Russische Spione in Budapest? Die neue ungarische Regierung könnte eine Liste von verdeckten Ermittlern erhalten

Der Investigativjournalist Szabolcs Panyi behauptet, dass die neue Regierung unter Péter Magyar bald eine geheime Liste von russischen Geheimdienstmitarbeitern erhalten könnte, die angeblich unter diplomatischer Tarnung in Ungarn arbeiten.
Panyi zufolge hatten die ungarischen Spionageabwehrdienste bereits eine ähnliche Liste für die Regierung von Viktor Orbán vorbereitet, kurz nachdem Russland im Februar 2022 seine groß angelegte Invasion in der Ukraine gestartet hatte. Aus Geheimdienstkreisen verlautete jedoch, der Vorschlag, die Diplomaten auszuweisen, sei mit einem “entschiedenen Nein” abgelehnt worden.
Sollte dies zutreffen, würde dies bedeuten, dass Ungarn einer der wenigen EU- und NATO-Mitgliedsstaaten ist, der nach dem Einmarsch in die Ukraine keine russischen Diplomaten ausgewiesen hat, obwohl es in ganz Europa koordinierte Maßnahmen gab.
“Stille Ausweisungen” wurden angeblich zur Standardpraxis
In einem Facebook-Post sagte Panyi, dass sich Ungarns Spionageabwehr unter der Regierung Orbán stark auf sogenannte “stille Ausweisungen” stützte. Diese Operationen bestanden angeblich darin, mutmaßliche russische Spione diskret und ohne öffentliche Ankündigung nach Hause zu schicken, um den Kreml nicht zu provozieren.
Panyi argumentierte, dass sich dieser Ansatz nun unter der neuen Regierung ändern könnte. Er verwies auf die Tatsache, dass die neue ungarische Regierung bereits in den ersten Tagen ihrer Amtszeit den russischen Botschafter wegen eines russischen Drohnenangriffs in den Unterkarpaten vorgeladen hatte.
Dem Journalisten zufolge behaupten ungarische Sicherheits- und Geheimdienstquellen, dass die neue Regierung bald eine aktualisierte Liste mit mehr als einem Dutzend identifizierter russischer Geheimdienstmitarbeiter erhalten könnte, die unter diplomatischer Tarnung in Budapest tätig sind.
Russische Geheimdienstnetzwerke blieben angeblich weitgehend unangetastet
Der Bericht behauptet, dass die Residenzen des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR und des militärischen Geheimdienstes GRU, die von der russischen Botschaft in der Bajza-Straße in Budapest aus operieren, in den letzten Jahren “fast völlig unberührt” geblieben sind.
Panyi wies auch auf zwei angebliche “stille Ausweisungen” hin, die bisher keine größere Aufmerksamkeit erregt hatten.
Eine davon betraf Artur Sushkov, einen Geheimdienstoffizier des SVR, der am 4. Mai 2026 ausgewiesen worden sein soll. Laut Panyi soll Sushkov nachrichtendienstliche Aktivitäten im Umfeld von Institutionen wie dem Mathias-Corvinus-Kolleg, dem Ungarischen Institut für Auswärtige Angelegenheiten und der Nationalen Universität für den öffentlichen Dienst durchgeführt haben.
Ein weiterer Fall ereignete sich angeblich am 20. Juni 2024, als Andrey Tarakanov, der als GRU-Offizier identifiziert wurde, der unter diplomatischer Tarnung als dritter Sekretär arbeitete, angeblich nach Moskau zurückgeschickt wurde. Panyi behauptete, Tarakanov sei im August 2023 in Ungarn eingetroffen und in erster Linie an russischen Beeinflussungsoperationen beteiligt gewesen, die auf andere EU-Mitgliedstaaten und nicht auf Ungarn selbst abzielten.
Budapest wird beschuldigt, eine logistische Drehscheibe zu sein
Die Anschuldigungen lassen die seit langem bestehenden Bedenken westlicher Sicherheitsexperten wieder aufleben, dass Budapest zu einer bequemen Operationsbasis für russische Geheimdienstaktivitäten innerhalb des Schengen-Raums geworden ist.
Den Quellen von Panyi zufolge könnte die neue Regierung nun versuchen, die “Lücke in der Spionageabwehr” innerhalb des EU- und NATO-Sicherheitssystems zu schließen, indem sie gegen mutmaßliche russische Agenten vorgeht, die in Ungarn noch immer unter diplomatischem Status arbeiten.
Die Behauptungen wurden von den ungarischen Behörden nicht unabhängig überprüft, und es wurde noch keine offizielle Regierungserklärung zu der angeblichen Geheimdienstliste oder möglichen Ausweisungen abgegeben.
Wachsender Druck auf Ungarns Russland-Politik
Ungarns Beziehungen zu Russland werden seit langem von mehreren europäischen Verbündeten kritisiert, insbesondere seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine. Während die meisten EU-Länder die russische diplomatische Präsenz nach 2022 deutlich reduzierten, hielt die Regierung Orbán relativ pragmatische Beziehungen zu Moskau aufrecht, insbesondere in den Bereichen Energiekooperation und Diplomatie.
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