Exklusivinterview: QS-Gründer Quacquarelli erläutert, wie ungarische Hochschulen in globalen Rankings aufsteigen können

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Die globale Hochschullandschaft unterliegt einem raschen Wandel, wobei die Universitäten unter zunehmendem Druck stehen, ihre Forschungsleistung zu steigern, die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Absolventen zu verbessern, den digitalen Wandel voranzutreiben und ihre internationale Sichtbarkeit zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund brachte der „QS Higher Education Summit: Europe 2026“ mehr als 600 Hochschulleiter aus fast allen Teilen der Welt, politische Entscheidungsträger, Forscher und Vertreter der Wirtschaft in Ungarn zusammen. Der Gipfel fand im Innovationspark der Széchenyi-István-Universität in Győr sowie am Hauptveranstaltungsort in Budapest statt und konzentrierte sich auf künstliche Intelligenz im Bildungswesen, Zukunftskompetenzen und die sich wandelnde Rolle der Universitäten in globalen Innovationssystemen. Die Széchenyi-István-Universität war in diesem Jahr stolzer Veranstalter dieser prestigeträchtigen Veranstaltung.
Am Rande des Gipfels sprach Mohammad Fakhrul Islam, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Széchenyi-István-Universität, exklusiv mit Nunzio Quacquarelli, dem Gründer und Präsidenten von QS (Quacquarelli Symonds), einer der weltweit führenden Organisationen für Hochschulanalysen und -rankings.
Mohammad Fakhrul Islam ( Széchenyi-István-Universität, Győr): Vielen Dank, dass Sie mir trotz Ihres vollgepackten Terminkalenders auf dem Gipfel die Gelegenheit zu diesem kurzen Interview gewähren. Zunächst einmal: Wie interpretieren Sie die jüngsten QS World University Rankings, die am 25. Juni 2026 veröffentlicht wurden, im Hinblick auf globale Trends im Hochschulwesen?
Nunzioo Quacquarelli ( Gründer und Präsident, QS): Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, mit Ihnen zu sprechen. Nun, die neuesten Rankings spiegeln einen anhaltenden Wandel im globalen Hochschulwesen wider, in dem der Wettbewerb zunehmend internationaler, datengestützter und stärker auf Beschäftigungsfähigkeit sowie die Wirkung der Forschung ausgerichtet ist. Wir beobachten zudem, dass Schwellenländer an Boden gewinnen, während Bildungseinrichtungen weltweit unter dem Druck stehen, praxisrelevante Ergebnisse nachzuweisen. Da QS keine maßgeschneiderten Parameter zur Bewertung des Rankings verwendet – unabhängig von Kontext und Rahmenbedingungen –, stützen wir uns auf fünf gemeinsame Parameter, anhand derer wir das Ranking bewertet haben.
Islam: Sie haben während des Gipfels mehrere Tage in Ungarn verbracht – wie würden Sie die globale Leistung der ungarischen Hochschulen und deren Platzierungen im QS-Ranking einschätzen?
Quacquarelli: Die ungarischen Hochschulen schneiden relativ gut ab, insbesondere angesichts der Größe des Landes. Sechs ungarische Hochschulen befinden sich unter den Top 4.000 des QS World University Rankings, und insgesamt sind rund 100 Einrichtungen aus Ungarn im globalen Ranking vertreten. Für ein Land dieser Größenordnung ist das eine solide Leistung. Eine der wichtigsten Stärken Ungarns ist sein Ruf bei Arbeitgebern. Es besteht eine starke Tradition der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und der Wirtschaft, mit engen Verbindungen zu Unternehmen und einem starken Fokus auf Praktika und praxisorientierte Ausbildung. Dies schafft ein sehr praxisorientiertes Bildungsmodell, und die Absolventen sind oft gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Das ist eine echte Stärke im heutigen globalen Hochschulumfeld. Im Vergleich dazu ist der akademische Ruf jedoch schwächer. Viele ungarische Hochschulen waren in der Vergangenheit eher national ausgerichtet und weniger stark in internationale Forschungsnetzwerke eingebunden. Zudem haben die jüngsten Herausforderungen im Bereich der internationalen Mobilität – wie beispielsweise die geringere Teilnahme an europäischen Programmen wie Erasmus – die globale akademische Vernetzung beeinträchtigt. Gleichzeitig eröffnet dies jedoch auch neue Chancen. Ungarn hat nun die Möglichkeit, seine akademischen Beziehungen zu Europa wieder zu stärken und sein internationales Engagement weiter auszubauen, auch mit Partnern in Asien oder auf anderen Kontinenten.

Islam ( Széchenyi-István-Universität, Győr): Worauf sollten sich ungarische Hochschulen konzentrieren, wenn sie ihre QS-Ranglistenplatzierungen schneller verbessern wollen?
Quacquarelli ( Gründer und Präsident, QS): Sie sollten weiterhin das tun, was sie bereits gut machen – nämlich eine starke Einbindung der Wirtschaft und der Arbeitgeber. Dies ist ein klarer Wettbewerbsvorteil und sollte durch kontinuierliche Investitionen in anwendungsorientierte Infrastruktur sowie in die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und der Wirtschaft aufrechterhalten und weiter gestärkt werden. An der Széchenyi-István-Universität beispielsweise besteht eine sehr enge Verzahnung mit der Wirtschaft, einschließlich spezieller Einrichtungen, in denen Studierende in Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Audi ausgebildet werden. Ein solches integriertes Modell ist äußerst effektiv und sollte beibehalten werden.
Allerdings müssen ungarische Hochschulen auch in akademischer Hinsicht international aktiver werden. Sie verfügen zwar über Verbindungen, nutzen diese jedoch in vielen Fällen nicht in vollem Umfang. Der Schwerpunkt sollte auf der Entwicklung weiterer gemeinsamer Forschungsprojekte und einer vertieften Zusammenarbeit mit internationalen Hochschulen liegen, damit sie deutlicher als globale Forschungspartner wahrgenommen werden. Schließlich ist internationale Sichtbarkeit von entscheidender Bedeutung. Hochwertige Forschung allein reicht nicht aus, wenn sie weltweit nicht sichtbar ist. Die Hochschulen müssen ihre Arbeit durch internationale Publikationen, Konferenzen und akademische Netzwerke aktiv positionieren.
Islam: Spielen Veröffentlichungen und Zitate eine wichtige Rolle in den QS-Rankings?
Quacquarelli: Veröffentlichungen allein helfen nicht, da der Ruf und die Arbeitgeberreputation zusammen noch mehr Gewicht haben; deshalb sind Sichtbarkeit und Wahrnehmung in der globalen akademischen Gemeinschaft gleichermaßen wichtig. Sie müssen sich auf alle fünf von uns festgelegten Kriterien konzentrieren. Zitate fließen über den Indikator „Zitate pro Fakultät“ ein, der die Wirkung der Forschung einer Universität misst. QS bewertet jedoch nicht die Anzahl der Veröffentlichungen. Entscheidend ist, wie einflussreich und qualitativ hochwertig eine Veröffentlichung ist, was durch Zitate zum Ausdruck kommt.
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Islam: Wie ist Ihr Eindruck von der Széchenyi-István-Universität in Győr und der Art und Weise, wie sie das Programm ausgerichtet hat?
Quacquarelli: Die Széchenyi-István-Universität war ein hervorragender Gastgeber für den Gipfel. Die Organisation war sehr professionell, und die Einrichtungen eignen sich gut für die internationale Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Besonders hervorzuheben ist die enge Verbindung der Universität zur Wirtschaft. Die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und der praxisorientierte, anwendungsbezogene Ansatz in der Lehre kommen hier sehr deutlich zum Ausdruck. Das Campusumfeld spiegelt eine starke Ausrichtung auf Innovation, Ingenieurwesen und praxisnahe Ausbildung wider, was gut zu den aktuellen globalen Trends im Hochschulwesen passt. Insgesamt handelt es sich um eine Universität, die sich klar als anwendungsorientierte, wirtschaftsnahe Einrichtung positioniert und dieses Modell sehr effektiv umsetzt.
