunsch nach finanzieller Sicherheit in unsicheren Zeiten.
Die Studie „Die Rolle von Bargeld bei den Ersparnissen der privaten Haushalte“, die in der Juni-Ausgabe 2026 der „Hitelintézeti Szemle“ (Zeitschrift für Kreditinstitute) veröffentlicht wurde, kommt zu dem Schluss, dass viele Haushalte bewusst auf potenzielle Anlagerenditen verzichten, um im Gegenzug sofortigen Zugriff auf Notfallreserven zu haben.
Die Inflation trug kaum dazu bei, die Bargeldbestände zu verringern
Von 2022 bis 2025 erlebte Ungarn eine der höchsten Inflationsphasen der jüngeren Geschichte, wobei die jährliche Inflationsrate Anfang 2023 einen Höchststand von 25,7 % erreichte. Aus wirtschaftlicher Sicht hätte dies die Haushalte dazu veranlassen sollen, ihre Ersparnisse in verzinsliche Anlagen wie Staatsanleihen umzuschichten.
Stattdessen ging der Bargeldbestand der Bevölkerung nur geringfügig zurück. Als die Inflation nachließ, begannen sowohl die Bargeldbestände als auch die Bankeinlagen wieder zu steigen. Nach Ansicht der Forscher der MNB spiegelt dieses Verhalten eher eine andere Denkweise in Bezug auf das Sparen wider als finanzielle Irrationalität.
Notfallreserven haben Vorrang
Laut „Portfolio“ beschreibt die Studie die Ersparnisse der privaten Haushalte als Hierarchie. An der Basis stehen Notfallreserven, die zur Deckung unerwarteter Ausgaben dienen. Darüber liegen Ersparnisse, die für bestimmte Ziele wie den Kauf einer Immobilie, den Ruhestand oder Gesundheitskosten zurückgelegt werden. Langfristige Investitionen nehmen die oberste Ebene ein.
Bargeld spielt in der ersten Kategorie die größte Rolle. Für viele Haushalte hat der sofortige Zugriff Vorrang vor Zinserträgen. Die Forscher schätzen, dass diese Notfallreserve für Haushalte, die vom Medianlohn leben, oft bei etwa 1 Million HUF (ca. 2.500 EUR) liegt, wobei sich viele Menschen dafür entscheiden, sie in Form von Banknoten aufzubewahren.
Sicherheit hat Vorrang vor Anlagerenditen
Die Studie ergab, dass Bargeld psychologische Sicherheit vermittelt. Obwohl die Befragten verstanden, dass die Inflation die Kaufkraft des zu Hause aufbewahrten Geldes mindert, hielten viele dies für einen akzeptablen Preis für das Gefühl der Sicherheit.
Laut Umfragen der MNB:
- 66,7 % bewahren Bargeld zu Hause für alltägliche Ausgaben auf.
- 61,6 % nutzen es als Notfallreserve.
- Nur 35 % betrachten es in erster Linie als langfristige Ersparnis.
- In einer anderen Umfrage gaben 82 % an, dass sie Banknoten zu Hause aufbewahren, um auf unerwartete Situationen vorbereitet zu sein – unabhängig von Einkommen oder Bildungsstand.

Krieg und Unsicherheit haben die Nachfrage nach Bargeld angeheizt
Die Untersuchung verdeutlicht zudem, wie externe Krisen die Nachfrage nach Bargeld beeinflussen. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Frühjahr 2022 hoben die Ungarn innerhalb von nur drei Wochen fast 500 Milliarden HUF in bar ab, als die Unsicherheit stark zunahm. Obwohl sich ein Teil dieses Anstiegs später wieder umkehrte, zeigen die Forscher, dass diese Episode verdeutlichte, wie schnell Haushalte in Zeiten der Instabilität auf Bargeld zurückgreifen.
Auch das Misstrauen gegenüber Finanzinstituten spielt eine Rolle
Der Bericht nennt mehrere langfristige Gründe, warum die Ungarn weiterhin Banknoten bevorzugen:
- Sorgen hinsichtlich wirtschaftlicher Unsicherheit und möglicher Arbeitsplatzverluste;
- Misstrauen gegenüber Banken und Finanzinstituten;
- Sorgen um den Zugang zu Geld in Krisenzeiten;
- als hoch empfundene Bankgebühren;
- sowie in einigen Gebieten ein eingeschränkter Zugang zu Bankfilialen oder Postämtern.
Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass eine Form des Misstrauens gegenüber Finanzinstituten der Grund dafür sei, Bargeld zu Hause aufzubewahren.
Bargeld bleibt Teil einer umfassenderen Sparstrategie
Die Forscher betonen, dass Bargeld Investitionen nicht vollständig ersetzt. Wenn Menschen für längerfristige Ziele sparen, investieren sie ihr Geld eher in Staatsanleihen oder andere Anlageprodukte.
Notfallbargeld wird jedoch als separate Kategorie betrachtet, auf die viele Haushalte selbst in Zeiten hoher Inflation nur ungern zurückgreifen. Einige Haushalte halten zudem einen Teil ihrer Notfallreserven in Fremdwährungen, insbesondere in Euro oder US-Dollar, um sich gegen eine mögliche Abwertung des ungarischen Forint abzusichern.
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Vertrauensbildung könnte wichtiger sein als finanzielle Bildung
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die bloße Aufforderung an die Menschen, ihre Finanzkompetenz zu verbessern, die Menge an zu Hause aufbewahrten Banknoten nicht wesentlich verringern wird. Den Forschern der MNB zufolge wäre es wirksamer, das Vertrauen in Finanzinstitute zu stärken, die wirtschaftliche Vorhersehbarkeit zu verbessern und Finanzdienstleistungen transparenter und erschwinglicher zu gestalten, um Haushalte dazu zu bewegen, ihr überschüssiges Bargeld anzulegen, anstatt es zu Hause aufzubewahren.

