Chemische Kastration für Kindersexualstraftäter? Umstrittener Gesetzentwurf erreicht das ungarische Parlament

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Ein ungarischer Oppositionsabgeordneter hat einen Gesetzentwurf eingereicht, der die sogenannte chemische Kastration für bestimmte Sexualstraftäter einführen würde, um das Risiko von Wiederholungstaten gegen Kinder zu verringern. Der Vorschlag orientiert sich am polnischen Modell, doch eine frühere Regierung unter Orbán lehnte einen ähnlichen Vorschlag aus menschenrechtlichen und gesundheitlichen Gründen ab.
Előd Novák, Abgeordneter der Oppositionspartei „Mi Hazánk“, legte den Vorschlag diese Woche der ungarischen Nationalversammlung vor.
Dem Gesetzentwurf zufolge könnten Straftäter, bei denen das Risiko weiterer Sexualstraftaten besteht, einer medikamentösen Behandlung unterzogen werden, die darauf abzielt, den Sexualtrieb zu verringern, anstatt sich in erster Linie auf eine psychiatrische Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung zu verlassen.
Novák argumentiert, dass die bestehenden Vorschriften in Ungarn Wiederholungstaten dieser Gruppe nicht ausreichend verhindern und dass strengere Maßnahmen zum Schutz von Kindern erforderlich sind. Die Behandlung würde unter der Aufsicht des Ungarischen Instituts für gerichtliche Beobachtung und Psychiatrie (IMEI) erfolgen, wobei die medikamentöse Therapie in der Regel ambulant durchgeführt würde.
Was bedeutet „chemische Kastration“ eigentlich?
Trotz der Bezeichnung beinhaltet der Vorschlag keinen chirurgischen Eingriff. „Chemische Kastration“ ist ein gebräuchlicher Begriff für eine hormonelle medikamentöse Behandlung, bei der in der Regel Antiandrogene zum Einsatz kommen, die die Wirkung männlicher Sexualhormone unterdrücken und den Testosteronspiegel senken.
Ihr Zweck besteht darin, den Sexualtrieb zu verringern und theoretisch das Risiko weiterer Sexualstraftaten zu senken. Wie Index anmerkt, bevorzugen Mediziner häufig Begriffe wie „Hormonbehandlung“ oder „libidosenkende Medikamente“, da der Begriff „chemische Kastration“ einen irreführenden Eindruck davon vermitteln kann, worum es bei dem Verfahren tatsächlich geht.
Der Vorschlag von „Mi Hazánk“ verweist ausdrücklich auf Polen als Vorbild.
In Tschechien gibt es ein noch umstritteneres System. Dort wird eine pharmakologische Behandlung angewendet, während das tschechische Recht nach wie vor die chirurgische Kastration in streng geregelten Fällen auf schriftlichen Antrag des Patienten zulässt.
Der Ausschuss gegen Folter des Europarates hat wiederholt die Abschaffung dieser Praxis gefordert; in seinem jüngsten Bericht heißt es, dass zwischen 2018 und 2023 fünf Anträge auf chirurgische Kastration genehmigt wurden.
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Diese Idee wurde in Ungarn bereits zuvor diskutiert
Der Vorschlag ist in der ungarischen Politik nicht ganz neu. Dóra Dúró, die mittlerweile ebenfalls der Partei „Mi Hazánk“ angehört, brachte ähnliche Vorschläge vor, als sie noch Abgeordnete der Jobbik war, während andere Politiker der nationalistischen Rechten im Laufe der Jahre strengere medizinische Maßnahmen gegen Kinderschänder gefordert haben.
Das Thema rückte nach dem ungarischen Skandal um die Präsidialbegnadigung im Jahr 2024 wieder auf die politische Tagesordnung, als der Vorsitzende von „Mi Hazánk“, László Toroczkai, erklärte, seine Partei werde die Kastration für pädophile Straftäter einführen, sollte sie an die Macht kommen.
Die Regierung Orbán hatte diese Maßnahme zuvor abgelehnt
Die vorherige Orbán-Regierung hatte diesen Vorschlag bereits geprüft – und abgelehnt. Im Jahr 2013 erklärte das ungarische Justizministerium, die Regierung plane nicht, die chemische Kastration einzuführen, und verwies dabei auf verfassungsrechtliche und menschenrechtliche Schutzbestimmungen hinsichtlich der Menschenwürde, der körperlichen und geistigen Gesundheit sowie des Verbots von Folter und erniedrigender Behandlung.
Das Ministerium warnte damals zudem, dass die Maßnahme schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben könnte und dass ihre Wirksamkeit bei der Verhinderung weiterer Straftaten nicht gewährleistet sei.
Derzeit ist Nováks Vorschlag lediglich ein Gesetzentwurf im Parlament, dessen Aussichten ungewiss sind. Vieles wird davon abhängen, ob Fidesz an seiner früheren Ablehnung festhält und ob die regierende Tisza-Mehrheit bereit ist, die Maßnahme zu unterstützen.
Und nun kommt die überraschende Wendung: Könnten Fidesz und Mi Hazánk auf einen Zusammenschluss zusteuern?
Foto: Előd Novák / Facebook

