Ungarische Arbeitgeber fürchten ein Gastarbeiterverbot: Werden alle den Preis für politisches Pokerspiel zahlen?

Sprache ändern:

Während des Wahlkampfs versprach Péter Magyar, der Schaffung von Arbeitsplätzen mit hoher Wertschöpfung Vorrang einzuräumen, während Gastarbeiter aus Drittländern schrittweise in ihre Heimatländer zurückgeschickt und ungarische Arbeitskräfte bevorzugt werden sollten. Dennoch betonen Arbeitgeber, dass ausländische Arbeitskräfte nach wie vor unverzichtbar sind. Laut dem Arbeitsmarktexperten Gábor Csizmadia besteht das Kernproblem darin, dass das Thema stark politisiert und mit Migration vermischt wurde, obwohl ohne Gastarbeiter ganze Wirtschaftszweige ins Stocken geraten würden, was ungarische Unternehmen unter erheblichen Druck setzen würde.

Arbeitsplatzsicherung oder Wachstumsrisiko?

Die erste große arbeitsmarktpolitische Entscheidung der Tisza-Regierung hat bereits eine heftige Debatte unter den Wirtschaftsakteuren ausgelöst. Während das Kabinett argumentiert, die Maßnahme diene dem Schutz ungarischer Arbeitnehmer, warnen Arbeitgeber und Ökonomen, dass ein Stopp des Zustroms von Gastarbeitern den ohnehin schon akuten Arbeitskräftemangel verschärfen – und möglicherweise das Wirtschaftswachstum dämpfen – könnte.

In den letzten Jahren ist die ungarische Wirtschaft zunehmend von ausländischen Arbeitskräften abhängig geworden. In der Industrie, der Logistik, dem Baugewerbe und Teilen des Dienstleistungssektors hatten viele Unternehmen Schwierigkeiten, genügend ungarische Arbeitskräfte zu finden, und griffen stattdessen auf Arbeitskräfte aus Drittländern zurück. Die Beschäftigungszahlen bewegen sich nahe historischen Höchstständen, während die inländischen Arbeitskräftereserven weitgehend erschöpft sind. Experten argumentieren, dass bestimmte offene Stellen lokal schlichtweg nicht besetzt werden können. Obwohl Statistiken einen Pool an Arbeitslosen im erwerbsfähigen Alter ausweisen, würde deren Integration in den Arbeitsmarkt Zeit und Ressourcen erfordern – ohne Garantie für Qualität oder Präzision, im Gegensatz beispielsweise zu philippinischen Arbeitskräften, deren Zuverlässigkeit von Arbeitgebern weithin gelobt wird.

Chinese investment delays guest workers Hungary illustration
Illustration. Titelbild: depositphotos.com

Gastarbeiter – aber nicht mehr wie früher

Seit dem 6. Juni ist die Erteilung neuer Aufenthaltsgenehmigungen für Gastarbeiter faktisch ausgesetzt, da die Regierung keine Drittstaaten benannt hat, deren Staatsangehörige dafür in Frage kämen (Georgien, Armenien und die Philippinen wurden aus der bisherigen Liste gestrichen). Dieser Schritt hat den Hauptkanal geschlossen, über den Arbeitsvermittlungsagenturen bisher Arbeitskräfte in großer Zahl nach Ungarn gebracht hatten. Die Regierung hält daran fest, dass das Ziel darin bestehe, ungarische Arbeitsplätze und Löhne zu schützen. Tisza hat wiederholt betont, dass er nicht zulassen werde, dass ausländische Arbeitskräfte ungarische Arbeitnehmer verdrängen oder das Lohnwachstum dämpfen.

In der Praxis erscheint die Maßnahme jedoch inkonsequent. Wie gestern berichtet, können Nicht-EWR-Bürger weiterhin Aufenthaltsgenehmigungen zu Beschäftigungszwecken erhalten – was beispielsweise bedeutet, dass weiterhin zusätzliche chinesische Arbeitskräfte in Fabriken chinesischer Eigentümer einreisen können, da diese Unternehmen die Anwerbung direkt und ohne Vermittler organisieren.

Chinese guest workers set to flood a tiny Hungarian town byd
Foto: Pix4free

Wachstum in Gefahr

Herr Csizmadia warnt davor, dass die neuen Vorschriften den Arbeitskräftemangel verschärfen und damit möglicherweise das BIP-Wachstum Ungarns bremsen könnten. Wenn Unternehmen nicht genügend Personal finden, könnten sie die Produktion zurückfahren, Investitionen verschieben oder sogar Entwicklungsaktivitäten ins Ausland verlagern. Dies ist besonders auffällig angesichts der Tatsache, dass Nachbarländer einen weitaus höheren Anteil an Arbeitskräften aus Drittstaaten beschäftigen: rund 25 Prozent in Österreich, 10–15 Prozent in Polen und der Tschechischen Republik, verglichen mit nur 2,5 Prozent in Ungarn. Seiner Ansicht nach ist das Thema stark politisiert worden, wobei die Öffentlichkeit zunehmend legal beschäftigte, befristet beschäftigte Gastarbeiter mit illegalen Migranten gleichsetzt.

Erläuterung: Ungarns Gastarbeiterverbot tritt in Kraft, doch ausländische Arbeitskräfte können unter strengeren Auflagen weiterhin einreisen

Die Regierung Tisza scheint jedoch keine vollständige Abschottung anzustreben. Laut offiziellen Angaben läuft derzeit eine umfassende Überprüfung, wobei Pläne für ein strengeres System bestehen, das besser auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse abgestimmt ist. Das Kabinett hat zudem seine Ambitionen bekräftigt, das Wachstum wieder anzukurbeln, die einheimischen Arbeitskräfte zu mobilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit ungarischer kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob strengere Kontrollen für Gastarbeiter tatsächlich die Chancen für ungarische Arbeitnehmer verbessern – oder stattdessen das Wachstum bremsen, zu einer Zeit, in der viele Branchen bereits mit Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben.

Blutbad in Debrecen: Gastarbeiter fast enthauptet

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *