Ungarn stellt ein riesiges Wohnungsbauprogramm in Höhe von 3 Milliarden Euro vor, während die neue Regierung umstrittene Megaprojekte ins Visier nimmt

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Das „Wekerle-Sándor“-Programm könnte bezahlbare Mietwohnungen und Studentenunterkünfte schaffen, während die Regierung zudem Schritte unternimmt, um den Vertrag zur Autobahn M6 sowie mehrere umstrittene Investitionen zu überdenken

Ungarn könnte bis Ende des Jahres ein Mietwohnungsprogramm im Umfang von mehreren Milliarden Euro auflegen, wobei das „Wekerle-Sándor-Wohnungsbauprogramm“ ein Volumen von bis zu 3 Milliarden Euro erreichen könnte, das teilweise aus EU-Mitteln finanziert wird, erklärte Verkehrs- und Investitionsminister Dávid Vitézy bei der Regierungspressekonferenz am Freitag.

Die Regierung hat den detaillierten Rahmen des Programms noch nicht verabschiedet. Derzeit erstellt sie eine Liste der Aufgaben und der für die Umsetzung des Vorhabens erforderlichen Gesetzesänderungen.

Vitézy erklärte, der ungarische Immobilienmarkt habe sich deutlich verlangsamt, und argumentierte, die Regierung müsse den Neubau von Wohnraum ankurbeln. Das geplante Programm würde sich auf bezahlbaren Mietwohnraum und zusätzliche Studentenunterkünfte konzentrieren, wobei die Bauvorhaben vorrangig auf Brachflächen und ungenutzte Stadtgebiete mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ausgerichtet seien.

Transport and Investment Minister Dávid Vitézy speaking at 14 August's government briefing
Verkehrs- und Investitionsminister Dávid Vitézy bei der Regierungspressekonferenz am 14. August. Foto: MTI

Das ehemalige Gelände der Fudan-Universität könnte zu einem Wohnbauprojekt werden

Einer der in Betracht gezogenen Standorte ist das Gelände in Budapest, das ursprünglich für den geplanten Campus der Fudan-Universität vorgesehen war. Laut Vitézy will die Regierung Brachflächen und ungenutzte Stadtgebiete in Budapest und anderen großen ungarischen Städten vorrangig berücksichtigen. Die Auswahl von Standorten mit bestehenden Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr würde es ermöglichen, neuen Wohnraum zu schaffen, ohne eine völlig neue Verkehrsinfrastruktur aufbauen zu müssen.

Der Minister erklärte, die detaillierte Ausarbeitung des „Wekerle-Sándor-Programms“ könne bis Ende Dezember beginnen, wobei das Gesamtprogramm ein Volumen von bis zu 3 Milliarden Euro haben könnte.

Vitézy kritisierte zudem die Wohnungspolitik früherer Regierungen und argumentierte, der Schwerpunkt habe auf der Unterstützung beim Erwerb von Wohneigentum gelegen, anstatt einen umfangreichen Mietwohnungssektor aufzubauen. Dies habe zu Schwierigkeiten bei der sozialen Mobilität beigetragen, da die Menschen an den Ort gebunden sein könnten, an dem sie Immobilien besitzen.

Regierung schreibt umstrittenes M6-Autobahnprojekt neu aus

Die Regierung plant zudem, ein Großprojekt im Zusammenhang mit der Autobahn M6 neu auszuschreiben, nachdem Vitézy Fragen zum Preis und zur Rechtmäßigkeit einer früheren Entscheidung aufgeworfen hatte. Der Minister erklärte, ein Abschnitt der M6 zwischen Dunaújváros und Érd sei an MKIF vergeben worden, ein Autobahnkonzessionsunternehmen, das mit den Geschäftsleuten Lőrinc Mészáros und László Szíjj in Verbindung steht.

Laut Vitézy waren konkurrierende Bieter bereit, die Arbeiten für etwa 50 Milliarden HUF auszuführen, während MKIF für dieselben Arbeiten und Dienstleistungen 149 Milliarden HUF veranschlagte. Der Minister bezeichnete dies als eine dreifache Überteuerung und erklärte, die Regierung werde das Projekt nun erneut ausschreiben, wobei das günstigste Angebot ausgewählt werde.

