Könnte Ungarns Staatsbahn zusammenbrechen? Mehr als tausend Klagen eingereicht

Der Druck auf die ungarische Staatsbahn wächst, denn mehr als tausend Lokführer haben Arbeitsgerichtsklagen eingereicht, um eine Entschädigung für angeblich unbezahlte Ruhezeiten zu erhalten. Der Gesamtwert der Forderungen könnte nach Angaben der Lokführergewerkschaft rund 4 Milliarden HUF (etwa 10 Millionen Euro) erreichen.

MÁV könnte in ernsten Schwierigkeiten stecken

Die Klagen richten sich gegen MÁV-START, die Personenbeförderungstochter der MÁV-Gruppe, die einen Großteil des ungarischen Eisenbahnnetzes betreibt. Die Fahrer argumentieren, dass das Unternehmen es versäumt hat, die vorgeschriebenen Ruhezeiten nach der Schicht zu gewähren, und ihnen daher eine zusätzliche Vergütung schuldet.

Ungarische Gerichte haben bereits mehr als 300 erstinstanzliche Urteile und über 30 endgültige Urteile zugunsten der Lokführer gefällt. Die Gewerkschaft behauptet jedoch, dass die Bahngesellschaft den Großteil der von den Gerichten angeordneten Entschädigungen noch nicht gezahlt hat.

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Streit um tägliche und wöchentliche Ruhezeiten

Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, wie die Ruhezeiten für Lokführer berechnet werden, deren Arbeitszeit praktisch zu jeder Tageszeit beginnen kann. Die Schichten können am frühen Morgen, am späten Abend oder sogar mitten in der Nacht beginnen, je nach den Verkehrsplänen der Bahn.

Nach ungarischem Recht und dem Tarifvertrag des Eisenbahnsektors haben Lokführer nach Beendigung einer Schicht Anspruch auf mindestens 12 Stunden Ruhezeit zu Hause. Darüber hinaus müssen sie mindestens eine ununterbrochene wöchentliche Ruhezeit von 42 Stunden erhalten, im Durchschnitt 48 Stunden pro Woche über einen Monat.

Die Fahrergewerkschaft argumentiert, dass das Unternehmen einen Teil der vorgeschriebenen täglichen Ruhezeit als Teil der wöchentlichen Ruhezeit angerechnet hat. Nach Ansicht des Gewerkschaftsvorsitzenden Balázs Barsi bedeutet dies, dass die Fahrer ihre wöchentliche Ruhezeit offiziell beginnen können, bevor sie überhaupt von ihrer letzten Schicht nach Hause gekommen sind.

Die Gewerkschaft ist der Meinung, dass eine solche Planung nicht genügend Zeit für die Erholung lässt und Bedenken hinsichtlich der Sicherheit im Schienenverkehr aufkommen lassen könnte.

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Gerichte stellen sich wiederholt auf die Seite der Lokführer

Laut Telex wurde die rechtliche Grundlage für die Forderungen durch ein Urteil des ungarischen Verfassungsgerichts aus dem Jahr 2020 gestärkt, das besagt, dass tägliche und wöchentliche Ruhezeiten als separate Ansprüche zu behandeln sind. Diese Auslegung wurde später vom Gerichtshof der Europäischen Union im Jahr 2023 in einem Fall bekräftigt, der speziell das ungarische Eisenbahnsystem betraf.

Ungarns höchstes Gericht, die Kúria, hat ebenfalls entschieden, dass die Zeit, in der ein Lokführer nicht die gesetzlich vorgeschriebene tägliche Ruhezeit nach der Arbeit erhält, als außerordentliche Arbeitszeit zu werten ist. In solchen Fällen haben die Arbeitnehmer Anspruch auf einen Lohnzuschlag von 50 %. Im Anschluss an diese Entscheidungen haben die Gerichte begonnen, einzelnen Fahrern Entschädigungen zuzusprechen, die in der Regel zwischen 3 und 4 Millionen HUF pro Fall liegen.

Außerdem sollen auf der Strecke Budapest-Belgrad Luxuszüge fahren: Ledersitze, Kaffeemaschinen und 200 km/h Geschwindigkeit.

Bahngesellschaft bestreitet Ansprüche

Trotz der Urteile behauptet die Bahngesellschaft, ihr derzeitiges System sei rechtmäßig und sogar günstiger für die Arbeitnehmer als die strenge Auslegung der EU-Vorschriften. Dem Unternehmen zufolge könnte die vollständige Anwendung der EU-Vorschriften die ungarischen Eisenbahner letztlich schlechter stellen. Kritiker sagen jedoch, dass das Unternehmen nicht klar erklärt hat, wie das geschehen würde.

Während die juristischen Auseinandersetzungen bereits seit mehreren Jahren andauern, wurde vor kurzem die erste bestätigte Zahlung einer gerichtlich zugesprochenen Entschädigung an einen Lokführer getätigt. Bei den Tausenden von anhängigen Fällen bleibt der Ausgang – und die möglichen finanziellen Auswirkungen auf die ungarische Staatsbahn – jedoch ungewiss.

Das Bild stammt von MÁV.

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