Könnte Ungarn den Ruanda-Plan der EU-Staaten unterstützen?

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Ein Plan, Migranten ohne rechtmäßigen Aufenthaltstitel in der Europäischen Union in „Rückführungszentren“ außerhalb der Union zu schicken, entwickelt sich rasch von der Theorie zur Politik. Ruanda kristallisiert sich als mögliches Ziel heraus, was für Ungarn eine besonders interessante Frage aufwirft: Würde die neue Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar eine solche Lösung für die europäische Migrationskrise unterstützen? Budapest hat den Ruanda-Vorschlag zwar noch nicht befürwortet, doch seine jüngsten Äußerungen deuten darauf hin, dass es dieser Idee gegenüber aufgeschlossen sein könnte.

Ruanda rückt als Rückführungsziel in den Mittelpunkt der europäischen Migrationskrise

Deutschland, Österreich, Dänemark, Griechenland und die Niederlande arbeiten gemeinsam an der Schaffung von Rückführungszentren außerhalb der Europäischen Union. Vertreter der fünf Länder reisten kürzlich nach Ruanda, wo derzeit Verhandlungen über die Möglichkeit geführt werden, Personen aufzunehmen, denen die Ausreise aus dem EU-Gebiet angeordnet wurde.

Laut Euractiv wird unter anderem das Gashora-Transitzentrum diskutiert, das etwa 60 Kilometer von Kigali entfernt liegt. In dieser Einrichtung wurden zuvor Migranten untergebracht, die aus Libyen evakuiert worden waren, während längerfristige Lösungen ausgearbeitet wurden. Ruanda hat bestätigt, dass derzeit erste Verhandlungen mit europäischen Regierungen stattfinden.

Die Initiative ist zügig vorangekommen. Die fünf Regierungen haben sich nun das Ziel gesetzt, bis 2027 ihr erstes Rückführungszentrum-System einzurichten, wobei Ruanda und Uganda zu den potenziellen Partnerländern zählen, die in Betracht gezogen werden. Dänemark hat erklärt, es hoffe, dass die Überstellungen bis Ende des nächsten Jahres beginnen könnten.

Der Vorschlag ist möglich geworden, weil sich die EU-Migrationspolitik selbst im Wandel befindet. Das Europäische Parlament hat im Juni neue Rückführungsvorschriften verabschiedet, die es den Mitgliedstaaten ermöglichen, Abkommen mit Nicht-EU-Ländern zu schließen und Personen, gegen die eine Rückführungsentscheidung ergangen ist, in dortige Einrichtungen zu überstellen. Unbegleitete Minderjährige sind davon ausgenommen, während die Partnerstaaten internationale Menschenrechtsstandards und den Grundsatz der Nichtzurückweisung einhalten müssten, der es verbietet, Menschen an Orte zu schicken, an denen ihnen Verfolgung oder ernsthafter Schaden droht.

Wichtig ist, dass dies nicht mit dem umstrittenen britischen Ruanda-Programm identisch ist, das im Jahr 2024 aufgegeben wurde. Das sich abzeichnende EU-Modell richtet sich in erster Linie an Personen, bei denen bereits festgestellt wurde, dass sie kein rechtliches Bleiberecht in der EU haben, und zielt nicht darauf ab, die Asylbearbeitung einfach ins Ausland zu verlagern.

Dennoch bleiben erhebliche rechtliche und humanitäre Fragen offen. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen hat argumentiert, dass Rückführungszentren nur dann genutzt werden sollten, wenn eine Person ein umfassendes und faires Asylverfahren durchlaufen hat und eine direkte Rückführung in ihr Herkunftsland nicht innerhalb einer angemessenen Frist möglich ist. Auch der Europarat hat strenge unabhängige Überwachung sowie rechtlich durchsetzbare Menschenrechtsgarantien gefordert.

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Großbritannien hat es bereits mit Ruanda versucht – und ist gescheitert. Doch Europas neuer Plan sieht anders aus

Die naheliegende Frage ist, ob Europa nun ein Experiment wiederholt, das bereits gescheitert ist.