Islam: Zum Schluss: Was ist Ihre wichtigste Botschaft an Universitäten in aufstrebenden und mittelgroßen Hochschulsystemen wie Ungarn, wenn diese in die Zukunft blicken?
Quacquarelli: Meine wichtigste Botschaft ist einfach: Bauen Sie auf Ihre Stärken auf, aber denken Sie global. Starke Verbindungen zur Wirtschaft sind ein großer Vorteil, doch die Hochschulen müssen auch mehr in internationale Zusammenarbeit und Sichtbarkeit investieren. Die Zukunft gehört den Einrichtungen, die lokal relevant, aber global vernetzt sind. Denken Sie daran: Qualität ist ein Weg, kein Ziel.
Islam: Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre wertvollen Einblicke. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie sich trotz Ihres vollen Terminkalenders auf dem Gipfel Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Es war mir eine Ehre, dieses Interview zu führen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei den künftigen QS Higher Education Summits in Europa, und wir hoffen zudem, QS in naher Zukunft zur Organisation ähnlicher Programme in Zusammenarbeit mit unserer Universität begrüßen zu dürfen.
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Blick in die Zukunft
Die Diskussion verdeutlichte eine übergeordnete Botschaft zur Zukunft der Hochschulbildung: Erfolg wird davon abhängen, starke lokale Relevanz mit globalem akademischem Engagement zu verbinden. Sowohl in den Schwellenländern als auch in den europäischen Systemen ähneln sich die Prioritäten zunehmend – datengestützte Entscheidungsfindung, digitale Transformation, Beschäftigungsfähigkeit, internationale Zusammenarbeit und Sichtbarkeit der Forschung. Für Ungarn sind die Aussichten gemischt, aber vielversprechend. Die Hochschulen zeichnen sich durch eine starke Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und ein gutes Ansehen bei Arbeitgebern aus, was ihnen eine solide Grundlage im Bereich der anwendungsorientierten Bildung verschafft. Die akademische Reputation und die internationale Integration bleiben jedoch Schlüsselbereiche, in denen weiterer Entwicklungsbedarf besteht.
Wenn die ungarischen Hochschulen weiterhin internationale Partnerschaften aufbauen und ihre Präsenz in globalen Forschungsnetzwerken ausbauen, sind sie gut positioniert, um ihre Rolle innerhalb des Europäischen Hochschulraums und darüber hinaus zu stärken. In einer zunehmend wettbewerbsorientierten globalen Wissenswirtschaft werden diejenigen Hochschulen erfolgreich sein, die starke nationale Wurzeln mit aktivem internationalem Engagement und Sichtbarkeit verbinden.
Über den Befragten und den Interviewer:
Nunzio Quacquarelli – Gründer und Präsident von QS
Nunzio Quacquarelli ist ein britischer Bildungsunternehmer, der vor allem als Gründer von QS (Quacquarelli Symonds) bekannt ist, der Organisation hinter den weltweit einflussreichen QS World University Rankings. Er gilt weithin als eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Bereich der globalen Hochschulanalytik und der Ranking-Systeme. Nunzio ist die treibende Kraft hinter wichtigen globalen Initiativen wie den „Reimagine Education Awards“, „Future17“ und dem „Responsible AI Consortium“, die Bildung als Katalysator für soziale Mobilität, Wirtschaftswachstum und globalen Fortschritt fördern. Nunzio ist zudem Kuratoriumsmitglied der Wohltätigkeitsorganisation QS ImpACT.
Mohammad Fakhrul Islam, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Széchenyi-István-Universität in Győr, Ungarn. Er ist unter is********************@*ze.hu erreichbar.
Hinweis: Dieses Interview wurde während des „QS Higher Education Summit: Europe 2026“ in Ungarn geführt. Zur Verbesserung der Klarheit, Prägnanz und Lesbarkeit wurden geringfügige redaktionelle Änderungen vorgenommen, wobei die ursprüngliche Aussage des Interviewpartners gewahrt blieb.

