In Ungarn sind zahlreiche Menschen erwerbstätig. Warum hinkt das Geschäftsumfeld dann hinterher?

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Ungarn weist eine der höchsten Beschäftigungsquoten in Europa auf und liegt mit 81,1 % gleichauf mit Deutschland; doch seine relativ schwache Leistung in den Bereichen Innovation und Digitalisierung hat das Land in einem neuen Ranking zum Geschäftsumfeld auf den 22. Platz in der Gesamtwertung zurückgeworfen.

Die Studie „Doing Business in Europe 2026“ von Leadfeeder bewertet 29 europäische Länder anhand von neun Indikatoren, die Arbeitsproduktivität, Beschäftigung, Investitionen, Innovation, wissensintensive Beschäftigung sowie die Einführung von Technologien wie Cloud-Computing, künstliche Intelligenz und E-Commerce abdecken.

Ungarn belegt insgesamt den 22. Platz, obwohl es unter den in der Studie berücksichtigten Ländern die sechsthöchste Beschäftigungsquote aufweist. Mit einer Beschäftigungsquote von 81,1 % bei den 20- bis 64-Jährigen liegt das Land gleichauf mit Deutschland und vor Österreich, Irland und Dänemark.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Herausforderung für Ungarn nicht in erster Linie darin besteht, Menschen in Arbeit zu bringen, sondern die Wirtschaft produktiver, innovativer und digital fortschrittlicher zu gestalten.

Ungarns hohe Beschäftigungsquote

Die Niederlande verzeichnen mit 83,4 % die höchste Beschäftigungsquote im Ranking, gefolgt von Tschechien mit 82,9 %, Schweden mit 81,8 %, Estland mit 81,7 % und Zypern mit 81,3 %. Ungarn und Deutschland teilen sich den sechsten Platz und verzeichnen beide eine Beschäftigungsquote von 81,1 %. Am anderen Ende der Tabelle weist die Türkei mit 58,1 % die niedrigste Beschäftigungsquote auf, gefolgt von Bosnien und Herzegowina mit 59,5 %.

Die Analyse von Leadfeeder weist auf eine klare Unterscheidung zwischen Beschäftigung und Produktivität hin. Ein großer Teil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter kann beschäftigt sein, ohne dass die Wirtschaft zwangsläufig eine entsprechend hohe Leistung aus dieser Arbeitskraft generiert.

Norwegen beispielsweise weist mit einem Wert von 123,0 die höchste Arbeitsproduktivität im Ranking auf, belegt jedoch insgesamt den sechsten Platz. Die Beschäftigungsquote ist daher nicht der einzige Faktor, der für diese starke Leistung verantwortlich ist.

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Investitionen bieten kaum Entlastung

Bei den Bruttoanlageinvestitionen schneidet Ungarn etwas besser ab und belegt gemeinsam mit Finnland den 16. Platz, wobei die Investitionen 21,9 % des BIP ausmachen. Die schwächeren Ergebnisse des Landes in mehreren anderen Bereichen verhindern jedoch, dass sich dies in einer starken Gesamtplatzierung niederschlägt.

Im Bereich Innovation belegt Ungarn Platz 24, während die Nutzung künstlicher Intelligenz in Unternehmen bei lediglich 10,4 % liegt, womit das Land auf Platz 22 rangiert. Sein Anteil an E-Commerce-Bestellungen beträgt 21,3 %, was dem 21. Platz entspricht.

Auch die wissensintensive Beschäftigung bleibt relativ bescheiden. Ungarn und Slowenien belegen gemeinsam den 14. Platz, wobei 36,5 % der Beschäftigung als wissensintensiv eingestuft werden. Zusammengenommen deuten diese Zahlen auf eine Diskrepanz zwischen der Zahl der Erwerbstätigen und dem Komplexitätsgrad der von ihnen ausgeübten Tätigkeiten hin.

Digitalisierung steht in engem Zusammenhang mit der Gesamtleistung

Die Leadfeeder-Studie ergab zudem einen starken Zusammenhang zwischen der Digitalisierung und der Gesamtplatzierung der Länder im Ranking. Der Digitalisierungsrang weist eine Korrelation von 0,89 mit dem Gesamtranking auf, während der Investitionsrang eine deutlich schwächere Korrelation von lediglich 0,14 aufweist.

Dies deutet darauf hin, dass es nicht unbedingt ausreicht, einfach nur mehr zu investieren, um ein stärkeres Geschäftsumfeld zu schaffen. Die Fähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften, Investitionen in Produktivität, Innovation und digitale Kompetenzen umzusetzen, scheint von wesentlich größerer Bedeutung zu sein.

Der Kontrast zeigt sich auch an anderen Stellen der Rangliste. Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, belegt insgesamt den fünften Platz und verzeichnet die höchste Anzahl an Patenten pro Million Einwohner. Norwegen verfügt über die produktivsten Arbeitskräfte, landet jedoch auf Platz sechs, während die Türkei die höchsten Investitionen im Verhältnis zum BIP aufweist, aber insgesamt nur den 19. Platz einnimmt.

Schweden führt das Ranking zum Geschäftsumfeld in Europa an

Schweden belegt mit einer Gesamtpunktzahl von 74,8 den ersten Platz im Leadfeeder-Ranking 2026. Dänemark liegt mit 69,2 auf dem zweiten Platz, gefolgt von den Niederlanden mit 64,6. Deutschland belegt den fünften Platz, obwohl es die größte in der Studie erfasste Volkswirtschaft ist.

Laut Leadfeeder beruht der Erfolg Schwedens nicht darauf, dass das Land bei einzelnen Indikatoren dominiert, sondern darauf, dass es über alle Indikatoren hinweg eine durchweg starke Leistung aufweist. Es führt zwar nur bei einer der neun Kennzahlen, weist jedoch den größten Abstand zum nächstplatzierten Land unter den Top 9 auf.

Die Studie umfasst 29 europäische Länder mit vollständigen Daten zu allen neun Indikatoren. Elf weitere Länder – darunter die Schweiz, Island, Luxemburg, Malta, Montenegro, Nordmazedonien, Albanien, die Ukraine und der Kosovo – wurden aufgrund fehlender Daten für einen oder mehrere Indikatoren aus der Gesamtwertung ausgeschlossen.

Laut Leadfeeder sollten Unterschiede von weniger als 0,1 Punkten in der Gesamtpunktzahl nicht als bedeutende Abstände interpretiert werden. Bei mehreren Einzelindikatoren gibt es zudem exakte Gleichstände, darunter Ungarns gemeinsamer sechster Platz mit Deutschland bei der Beschäftigung und sein gemeinsamer 16. Platz mit Finnland bei den Investitionen.

Die vollständige Studie „Doing Business in Europe: Where the Action Is in 2026“ ist bei Leadfeeder erhältlich.

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