Digitaler Euro? Das Vorhaben des Europäischen Parlaments ist nun einen Schritt näher gerückt

Sprache ändern:
Das Europäische Parlament hat einen wichtigen Schritt zur Einführung des digitalen Euro unternommen und seinen Verhandlungsstandpunkt zu dem Gesetzentwurf verabschiedet, der den Weg für die erste digitale Zentralbankwährung der EU ebnen könnte. Wenn die verbleibenden Verhandlungen wie geplant verlaufen, könnten die Europäer bereits bis zum Ende dieses Jahrzehnts beginnen, die neue Zahlungsmethode zu nutzen.
Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgearbeitete Vorschlag zielt darauf ab, eine sichere, staatlich gestützte digitale Alternative zu Bargeld zu schaffen und gleichzeitig die finanzielle Unabhängigkeit Europas von ausländischen Zahlungsanbietern zu stärken.
EP gibt grünes Licht für Verhandlungen
Am Donnerstag stimmten die Europaabgeordneten mit überwältigender Mehrheit für den Standpunkt des Parlaments zum digitalen Euro: 416 Stimmen dafür, 169 dagegen und 22 Enthaltungen. Die Abstimmung ermöglicht den Beginn von Verhandlungen mit dem Rat der Europäischen Union und der Europäischen Kommission, um die Rechtsvorschriften abzuschließen.
Das Parlament verabschiedete zudem seinen Standpunkt dazu, wie der digitale Euro in den EU-Mitgliedstaaten funktionieren soll, die die Einheitswährung noch nicht eingeführt haben. Ungarische Europaabgeordnete der Tisza-Partei und der Demokratischen Koalition (DK) unterstützten den Vorschlag, während Vertreter von Fidesz-KDNP und Mi Hazánk dagegen stimmten.
Was genau ist der digitale Euro?
Im Gegensatz zu bestehendem E-Geld, das auf Konten bei Geschäftsbanken gehalten wird, würde der digitale Euro direkt von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken der Eurozone ausgegeben. Er würde praktisch zum digitalen Äquivalent von Euro-Banknoten werden, das dieselbe Zentralbankgarantie bietet und gleichzeitig über eine mobile App oder eine Zahlungskarte zugänglich ist.
Die EZB betont, dass der digitale Euro nicht dazu gedacht ist, Bargeld zu ersetzen, sondern es zu ergänzen. Bargeld würde weiterhin verfügbar und gesetzlich geschützt bleiben, während Verbraucher eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit für alltägliche Einkäufe erhalten würden. Grundlegende Dienstleistungen, darunter die Eröffnung eines Kontos, die Abfrage des Kontostands, Überweisungen sowie die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen, sollen für die Nutzer kostenlos sein.
Verringerung der Abhängigkeit von Visa und Mastercard
Befürworter argumentieren, dass einer der größten Vorteile des Projekts in der strategischen Autonomie liege. Derzeit stützt sich die überwiegende Mehrheit der Kartenzahlungen in Europa auf die Infrastruktur von US-amerikanischen Unternehmen wie Visa und Mastercard. Der digitale Euro würde ein vollständig europäisches Zahlungssystem unter öffentlicher Kontrolle etablieren, wodurch die Abhängigkeit von externen Anbietern verringert und die finanzielle Souveränität der EU gestärkt würde.
Die neue Infrastruktur könnte zudem die Kosten für die Zahlungsabwicklung für Händler senken, was im Laufe der Zeit möglicherweise zu niedrigeren Preisen für die Verbraucher führen würde. Wie die ungarische Europaabgeordnete Kinga Kollár anmerkte, könnte das Projekt es Europa ermöglichen, seine Abhängigkeit von amerikanischen Zahlungsnetzwerken zu verringern und gleichzeitig die volle Kontrolle über die eigene digitale Zahlungsinfrastruktur zu behalten.
Sowohl Online- als auch Offline-Zahlungen werden möglich sein
Das vorgeschlagene System würde zwei Formen des digitalen Euro umfassen. Die Online-Version würde über zentral verwaltete digitale Konten funktionieren, wobei Banken und Zahlungsdienstleister den Kundenservice übernehmen, während die Abwicklung über die Infrastruktur der EZB erfolgt.
Die Offline-Version würde eher wie digitales Bargeld funktionieren. Das Guthaben würde direkt auf einem Smartphone oder einer Zahlungskarte gespeichert, sodass Nutzer Zahlungen auch ohne Internetverbindung vornehmen könnten. Transaktionen zwischen Geräten würden ein Datenschutzniveau bieten, das dem von Barzahlungen vergleichbar ist. Obwohl Nutzer beide Formen gleichzeitig besitzen könnten, wird erwartet, dass die EZB Besitzgrenzen einführt; Diskussionen deuten auf eine Obergrenze von rund 3.000 Euro pro Person hin.
Der einzige entscheidende Punkt ist der Datenschutz
Der Datenschutz ist einer der am meisten diskutierten Aspekte des Projekts. Kritiker haben Bedenken geäußert, dass eine digitale Zentralbankwährung es Regierungen ermöglichen könnte, die Ausgabegewohnheiten der Bürger zu überwachen. Den aktuellen Vorschlägen zufolge hätte die EZB jedoch keinen direkten Zugriff auf die Zahlungsdaten einzelner Personen.
Stattdessen würden Banken und Zahlungsdienstleister weiterhin die Kundendaten verwalten und nur dann anonymisierte, aggregierte Daten bereitstellen, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Offline-Transaktionen würden das höchste Maß an Datenschutz bieten, da es kein zentrales Transaktionsprotokoll gäbe, das mit Barzahlungen vergleichbar wäre. Die Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung würden für Online-Transaktionen weiterhin gelten.
Was könnte dies für Ungarn bedeuten?
Da Ungarn nicht zur Eurozone gehört, würde der digitale Euro in diesem Land nicht automatisch zum gesetzlichen Zahlungsmittel werden. Nach dem aktuellen Vorschlag wären nur ungarische Banken, die eine erhebliche Anzahl von Kunden aus der Eurozone betreuen, verpflichtet, Konten für den digitalen Euro anzubieten. Händlern stünde es weiterhin frei, zu entscheiden, ob sie die neue Zahlungsmethode akzeptieren möchten.
Sollte Ungarn den Euro schließlich einführen – ein erklärtes Ziel der derzeitigen Regierung unter Tisza –, würde der digitale Euro neben traditionellem Euro-Bargeld und bestehenden elektronischen Zahlungsmethoden flächendeckend verfügbar werden.
Wann könnte die Einführung erfolgen?
Die EZB hat die Untersuchungsphase des Projekts im Jahr 2023 abgeschlossen und entwickelt derzeit den technischen Rahmen im Rahmen einer Vorbereitungs- und Testphase. Der vorläufige Zeitplan sieht Folgendes vor:
- 2026: Verabschiedung des rechtlichen Rahmens;
- 2027: Pilotversuche und erste Live-Transaktionen;
- 2029: Möglicher offizieller Start, vorbehaltlich der endgültigen politischen Genehmigung.
Sollte der Gesetzgebungsprozess planmäßig verlaufen, könnten die Europäer bald Zugang zu einer neuen Form von öffentlichem Geld erhalten – einer Form, die für das digitale Zeitalter konzipiert ist und gleichzeitig die Rolle des Bargeldes im Alltag bewahrt.
Lesen Sie auch: Ministerpräsident Péter Magyar veröffentlicht Einzelheiten zur öffentlich finanzierten USA-Reise des ehemaligen Präsidenten