Vitézy behauptete zudem, der ursprüngliche Auftrag sei rechtswidrig gewesen, da die Entscheidung seiner Ansicht nach vom damaligen Wirtschaftsminister Márton Nagy und nicht vom ehemaligen Minister für Bauwesen und Verkehr, János Lázár, hätte getroffen werden müssen.

Das Ministerium werde im Zusammenhang mit dem M6-Fall Strafanzeige erstatten, sagte Vitézy. Er plädierte zudem dafür, das gesamte Autobahnkonzessionssystem zu überprüfen. Der Minister kritisierte ferner die an das Konzessionsunternehmen gezahlten Mehrkosten, die seiner Aussage nach unter Berufung auf den Krieg in der Ukraine gefordert worden seien.

Vanda Szondi government spokesperson
Vanda Szondi, Regierungssprecherin. Foto: MTI

Strengere Umweltauflagen für Batteriefabriken

Die Regierung bereitet zudem Änderungen vor, die Batteriefabriken betreffen, die unter einem besonderen Investitionsstatus betrieben werden. Laut Vitézy wird die Regierung prüfen, welchen Batteriewerken ein Vorrangstatus gewährt wurde, und die entsprechenden Verordnungen anpassen.

Verstößt ein Werk gegen Umwelt- oder Naturschutzvorschriften, könnte sein Sonderstatus für mindestens sechs Monate ausgesetzt werden. Wird der Verstoß nicht behoben, könnte die Aussetzung länger andauern. Vitézy betonte, das Ziel sei nicht, den Betrieb von Batteriefabriken zu verhindern, sondern sicherzustellen, dass die Unternehmen die ungarischen Umweltvorschriften einhalten.

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Foto: Sinomatech

Mehrere umstrittene Projekte verlieren ihren Vorrangstatus

Die Regierung hat zudem beschlossen, einer Reihe von Projekten, die in den letzten Jahren für Kontroversen gesorgt haben, den Status als nationale wirtschaftliche Priorität zu entziehen. Zu diesen Projekten gehören:

  • eine Brachflächenerschließung auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei in Törökbálint;
  • die Sanierung des ehemaligen Lang-Werksgeländes im 13. Bezirk von Budapest;
  • das „Club Aliga“-Projekt in Balatonvilágos;
  • das geplante Schlosshotel und Ausbildungszentrum in Tihany;
  • das Projekt „Fiatalokért Központ“ in Sukoró;
  • das Nationale Tenniswettkampfzentrum auf der Margareteninsel;
  • ein Logistik- und allgemeines Wirtschaftsprojekt in Soroksár und Gyál;
  • das Pázmány-Campus-Projekt; sowie
  • das geplante Nationale Zentrum für Zirkuskunst in der Nähe des Bahnhofs Nyugati.

Die Aufhebung des Prioritätsstatus bedeutet, dass diese Projekte nicht mehr von den ihnen zuvor gewährten Sonderregelungen profitieren werden.

Neue nationale Verkehrsbehörden gegründet

Eine weitere bedeutende Veränderung betrifft das öffentliche Verkehrssystem Ungarns. Die Nationale Verkehrsbehörde und das Unternehmen „Train Fleet“ wurden Anfang August auf der Grundlage eines vom Tisza-dominierten Parlament verabschiedeten Gesetzes gegründet.

Der Nationale Verkehrsorganisator soll ähnliche Aufgaben wie die Budapester BKK wahrnehmen, jedoch auf nationaler Ebene. Das Unternehmen „Train Fleet“ könnte unterdessen eine Schlüsselrolle bei den geplanten Anschaffungen von Schienenfahrzeugen spielen.

Insbesondere soll die neue Struktur die geplante Beschaffung neuer HÉV-Vorortzüge und InterCity-Züge erleichtern, für die die Regierung EU-Fördermittel in Höhe von rund 1,8 Milliarden Euro in Anspruch nehmen will.

Die Ankündigungen sind Teil einer umfassenden Neugestaltung der ungarischen Investitions-, Wohnungs- und Verkehrspolitik unter der neuen Regierung, wobei mehrere von der Vorgängerregierung geerbte Großprojekte derzeit überprüft oder neu bewertet werden.

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