Großbritannien hatte 2022 sein umstrittenes Ruanda-Programm beschlossen und plante, bestimmte Personen, die irregulär im Vereinigten Königreich eingereist waren, nach Ruanda umzusiedeln, wo ihre Asylanträge bearbeitet werden sollten. In der Praxis wurde diese Maßnahme jedoch nie in dem beabsichtigten Umfang umgesetzt.

Im November 2023 entschied der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreichs, dass das Programm in seiner bestehenden Form rechtswidrig sei, da die Gefahr bestehe, dass nach Ruanda geschickte Asylsuchende letztendlich in Länder zurückgeschickt werden könnten, in denen ihnen Verfolgung oder unmenschliche Behandlung drohen. Die konservative Regierung handelte daraufhin ein neues Abkommen mit Kigali aus und verabschiedete ein Gesetz, das Ruanda als sicheres Land einstufte; dennoch fanden die geplanten Abschiebungsflüge vor dem Regierungswechsel nicht statt.

Nach Angaben des britischen Innenministeriums reisten während der mehr als zweijährigen Laufzeit des Programms nur vier Personen freiwillig nach Ruanda, während kein Asylsuchender im Rahmen des Programms zwangsweise umgesiedelt wurde. Die Labour-Regierung stellte die Maßnahme nach ihrem Amtsantritt im Juli 2024 ein.

Der sich abzeichnende europäische Vorschlag unterscheidet sich jedoch in einem entscheidenden Punkt. Das britische Programm war größtenteils für Personen konzipiert, deren Asylanträge im Vereinigten Königreich nicht geprüft, sondern stattdessen in Ruanda bearbeitet worden wären. Das EU-Rückführungszentrum-Konzept richtet sich in erster Linie an Personen, die bereits einen Rückführungsbescheid erhalten haben und daher keinen Rechtsanspruch mehr auf einen Aufenthalt in der Europäischen Union besitzen.

Diese Unterscheidung könnte es einfacher machen, das europäische Modell politisch und rechtlich zu verteidigen. Anstatt das Asylverfahren selbst auszulagern, wären Rückführungszentren als Zielorte für Personen gedacht, bei denen die EU-Regierungen bereits entschieden haben, dass sie das Land verlassen müssen – insbesondere in Fällen, in denen sich eine direkte Rückführung in ihr Herkunftsland als schwierig erweist.

Die britischen Erfahrungen dienen jedoch als Warnung. Jedes europäische System, an dem Ruanda oder ein anderes Drittland beteiligt ist, dürfte einer intensiven Überprüfung hinsichtlich Menschenrechtsgarantien, rechtlicher Verantwortung und des Risikos rechtswidriger Weiterabschiebungen ausgesetzt sein.

Die Regierung von Péter Magyar hat Ungarns strenge Migrationspolitik beibehalten

Die Frage ist für Ungarn von besonderer Bedeutung, da der Regierungswechsel im Mai nicht zu der umfassenden Kehrtwende in der Migrationspolitik geführt hat, die manche ausländische Beobachter vielleicht erwartet hatten.

Ministerpräsident Péter Magyar erklärte diese Woche, dass zwar einzelne Maßnahmen der vorherigen Regierung unter Viktor Orbán zur Diskussion stünden, Ungarn jedoch in seiner Einschätzung der Migrationslage grundsätzlich richtig gelegen habe. Er sprach sich ausdrücklich sowohl für den Zaun an der Südgrenze als auch für die strengen Einwanderungsvorschriften des Landes aus.

Magyar erklärte zudem, es könne keine Lockerung der ungarischen Asylvorschriften geben, und seine Regierung wolle sicherstellen, dass nicht „ein einziger weiterer“ irregulärer Migrant ins Land komme. Gleichzeitig strebt er eine Einigung mit Brüssel an, anstatt eine weitere langwierige Konfrontation über die EU-Migrationsvorschriften zu riskieren.

Diese Haltung ist wichtig, um zu verstehen, wie Budapest auf den jüngsten Vorschlag zur Migrationskrise reagieren könnte.

