Skandal, falls zutreffend: Zsolt Semjén, ehemaliger Stellvertreter von Ministerpräsident Orbán und Vorsitzender der oppositionellen KDNP-Partei, wird vom Opfer der Vergewaltigung einer Minderjährigen beschuldigt

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Sándor Bangó, ein ehemaliger Insasse der Justizvollzugsanstalt in der Szőlő-Straße, hatte zuvor lediglich angedeutet, dass er als Kind in der Anstalt von einem hochrangigen Politiker vergewaltigt worden sei. In den frühen Morgenstunden nannte er jedoch den betreffenden Mann namentlich: Zsolt Semjén, Ungarns ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident und Vorsitzender der oppositionellen christlichen KDNP. Obwohl sein Beitrag eine bedrohliche Botschaft enthält, geht es ihm laut Péter Juhász, ehemaliger „Együtt“-Politiker und Vertreter von Bangó, gut, und alle, die ihm Gutes wünschen, sollten derzeit nicht versuchen, Kontakt mit ihm aufzunehmen.
Die Anschuldigung gegen „Onkel Zsolti“ kommt ans Licht
Der Name Sándor Bangó ist im ungarischen öffentlichen Leben kein Unbekannter, ebenso wenig wie die Figur „Onkel Zsolti“, die er nun identifiziert hat. Es war Gábor Kuslits, ehemaliger Leiter des Budapester Kinderschutzdienstes, der in einem Interview mit „Válasz Online“ erstmals erwähnte, dass Péter Juhász Pál, der ehemalige Leiter der Erziehungsanstalt in der Szőlő-Straße, von zwei hochrangigen Politikern geschützt worden sei. Im Gegenzug seien einem von ihnen Jungen und dem anderen Mädchen „zugeliefert“ worden. Kuslits räumte im Interview jedoch ein, dass es sich hierbei lediglich um unbestätigte Gerüchte handele.

Daraufhin veröffentlichte Péter Juhász, ehemals Mitglied der ungarischen liberalen Partei „Együtt“, ein Video über das Kinderheim in Ózd, wo laut János Látó, der sich selbst als Pastor bezeichnet, ein hochrangiger Politiker zu sexuellen Zwecken zu Besuch gewesen sei. Látó habe ihm dies auf der Grundlage von Aussagen zweier dort untergebrachter Jungen berichtet, von denen einer den Mann als „Onkel Zsolti“ bezeichnet habe. Juhász wies zudem darauf hin, dass diese Geschichte nicht bewiesen werden könne. Später stellte sich heraus, dass Látós Glaubwürdigkeit, gelinde gesagt, fragwürdig war, berichtet Telex.

János Látó spricht auf dem Kossuth-Platz:
Dennoch hat sich die „Onkel-Zsolti“-Behauptung unwiderruflich im öffentlichen Bewusstsein verankert, und Gergely Arató von der DK befragte den damaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten Zsolt Semjén umgehend dazu. Dieser tat sie als „Beelzebub-Behauptung“ ab und wies bereits die bloße Andeutung zurück. Bis heute ist es niemandem gelungen, Beweise für die Existenz oder Identität von „Onkel Zsolti“ zu finden.
Der ehemalige Anwohner der Szőlő-Straße meldet sich zu Wort
Sándor Bangó gab am 24. April der Zeitschrift „Kontroll“, die Márton Magyar, dem Bruder von Ministerpräsident Péter Magyar, nahesteht, ein Interview. Darin erklärte er, er sei im Alter von 14 oder 15 Jahren in die Einrichtung eingewiesen worden, und behauptete, Péter Juhász Pál habe ihn wiederholt vergewaltigt und anschließend zur Prostitution gezwungen, unter anderem an Onkel Zsolti. Auf der Grundlage dieser Aussage wurde er zum Hauptzeugen im Verfahren gegen Péter Juhász Pál.

Er berichtete, die Vorfälle hätten im Dunkeln stattgefunden, doch bei einer Gelegenheit, als er das Licht einschaltete, habe er auch das Gesicht des Täters gesehen. Er nannte der Redaktion sogar den Namen des Mannes, doch diese veröffentlichte ihn aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht.
Ein „hochrangiger Politiker“: Der Hauptzeuge im Missbrauchsfall in der Szőlő-Straße hat sich zu Wort gemeldet
Zwei Wochen später sagte Bangó bei der Budapester Regionalstaatsanwaltschaft aus, wo er angab, Onkel Zsolti identifiziert zu haben, und erklärte, er sei auch bereit, sich einem Lügendetektortest zu unterziehen. Dies geschah jedoch aufgrund seines psychischen Zustands nicht, was unmittelbar berechtigte Zweifel an seinen Aussagen aufkommen lässt.
Er hat enthüllt, wer Onkel Zsolti ist – aber kann man ihm Glauben schenken?
Damals erklärte er zudem, dass er am 9. Juli, als er nach Amerika aufbrach, öffentlich bekanntgeben würde, wer Onkel Zsolti sei. Seinen Angaben zufolge habe er dies auf ausdrücklichen Wunsch der Staatsanwaltschaft nicht getan.
Doch offenbar ist etwas geschehen, denn in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages veröffentlichte er auf seiner TikTok-Seite , dass Onkel Zsolti niemand Geringeres sei als Zsolt Semjén, der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident von Viktor Orbán und Vorsitzende der KDNP. Fidesz-KDNP veröffentlichte umgehend eine Stellungnahme, in der die Behauptung als absurde Lüge, offensichtliche politische Manipulation und Verleumdung bezeichnet wurde. Aus ihrer Sicht ist Bangó selbst ein Opfer, doch die schwerwiegendste Verantwortung liege daher nicht bei ihm, sondern bei seinen „politischen Ausbeutern und Anstiftern“. Am Dienstagmorgen veröffentlichten mehrere KDNP-Abgeordnete Facebook-Beiträge mit dem gleichen Wortlaut, in denen es hieß: „Wir stehen hinter Zsolt Semjén! Zsolt Semjén ist unschuldig!“


