Ungarn erweitert Bahnflotte mit 70 neuen chinesischen Zügen, große Infrastrukturprojekte geplant

Ungarn wird sein Schienennetz erheblich modernisieren. Die Regierung plant die Anschaffung von 70 neuen Zügen aus chinesischer Produktion, die mit den bestehenden Schweizer Stadler-Modellen kombiniert werden sollen. Diese Ankündigung machte Bau- und Verkehrsminister János Lázár am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Hajdúszoboszló.
Neue Züge für Inlandsstrecken
Die neuen Triebzüge, die auf dem Korridor Debrecen-Nyíregyháza-Miskolc eingesetzt werden sollen, werden einem Bericht von Telex zufolge die 10-15 Jahre alten Stadler-Züge ergänzen, die in Szolnok überholt und gewartet werden. Insgesamt sollen in diesem Jahr 93 Züge mit 14.000 Sitzplätzen geliefert werden, deren Kosten sich auf 80 Milliarden HUF (208,3 Millionen Euro) belaufen.

Die Doppelstockzüge des chinesischen Herstellers CRRC ZEMU, die im Sommer auf ungarischen Gleisen getestet wurden, sind 158 Meter lang und können 1.280 Fahrgäste befördern, davon 571 Sitzplätze. Sie können eine Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h erreichen. Durch die Verwendung von leichtem Aluminium und Verbundwerkstoffen ist die Masse der Züge trotz der Doppelstockkonfiguration nur etwa 10 Prozent größer als bei herkömmlichen einstöckigen Fahrzeugen. Breite, einflügelige Türen mit einem Durchmesser von fast 1,5 Metern ermöglichen ein schnelleres Ein- und Aussteigen.
“Es liegt auf der Hand, dass die Anforderungen an das Netz enorm sind und wir seit Jahren mit 50-60 Jahre alten Zügen fahren”, sagte Lázár. Er fügte hinzu, dass die Schweizer Züge, die für ihre Langlebigkeit und Präzision bekannt sind, im Laufe der Zeit an Wert gewinnen, und dass es in ganz Europa immer schwieriger wird, neue Triebzüge zu beschaffen.

Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur
Neben dem Ausbau des rollenden Materials treibt Ungarn auch die Verbesserung der Infrastruktur voran. Die Regierung hat den Bau eines neuen Gleisdreiecks in der Nähe von Zalaszentiván bestätigt. Der 1,5 Kilometer lange Streckenabschnitt soll die Ost-West-Linie 25 von Slowenien über Zalaegerszeg und Zalaszentiván nach Bobá mit der Nord-Süd-Linie 17 verbinden, die Szombathely über Zalaszentiván mit Nagykanizsa verbindet. Durch das Projekt entfällt das Wenden der Züge im Bahnhof Zalaszentiván, was die Effizienz sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr erhöht.
Das Projekt, das fast 12 Milliarden HUF (31,2 Millionen Euro) kostet, wird von der EU und dem ungarischen Staat kofinanziert, berichtet IHO. Das Konsortium V-S Zala – bestehend aus Swietelsky Vasúttechnika Kft., V-Híd Network Kft. und R-Kord Kft. – hat den Zuschlag für den Bau erhalten. Für die Fertigstellung sind 840 Tage vorgesehen, so dass das Projekt bis November 2028 abgeschlossen sein könnte. Der Deltaknotenpunkt wird auch das geplante Containerterminal von Metrans unterstützen und die Frachtkapazität weiter erhöhen.
Erneuerung der InterCity-Dienste
Die Regierung plant außerdem, einen neuen InterCity-Wagen auf der Strecke Budapest-Debrecen einzusetzen. Lázár betonte, dass 10 Prozent der gesamten Sitzplatzkapazität der neuen Züge in erster Linie Debrecen und Miskolc bedienen werden, während die übrigen Wagen in Szolnok, Sopron, Szombathely und Budapest eingesetzt werden sollen. Das Ministerium erwägt, weitere gebrauchte Stadler-Züge aus der Schweiz zu erwerben, um den künftigen Bedarf zu decken.
Diese Maßnahmen spiegeln Ungarns Bestreben wider, sowohl das rollende Material als auch die Eisenbahninfrastruktur zu modernisieren, um die Reisequalität zu verbessern, die Kapazität zu erhöhen und die Rolle des Landes in den europäischen Güterverkehrskorridoren zu stärken.

