Warum die Rekordzahl an Auslands- und Umzugsstimmen der Theiß-Partei Auftrieb geben könnte

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Ein rekordverdächtiger Anstieg der Zahl der Ungarn, die sich aus dem Ausland oder von außerhalb ihres ständigen Wohnsitzes zur Wahl registrieren lassen, könnte bei den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April zu einem der entscheidendsten Faktoren werden, und alles deutet darauf hin, dass dies die oppositionelle Theiß-Partei gegenüber der Fidesz von Premierminister Viktor Orbán begünstigen könnte.
Neue Zahlen zeigen, dass mehr als 315.000 Stimmen außerhalb der Heimatwahlkreise der Wähler abgegeben werden, ein dramatischer Anstieg gegenüber knapp über 200.000 im Jahr 2022, schreibt Mátyás Bódi in seiner Analyse auf Telex. Der Anstieg ist auf zwei historische Trends zurückzuführen: ein Anstieg der Wahlregistrierungen in den Botschaften um fast 40 % und ein Anstieg der Anträge auf Stimmübertragung im Inland um 43 %. Für Theiß, dessen Unterstützerbasis jünger und mobiler ist und sich überproportional auf die in Westeuropa lebenden Ungarn konzentriert, könnte sich dies als großer Wahlvorteil erweisen.
Übersee-Ungarn wählen in Rekordzahl
In diesem Jahr haben sich laut 444.hu fast 91.000 Ungarn in den Botschaften und Konsulaten im Ausland zur Wahl angemeldet, ein deutlicher Anstieg gegenüber 65.480 vor vier Jahren. Im Jahr 2022 gaben nur etwas mehr als 57.000 der registrierten Wähler ihre Stimme ab, aber die deutlich höhere Zahl in diesem Jahr deutet auf eine weitaus höhere Wahlbeteiligung der Auslandsungarn hin.
Die politische Bedeutung dieses Trends kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Ergebnisse der Vergangenheit zeigen, dass die Wähler, die im Ausland ihre Stimme abgegeben haben, der Regierung durchweg weitaus kritischer gegenüberstanden als die Wähler im Inland.
Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2024 erhielt der Fidesz beispielsweise weniger als 19% der Botschaftsstimmen, was die Schwäche der Regierungspartei bei den in Westeuropa lebenden Ungarn zeigt. Theiß scheint dies frühzeitig erkannt zu haben und startete eine gezielte Mobilisierungskampagne, die sich an ungarische Gemeinschaften in Ländern wie Deutschland, Österreich, Großbritannien und Spanien richtet.
Es wird erwartet, dass London mit 9.551 registrierten Wählern erneut das größte Wahllokal in Übersee sein wird, während Deutschland auf Länderbasis führend ist. Den auffälligsten Anstieg verzeichnet Spanien, wo sich die Wahlbeteiligung Berichten zufolge im Vergleich zur letzten Parlamentswahl verdoppelt hat.

Warum diese Stimmen für Theiß so wichtig sind
Der Hauptgrund für die politische Bedeutung dieses Trends liegt in den Abstimmungsmustern der vergangenen Wahlen.
In allen 106 Einzelwahlkreisen gibt es einen bestimmten Wahlbezirk, in dem die im Ausland und im Inland abgegebenen Stimmen schließlich zusammen mit den lokalen Stimmen gezählt werden. Ein Rückblick auf die Ergebnisse von 2022 in diesen speziellen Auszählungsbezirken zeigt ein klares Muster: Die Fidesz-Kandidaten haben dort im Durchschnitt 15 Prozentpunkte schlechter abgeschnitten als in ihren Wahlkreisen insgesamt.
In einigen Bezirken war der Unterschied sogar noch dramatischer. Im Wahlkreis Bács-Kiskun 4 mit Zentrum in Kiskunfélegyháza schnitt der Fidesz-Kandidat im Sonderauszählungsbezirk um mehr als 25 Prozentpunkte schlechter ab. Ähnliche Rückgänge wurden in östlichen Wahlkreisen wie Nyíregyháza-Tiszavasvári verzeichnet.
Dies macht den Rekordanstieg bei den Stimmen aus dem Ausland für Theiß besonders vielversprechend, da sich die Partei erfolgreich als die natürliche Wahl für jüngere, urbane und international mobile ungarische Wähler positioniert hat.
Transferwahlen erreichen ein Allzeithoch
Die zweite wichtige Entwicklung ist die außerordentliche Zunahme der inländischen Verlegung der Stimmabgabe, die es den Ungarn ermöglicht, an einem anderen Ort als ihrem ständigen Wohnsitz zu wählen und trotzdem die Kandidaten ihres Heimatwahlkreises zu wählen.
In diesem Jahr haben 227.000 Wähler die Übertragung der Stimmabgabe beantragt, gegenüber 157.551 im Jahr 2022: ein weiterer Rekord.
Nach Ansicht von Bódi könnte der Zeitpunkt der Wahl ein wichtiger Faktor sein. Da der Wahltag unmittelbar nach dem langen Osterwochenende liegt, werden viele Ungarn voraussichtlich verreisen oder von zu Hause wegbleiben, was die Übertragung der Stimmabgabe besonders wichtig macht.
Dieses demographische Konzept scheint wiederum Theiß zu begünstigen. Umfragen und politische Analysen deuten darauf hin, dass der durchschnittliche Wähler der Partei jünger, wohlhabender, besser ausgebildet und geografisch mobiler ist als der typische Fidesz-Anhänger, dessen Basis weiterhin aus älteren und ländlicheren Wählern besteht.
In zahlreichen umkämpften Wahlkreisen gab es besonders bemerkenswerte Zuwächse bei den Wechselwählern, darunter Békés 4, Somogy 4 und Nógrád 1.

Verspätete Auszählung könnte Unsicherheit in der Wahlnacht verlängern
Das schiere Ausmaß dieser Abstimmungen hat auch eine wichtige technische Konsequenz: Ungarn wird das endgültige Wahlergebnis möglicherweise nicht vor dem 18. April erfahren.
Nach dem Wahlgesetz werden Stimmen, die im Ausland oder durch Übertragung abgegeben wurden, nicht dort gezählt, wo sie abgegeben wurden. Stattdessen werden sie in den Heimatwahlkreis des Wählers zurücktransportiert und spätestens am sechsten Tag nach der Wahl in dem dafür vorgesehenen Bezirk ausgezählt.
Das bedeutet, dass sich in der Nacht des 12. April zwar erste Tendenzen abzeichnen, mehrere hart umkämpfte Wahlkreise aber noch tagelang unentschieden bleiben könnten.
Für Theißen könnte sich die verzögerte Auszählung dennoch lohnen. Wenn die historische Tendenz gegen die Regierung bei diesen Wahlen anhält, könnte der Rekordanstieg bei der Auslands- und Mobilwahl die Chancen der Partei in einzelnen Wahlkreisen erheblich verbessern.
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