Innenminister Gábor Pósfai hat seit dem Amtsantritt der neuen Regierung wiederholt betont, dass Ungarns Haltung zur irregulären Migration unverändert bleibt. Im Juli teilte sein Ministerium zudem mit, dass Ungarn die praktischen Erfahrungen mit dem umstrittenen Abkommen Italiens mit Albanien genau verfolge – ein weiterer Versuch, Aspekte der Migration außerhalb des normalen EU-Hoheitsgebiets zu regeln.

Anschließend forderte die ungarische Regierung angesichts des erneuten Migrationsdrucks an der EU-Außengrenze im August ausdrücklich „innovative politische Instrumente“, die über bestehende Lösungen hinausgehen, und betonte gleichzeitig einen verstärkten Schutz der Außengrenzen sowie Maßnahmen gegen den Missbrauch des Asylsystems.

Ungarn hat zudem die Unterstützung von Rückführungen direkt mit Österreich erörtert, einem der fünf Länder, die derzeit die Initiative für Rückführungszentren vorantreiben.

Migrant crisis: Border control and migration pact
Migrationskrise in der EU. Foto: depositphotos.com

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Könnte Ungarn die Rückführungszentren in Ruanda unterstützen?

Insgesamt bieten diese Positionen eine glaubwürdige Grundlage für die Annahme, dass die ungarische Regierung Rückführungszentren grundsätzlich unterstützen könnte.

Eine solche Politik passt zu mehreren Elementen des derzeitigen Ansatzes Budapests: der Verhinderung irregulärer Einreisen, der Aufrechterhaltung strenger Asylvorschriften, der Stärkung der EU-Außengrenzen und der Erleichterung der Abschiebung von Personen, die keinen Aufenthaltsanspruch haben.

Für Ungarn könnte es politisch zudem einfacher sein, diese zu unterstützen als Teile des EU-Migrations- und Asylpakts, die die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten betreffen. Die Abschiebung von Personen mit rechtskräftigen Rückführungsentscheidungen außerhalb der EU unterscheidet sich grundlegend von der Verpflichtung Ungarns, Asylsuchende aufzunehmen, die aus einem anderen Mitgliedstaat überstellt werden – etwas, wogegen sich Budapest vehement gewehrt hat.

Es besteht jedoch ein wichtiger Unterschied zwischen der Aussage, die ungarische Regierung würde das Konzept wahrscheinlich attraktiv finden, und der Aussage, sie unterstütze Ruanda konkret. Ungarn ist derzeit nicht Teil der Fünf-Länder-Initiative, und weder Magyar noch Pósfai haben Budapest öffentlich zu den Verhandlungen mit Ruanda verpflichtet.

Wie geht es nun weiter?

Die nächsten Monate dürften eine klarere Antwort liefern. Es wird erwartet, dass die fünf beteiligten Regierungen die Verhandlungen mit potenziellen Aufnahmeländern fortsetzen werden; ein weiteres Treffen ist für September in München geplant, und konkrete Vereinbarungen sollen noch vor Ende 2026 getroffen werden.

Für Ungarn wird vieles von der endgültigen rechtlichen und finanziellen Ausgestaltung abhängen. Sollten die Rückführungszentren auf freiwilliger Basis betrieben werden, im Einklang mit EU-Recht und internationalem Recht stehen und Ungarn nicht dazu verpflichten, Migranten aus anderen Mitgliedstaaten aufzunehmen, würde der Vorschlag gut zu einem Großteil der Migrationspolitik passen, die die ungarische Regierung bislang skizziert hat.

Dies macht eine ungarische Zustimmung zu einem plausiblen Szenario – ist jedoch noch keine offizielle Regierungsposition. Die Ruanda-Debatte könnte daher zu einem der ersten großen Tests werden, inwieweit sich Ungarns Herangehensweise an die europäische Migrationskrise unter Péter Magyar tatsächlich verändert hat: vielleicht weniger konfrontativ gegenüber Brüssel, aber nicht unbedingt toleranter in Migrationsfragen.

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