Der deutsche Außenminister besucht Ungarn; Budapest und Berlin einigen sich auf umfangreiche neue Kooperationspläne und kündigen einen Besuch an

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Ungarn und Deutschland haben sich auf eine engere politische, wirtschaftliche und diplomatische Zusammenarbeit geeinigt, während der Besuch von Ministerpräsident Péter Magyar in Berlin im November bereits vorbereitet wird.

Budapest und Berlin streben eine Stärkung ihrer Beziehungen an

Ungarn und Deutschland bereiten sich darauf vor, ein neues Kapitel in ihren bilateralen Beziehungen aufzuschlagen, erklärte die ungarische Außenministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Anita Orbán nach Gesprächen mit dem deutschen Außenminister Johann Wadephul in Budapest.

Beide Seiten einigten sich auf eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung des politischen Dialogs, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Orbán erklärte, das Treffen habe zudem die Vorbereitungen für den Besuch von Ministerpräsident Péter Magyar in Berlin am 9. und 10. November eingeleitet.

Der Zeitpunkt ist von historischer Bedeutung: Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – eines der prägenden Ereignisse des Endes des Kalten Krieges.

In einer gemeinsamen Erklärung bekundeten beide Länder ihren Willen, ihre Partnerschaft zu erneuern und ein neues, auf Vertrauen basierendes Kapitel in den ungarisch-deutschen Beziehungen aufzuschlagen – fast 35 Jahre nach der Unterzeichnung ihres Freundschaftsvertrags im Jahr 1992.

Johann Wadephul and Anita Orbán in Budapest
Foto: Facebook/Anita Orbán

Wirtschafts- und Energiekooperation im Fokus

Ungarn und Deutschland bekundeten ihre Absicht, ihre wirtschaftlichen Beziehungen weiter auszubauen und zu vertiefen, auch über die Automobilindustrie hinaus, in der deutsche Unternehmen in Ungarn stark vertreten sind.

Beide Regierungen betonten zudem, wie wichtig es sei, den europäischen Binnenmarkt zu stärken und ein attraktives, innovationsfreundliches und verlässliches Investitionsumfeld zu schaffen.

Sie waren sich einig, dass Europa die Grundlagen eines wettbewerbsfähigen Industriesektors bewahren und weiterentwickeln muss, damit der Kontinent weltweit wettbewerbsfähig bleiben kann.

Die Energiesicherheit war ein weiterer wichtiger Bereich der Zusammenarbeit. Ungarn und Deutschland forderten eine stärkere europäische Koordinierung zum Schutz der Energiesicherheit in der Region.

Die Länder erklärten zudem, dass sie einem erheblichen Migrationsdruck ausgesetzt seien und das gemeinsame Ziel verfolgten, die illegale Migration zu unterbinden und den Schutz der EU-Außengrenzen zu stärken.

Johann Wadephul and Anita Orbán in Budapest
Foto: Facebook/Orbán Anita

Engere Zusammenarbeit zwischen den Außenministerien

Die beiden Länder einigten sich auf eine Reihe konkreter Maßnahmen zur Vertiefung der Zusammenarbeit. Dazu gehört die Stärkung des Ungarisch-Deutschen Forums, in dem Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft zusammenkommen. Das nächste Forum, das im Herbst 2026 in Berlin stattfinden soll, wird als konkretes Zeichen für einen Neuanfang in den bilateralen Beziehungen präsentiert.

Ungarn und Deutschland werden zudem regelmäßige Fachkonsultationen zwischen ihren Außenministerien zu den bilateralen Beziehungen und zur Europapolitik sowie gegebenenfalls zu geoökonomischen und verteidigungsindustriellen Fragen einrichten.

Die Ministerien planen, den Austausch im Bereich der strategischen Planung und Kommunikation zu intensivieren, einschließlich der Zusammenarbeit bei den Herausforderungen durch Desinformation. Zudem soll ein regelmäßiger Dialog zwischen ungarischen und deutschen Thinktanks eingerichtet werden.

Beide Seiten vereinbarten darüber hinaus, den Austausch zwischen jungen Diplomaten auszuweiten und Ausbildungsprogramme miteinander zu verknüpfen, die die Teilnehmer auf den diplomatischen Dienst vorbereiten. Die Länder planen zudem, den Austausch von Diplomaten zwischen ihren Außenministerien zu verstärken.

Johann Wadephul and Anita Orbán in Budapest
Foto: Facebook/Orbán Anita

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Kultur

Budapest und Berlin beabsichtigen zudem, eine enge Zusammenarbeit mit der Andrássy-Universität Budapest, Jugendaustauschorganisationen und weiteren Partnern in den Bereichen Kultur, Sprache und Bildung aufrechtzuerhalten. Beide Seiten werden die Möglichkeit prüfen, im Jahr 2028 ein ungarisch-deutsches Kulturjahr zu veranstalten.

In der gemeinsamen Erklärung wird zudem die Rolle von Wissenschaft, Bildung, Kultur, Zivilgesellschaft und Jugendaustausch bei der Stärkung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den beiden Ländern hervorgehoben.

Deutschlands große ungarische Diaspora und die deutsche Minderheit in Ungarn werden weiterhin besondere Aufmerksamkeit erhalten, wobei beide Regierungen zudem die Bedeutung der Zukunft und der Zugänglichkeit des deutschsprachigen Bildungsangebots in Ungarn betonen.

Johann Wadephul and Anita Orbán in Budapest
Foto: Facebook/Orbán Anita

Gemeinsame Standpunkte zu europäischen und internationalen Fragen

In der gemeinsamen Erklärung heißt es, dass Ungarn und Deutschland als EU-Mitgliedstaaten und NATO-Verbündete gemeinsam für ein starkes, sicheres, freies und wettbewerbsfähiges Europa eintreten wollen.

In Bezug auf die Ukraine bekräftigten beide Länder ihre Unterstützung für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine und schlossen sich den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom Juni 2026 an, in denen ein sofortiger Waffenstillstand sowie ein umfassender, gerechter und dauerhafter Frieden gefordert wurden.

Sie erklärten zudem, dass sie ihre Bemühungen zur Förderung von Frieden und Sicherheit im Nahen Osten und in Südwestasien verstärken und gleichzeitig das Recht Israels auf Selbstverteidigung unterstützen würden.

In Bezug auf den Westbalkan erklärten Budapest und Berlin, dass sie ein gemeinsames Interesse an Frieden, Stabilität, einer erfolgreichen EU-Integration und wirtschaftlicher Entwicklung hätten, und sagten zu, die Beitrittskandidaten auf ihrem Weg zur EU-Mitgliedschaft zu unterstützen.

Die Erklärung bezieht sich zudem auf den 70. Jahrestag der ungarischen Revolution und des Aufstands von 1956 und hebt hervor, dass dieser das Bekenntnis beider Länder zu den europäischen Werten – darunter Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Menschenrechte – bekräftige.

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