Der Streit um Gastarbeiter spitzt sich zu: Péter Magyar würde alle nach Hause schicken, Arbeitgeber würden Zehntausende weitere einladen

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Der Streit um die Beschäftigung von Gastarbeitern spitzt sich zu: Wirtschaftsvertreter warnen, dass Ungarn jedes Jahr Zehntausende weitere Arbeitskräfte benötige, während Ministerpräsident Péter Magyar darauf besteht, dass ausländische Arbeitskräfte in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden sollten.
Der Streit um Gastarbeiter hat in den letzten Wochen eine schärfere Wendung genommen. Magyar argumentiert, dass höhere Löhne nicht erwerbstätige Ungarn wieder in den Arbeitsmarkt zurückbringen und damit den Arbeitskräftemangel der Unternehmen lindern würden. Die Arbeitgeber halten dem jedoch entgegen, dass es nicht ausreiche, allein auf inländische Arbeitskräfte zurückzugreifen; vielmehr behaupten sie, die Wirtschaft benötige nicht weniger, sondern Zehntausende mehr ausländische Arbeitskräfte, um zu funktionieren.
Ist die Wirtschaft ohne ausländische Arbeitskräfte in Gefahr?
Während die Regierung daran festhält, dass Lohnerhöhungen die Lösung für den Arbeitskräftemangel darstellen, betonen Teile der Wirtschaft, dass Industrie, Logistik und Gastgewerbe ohne Gastarbeiter nicht reibungslos funktionieren könnten. Die Debatte ist zu einem Zahlenspiel eskaliert.
Eines der stärksten Argumente der Wirtschaftsvertreter ist, dass die Erwerbsbevölkerung Ungarns seit Jahren schrumpft. Nach Angaben des Leiters der Personalvermittlungsagentur WHC sind derzeit rund 100.000 ausländische Arbeitskräfte in Ungarn beschäftigt, doch selbst diese Zahl reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Er schätzt, dass jährlich zusätzlich 30.000 bis 40.000 Arbeitskräfte benötigt würden, nur um eine Stagnation der Wirtschaft zu verhindern, da die Zahl der erwerbstätigen ungarischen Arbeitnehmer jedes Jahr um einen ähnlichen Betrag zurückgeht.

Arbeitgeber argumentieren zudem, dass erhebliche Lohnerhöhungen kein Allheilmittel wären. Solche Erhöhungen, so warnen sie, könnten viele Unternehmen in die Insolvenz treiben und gleichzeitig eine Lohn-Preis-Spirale sowie steigende Inflation anheizen. Für viele in der Industrie ist die Beschäftigung von Gastarbeitern daher laut Pénzcentrum keine Wahl, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Regierung besteht auf höheren Löhnen
Der Ministerpräsident sieht die Dinge anders. Magyar vertritt die Ansicht, dass Unternehmen durch bessere Bezahlung mehr ungarische Arbeitskräfte anziehen könnten. Seiner Meinung nach liegt die langfristige Lösung für den Arbeitskräftemangel nicht in der Erhöhung der Zahl ausländischer Arbeitskräfte, sondern darin, ungarische Beschäftigte zu halten und zurückzuholen.
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob noch ausreichende ungenutzte inländische Arbeitskräftereserven vorhanden sind. Die Unternehmen erkennen zwar an, dass solche Reserven vorhanden sind, argumentieren jedoch, dass diese unzureichend seien und wahrscheinlich keine kurzfristige Lösung darstellen würden.
Gibt es eine verborgene Reserve?
Ádám Sebestyén wies im „Forbes Money“-Podcast darauf hin, dass Ungarn möglicherweise über eine potenzielle Reserve von bis zu einer Million Arbeitskräften verfüge. Die Mobilisierung dieser Gruppe wäre jedoch äußerst komplex. Sie umfasst nicht nur Arbeitslose, sondern auch Personen, die nur teilweise am Arbeitsmarkt aktiv sind, wie beispielsweise Mütter mit kleinen Kindern, Studierende, Rentner und ausländische Studierende.
Viele dieser Gruppen lassen sich aufgrund struktureller Einschränkungen nicht ohne Weiteres in bestehende Branchen integrieren. Dennoch könnte eine breitere Teilhabe erreicht werden, wenn Arbeitgeber flexiblere Praktiken einführen würden – beispielsweise indem sie den Fokus auf Aufgaben statt auf geleistete Arbeitsstunden legen und zusätzlichen Einsatz mit besonderen Vergünstigungen belohnen.
Derzeit arbeiten rund 200.000 Studierende und 40.000 Rentner im Rahmen von Kooperationsprogrammen, während fast 50.000 ausländische Studierende in Ungarn studieren, von denen viele ebenfalls einer Beschäftigung nachgehen. Das WHC argumentiert jedoch, dass diese Gruppen allein die ausländischen Arbeitskräfte innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate nicht vollständig ersetzen könnten.
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Gastarbeiter kommen weiterhin an
Während die Regierung den Schwerpunkt auf Lohnwachstum und die Aktivierung des heimischen Arbeitsmarktes legt, betonen die Unternehmen, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung und der aktuellen Arbeitsmarktlage unmöglich sei, kurzfristig auf ausländische Arbeitskräfte zu verzichten.
Klar ist, dass die ungarische Regierung im Juni die Erteilung neuer Gastarbeitervisa über Vermittlungsagenturen untersagt hat. Dennoch können Arbeitskräfte aus Drittstaaten weiterhin nach Ungarn einreisen, wenn sie direkt von investierenden Unternehmen, wie beispielsweise chinesischen Automobilherstellern, eingestellt werden.
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Titelbild: depositphotos.com

